Mit Jazz und Phantasie

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Sechs Stunden hochwertiger Musikgenuss, dazu eine Fülle kulinarischer Köstlichkeiten: Die schon traditionelle Jazzmatinee für einen guten Zweck hat nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.

Offenbach - Vom Geheimtipp zu einer echten Institution - auch im 21. Jahr seines Bestehens zieht die Jazzmatinee wieder ganze Besucherströme in den Innenhof des Busingpalais. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Selten wird auf so engem Raum eine solche Fülle an kulinarischen Köstlichkeiten für jeden Geschmack mit gleichzeitig sechs Stunden hochwertigem Musikgenuss kombiniert. Und dann auch noch eintrittsfrei und für einen guten Zweck – wer da lieber zu Hause bleibt, ist selber schuld.

Als Partnerschaftsprojekt von Leibniz- und Fröbelschule sind für sämtliche Darbietungen und die meisten Verkaufsstände Schüler, Eltern und Lehrer zuständig, so auch für die Musik. Die legt gleich morgens um 10 Uhr mit der Leibniz-Lehrerband los, verstärkt durch ehemalige Schüler. Mit zwei Musikprojekten ist auch die Fröbelschule, die Ganztagsschule für Praktisch Bildbare und mehrfach schwerstbehinderte Kinder, mit im Rennen. „Rhythmix“ plus Lehrerband sowie die Boy Group mit MC Muha heizen mit echter Begeisterung und dem „Fröbelschul-Rap“ ein. Die offizielle Eröffnung wird kurzerhand dazwischen geschoben. Die teilen sich die Schulleiter Reinhard Brand und Christof Dombrowski, der Fördervereinsvorsitzende Detlef Kohsow, der diesjährige Hauptsponsor Dr. Eberhard Theobald (Allianz-Generalvertretung) und die Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller. Nicht zu vergessen Dr. Peter Bieniussa, Leiter des staatlichen Schulamts, der die Ehrung für Fröbelschulleiter Brand vornimmt. Der hatte in diesem Jahr sein 40. Dienstjubiläum und ist vor einer Woche in den Ruhestand getreten.

Bilder der Jazzmatinee

Jazz Matinee im Büsingpalais

Dass die Alters(teil)zeit noch lange nicht vor Arbeit schützt, weiß Michael Buhr, der bis Februar als Musiklehrer der Leibnizschule tätig war, bestens. Und sie ist auch kein Grund, nicht wieder die musikalische Gesamtleitung der Veranstaltung zu übernehmen. Die Schulband betreut er sowieso seit 30 Jahren. Sie entstand aus einer Arbeitsgemeinschaft. „Irgendwann haben wir uns gesagt, es ist egal, wie gut wir sind, wir treten jetzt einfach auf. Und siehe da: Es ging“, erinnert sich Buhr. Er selbst sitzt bei der Jazzmatinee wieder am Klavier, das zur Rhythmusgruppe mit Bass, Schlagzeug und Gitarre gehört. Blechbläser vervollständigen die zehnköpfige Band. Ihr Musikstil ist der Mainstream, dazu gehören Stücke wie „Summertime, „Night in Tunisia“ und „A-Train“. Schüler der neunten bis 13. Klasse gehören zur Band, die Kleinen lernen von den Großen, so wie es in den Noten steht. Wer sich traut, kann versuchen zu improvisieren, „was gar nicht so schwer ist“, findet Buhr.

Der Erfolg gibt ihm Recht: Ein ehemaliger Schlagzeuger der Schulband, Manuel Murugalla, hat sich mit „Fusion Fly“ selbstständig gemacht, spielt Rock im weitesten Sinne und bereichert mit seinen eigenen Kompositionen das Jazzmatinee. Unterstützend zu den beiden Partnerschulen wirken die Offenbacher Jazz-Bigband der Musikschule und die „Chameleon-Jazzband“ der Marienschule unter der Leitung von Simon Waldvogel und Arno Classen mit. Durch das Programm führen in diesem Jahr die Schüler selbst.

Kekse und „Keks“, die Schülerzeitung der Leibnizschule sind wohl trotz 50-Cent-Kampfpreisen der einzige Ladenhüter des Tages. Zeitungsschreiberin Franziska Ruwe aus der 8b hat kaum etwas zu tun, schwitzt am Stand in der Sonne. Da ist sie nicht die einzige. Den sonnenzugewandten Ständen fehlt ein wenig der Schatten, die Erwärmung für heiße Lebensmittel tut ihr übriges. Die 7b setzt passenderweise auf „Hot Dog“. Wer trotzdem noch nicht ins Schwitzen gekommen ist, für den hat die Ruder-AG Simulations-Geräte aufgebaut. Wer 500 Meter auf dem Ergometer schafft, bekommt eine Urkunde.

Sehenswert sind allein schon die Plakate, die die Kinder für ihren jeweiligen Stand selbst gestaltet haben. Überhaupt zeugen die Stände immer wieder von viel Phantasie: kein Angebot gibt es an mehreren Ständen gleichzeitig. Die Klasse 7a verkauft selbst gemachte „Original-7a- Bärchen“ in sieben Geschmacksrichtungen. Schokospieße, Früchtebecher, „Lass dich überraschen“, gebastelte Haarspangen, Teelichtgläser und Gieß-Keramik der Fröbelschüler. Das ist nur eine kleine Auswahl dessen, was geboten an diesem Tag wird.

Unter dem Motto „Es ist normal, verschieden zu sein“ besteht seit Jahren das Gemeinschaftsprojekt von Leibnizgymnasium und Fröbelschule. Zielsetzung ist, die Normalität im Umgang mit Behinderten zu fördern, Berührungsängste abzubauen und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Die Jazzmatinee ist einer der Höhepunkte in jedem Schuljahr.

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