Jazz-Picknick im Büsingpark

Swing unter trübem Himmel

+
Die Veranstaltung des Jazz e.V. Offenbach zog des Wetters wegen allerdings nur wenige Zuhörer an. Trotz nur spärlich besetzter Publikumsreihen war der Elan bei den Musikern groß.

Offenbach - Raus aus dem Musikkeller, rein in den Park. Eine gute Idee, sofern der Wettergott mitspielt und ein abendliches Open-Air-Event wie dieses entsprechend angenehm temperiert. Dann stellt sich treffliche Stimmung von selbst ein. Von Harald H. Richter 

Eine Garantie dafür gibt es in dieser Freiluftsaison freilich nicht. Trotzdem geht der Offenbacher Jazz e. V. das Wagnis ein, lädt zur 18. Auflage seines Jazz-Picknicks und bereitet dem Publikum im Büsingpark zwischen Bäumen und Löwenterrasse einen swingenden Klangteppich. „Wir können für alles sorgen: für ein künstlerisch hochwertiges Programm und ein tolles Ambiente. Aber das Wetter können wir nicht steuern. Und auch diesmal ist Petrus kein Jazzer“, bedauert Lutz Plaueln, Mitbegründer und Vorsitzender des Jazz e.V., und sucht in Anbetracht einsetzenden Regens unter den Bäumen Schutz. Nur eine Handvoll Musikenthusiasten hat sich eingefunden. Ihnen wird ein zweistündiges Programm geboten, das stärkeren Publikumszuspruch verdient hätte. Immerhin gesellen sich nach und nach einige weitere Fans hinzu. Keiner will sich die Laune vermiesen lassen von düsteren Wolken am Himmelsgewölbe, sondern die Kombination aus Musik und mitgebrachten Gaumenfreuden genießen.

Allgemein definiert sich Picknick als eine meistens gemeinschaftlich im Freien eingenommene Mahlzeit, die bisweilen in Verbindung mit einem gesellschaftlichen Ereignis steht. Diesmal ist eine musikalische Zeitreise der Grund, sich auf dem Rasengrün vor dem Palais an Tischen und Bänken zu versammeln. Hier und jetzt gönnt man sich Mußezeit und zelebriert das gepflegte Beisammensein im Freundeskreis.

Appetitlich zubereitete Köstlichkeiten

Martina Fuchs hat einen prall gefüllten Korb mitgebracht und entnimmt ihm diverse Frischhalteboxen, die appetitlich zubereitete Köstlichkeiten enthalten. „Sogar für die heimelige Beleuchtung ist gesorgt“, sagt sie schmunzelnd und verteilt Teelichter auf dem Tisch. Beim Auspacken erntet sie neidvolle Blicke derer, die es versäumt haben, selbst etwas mitzubringen. Sie breitet Tomaten, Oliven und Salamihäppchen, Minifrikadellen, Eier und Erdbeeren, Kochkäse aus der Region und dazu knuspriges Bauernbrot aus. Edler Rebensaft dient der weiteren Stimmungsaufhellung und lenkt den Blick weg von den immer wieder über den Köpfen des Publikums hinweg ziehenden düsteren Wolken hin zu den Protagonisten auf der Bühne.

Seit fünf Jahren gibt es die Formation Gypsy Accents, bestehend aus den Gitarristen Torsten Buckpesch und Rolf Plaueln, Udo Brenner am Kontrabass sowie Geiger und Trompeter Waldemar Szymanski. Der fehlt an diesem Abend urlaubsbedingt und wird durch den gebürtigen Darmstädter Martin Landzettel ersetzt. Der 52-jährige studierte Geiger ist seit zwölf Jahren Leiter des angesehenen Lichtenberger Instituts für Gesang und Instrumentalspiel in Fischbachtal. Zu den vier Vollblutmusikern gesellt sich als Gast der Frankfurter Saxophonist Gernot Dechert. Sein Name steht für groovenden Jazz, wobei der 46-Jährige aber auch in seinem Spiel den Einfluss des typischen Soul und Blues reflektiert.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Das Publikum erfreut sich eines bunten Melodienstraußes, den die Musiker von Gypsy Accents überwiegend aus Stücken und Arrangements von Django Reinhardt, wie sein populäres „Minor Swing“, gebunden haben, und belohnt das Repertoire mit Applaus. Begeisterung und Leidenschaft sind spürbar. Beschwingter Geigenzauber erfüllt die Luft, trudelt sekundenlang seinen Reigen und erreicht die Besucherreihen. So erklingen ins Blut gehende Songs aus den 20er-Jahren, etwa „Sweet Georgia Brown“, durch viele stilübergreifende Coverversionen zum Evergreen und Jazzstandard geworden, und der Ohrwurm „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“, ein aus der Feder des deutscher Militärkapellmeisters und Komponisten Franz Doelle stammender Slow-Fox. Toots Thielmans „Blusette“ fehlt ebenso wenig wie Bart Howards „Fly Me To The Moon“.

Der Himmelskörper freilich zeigt sich nicht, denn es herrscht Neumond. Dafür lässt der Regen nach und die Bühnenlichter und die bunten Scheinwerfer, welche die Bäume in ein warmes Licht tauchen, suggerieren eine laue Sommernacht.

Kommentare