Jean Weipert steht jetzt auf der Liste

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Der Platz vor der Stadthalle trägt einen Namen, mit dem viele nichts anfangen können.

Offenbach ‐ Der Platz vor der Stadthalle trägt den Namen Dag-Hammarskjöld-Platz. Wen das ehrt und wie man den Namen korrekt schreibt und ausspricht, wissen nur wenige. Denn mit Offenbach hat der 1961 verunglückte UN-Generalsekretär aus Schweden rein gar nichts gemein. Von Lothar R. Braun

Die Stadtväter schwammen bei der Benennung lediglich auf einer internationalen Welle der Emotionen, auf der dem Schweden nach seinem Unfalltod in Afrika auch der Friedensnobelpreis zugesprochen wurde. Heute erinnern an ihn nur noch Geschichtsbücher.

Mittlerweile wäre eine solche Benennung nicht mehr möglich. Die Stadtverordnetenversammlung hat das Verfahren vor einigen Jahren reformiert. Dabei wurde eine Vorschlagsliste mit etwa hundert Wunsch-Namen auf 25 eingedampft.

Auslegungskonflikte auch weiterhin möglich

Getilgt wurde etwa der Name des französischen Philosophen Gabriel Marcel (1889-1973). Er hatte sich mehr als 45 Jahre lang auf der Liste gehalten. In Betracht gezogen wurde Marcel, nachdem er 1964 in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hatte und dabei auch zu einem Vortrag nach Offenbach gekommen war. Die Stadt war ihm nicht fremd, denn eine Großmutter verband ihn mit der Offenbacher Fabrikantenfamilie Posen.

Den neuen Normen, die Straßennamen nur noch Persönlichkeiten zubilligen, die einen Bezug zu Offenbach haben, hätte Marcel also genügt. Vielleicht wusste man im Rathaus nicht mehr so genau, wer er war. Marcel wurde jedenfalls gestrichen.

Auslegungskonflikte sind ohnehin auch weiterhin möglich. Denn die neuen Regeln erlauben als Ausnahmen auch Benennungen ohne Offenbach-Bezug, wenn sie einer Persönlichkeit von außerordentlichem Rang gelten. Konrad Adenauer und Friedrich Schiller wären demnach weiterhin benennungswürdig, obwohl sie mit Offenbach wenig verbindet.

Angelegenheit abermals in Fluss geraten

Das Nachdenken über Straßennamen begann vor einigen Jahren mit Verärgerung. Irritiert reagierte das Stadtparlament darauf, dass der Magistrat neue Straßen sozusagen in freihändiger Kreativität benannte, ohne einen Blick auf die seit Jahrzehnten geführte Vorschlagsliste. Für die Reform des Verfahrens bildete das Parlament deshalb eine Arbeitsgruppe, die der Vorsteher leitet. Dem Magistrat hat sie seine Kreativität beschnitten.

Doch schon ist die Angelegenheit abermals in Fluss geraten, denn die Stadtverordnetenversammlung beschloss: „Die Vorschlagsliste zur Straßenbenennung wird umbenannt in Vorschlagsliste zur Straßenbenennung und für entsprechende Ehrungen“. Dahinter steht die Idee, für alle auf der Vorschlagsliste notierten Personen auch die Möglichkeit einer alternativen Ehrung zu prüfen. Statt eines Straßennamens könnte das beispielsweise durch eine von Offenbacher Künstlern gestaltete Stele oder eine Tafel am Wirkungsort des Geehrten sein.

Straßenname billiger als Denkmal

Das damit angestrebte Ziel hatte das Parlament bereits im August formuliert: „Menschen zu motivieren, sich für unsere Stadt zu engagieren“. Die schöne Idee hat nur den Haken, dass dafür Sponsoren gefunden werden müssen. Ein Straßenname kommt allemal billiger als ein Denkmal.

Im Zusammenhang damit hat die Arbeitsgruppe Straßenbenennungen schon mal ihre Vorschlagsliste um fünf weitere Namen ergänzt. Genannt werden: Walter Spiller (1919-1996), einst Direktor des Caritasverbandes. Dann Oskar Gutsche (1878-1938), als Gartenbaudirektor Schöpfer vieler Grünanlagen. Weiter Dr. Karl Reiß (1910-1986), katholischer Diözesanflüchtlingsseelsorger und Pfarrherr in sozial empfindlichen Bezirken. Sodann Jean Weipert (1886-1964), Mitgründer der Offenbacher Messegesellschaft mit Verdiensten um den Bau des Ketteler-Krankenhauses, der Messehallen und der Kirche St. Paul. Schließlich Pater Manfred Förg (1934-2006), der zwar nicht für Offenbach tätig war, aber im afrikanischen Namibia als Seelsorger und Entwicklungshelfer segensreich wirkte.

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