Jedem sein Süppchen

Offenbach - Von wegen „voller Bauch studiert nicht gern“. Das Mittagessen an den Schulen ist in Zeiten des regelmäßigen Nachmittagsunterrichts unverzichtbarer Bestandteil; schließlich kommen Schüler mit dem Pausenbrot alleine längst nicht mehr über die Runden. Und oftmals haben sie selbst das nicht mehr in ihrem Schulranzen. Von Matthias Dahmer

Das weiß man auch bei der Stadt. Daher bieten alle Schulen eine Mittagsverpflegung an, „die in irgendeiner Form Ganztagsangebote haben“, sagt Stadtrat und Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP). Derzeit wird seinen Angaben zufolge an 19 Schulen Mittagessen ausgegeben. An acht Einrichtungen ist das nicht der Fall, sie verfügen aber auch noch nicht über Nachmittagsangebote. „Das geht jetzt Schlag auf Schlag. In Kürze werden Cafeterien an Lauterborn- und Ludwig-Dern-Schule errichtet und in wenigen Jahren haben alle Schulen in Offenbach eine Essensversorgung“, kündigt Weiß an.

Wie aus einem Bericht des Magistrats für die Stadtverordnetenversammlung hervorgeht, kocht bei der Mittagsverpflegung fast jede Schule ihr eigenes Süppchen. Vielfach sind die von Schulen, Fördervereinen oder kirchlichen Trägern selbst besorgten Mahlzeiten aus einem dem Geldmangel geschuldeten Provisorium hervorgegangen. Die so gewachsene Vielfalt schmeckt mittlerweile aber jedem. Paul-Gerhard Weiß: „Das wird kunterbunt organisiert und soll auch so bleiben.“

Der Gedanke, die Versorgung zu vereinheitlichen, wie er im Herbst 2008 in einem CDU-Antrag keimte, ist wieder verworfen worden. „An den Schulen werden bewährte und etablierte Verfahren beibehalten“, wird denn auch im Magistratsbericht vorgeschlagen. Lediglich dort, wo saniert wird oder Schulen neu zu bauen sind, strebt man eine Verpflegung durch die Gourmet-Werkstatt in Bad Nauheim an. Das Verpflegungsunternehmen, an dem die Stadt über die Offenbacher Klinik Management GmbH beteiligt ist, beliefert schon das Stadtkrankenhaus und die Rathaus-Kantine.

So verschieden, wie die Organisation der Mahlzeiten ist die Bezuschussung. An vier Schulen, berichtet Paul-Gerhard Weiß, stellt die Stadt auch das Personal, was pro Jahr insgesamt 80 000 Euro kostet. Private oder kirchliche Träger erhalten einen jährlichen Pauschalbetrag von durchschnittlich 10 000 Euro.

Als Elternbeitrag zum Mittagessen hält der Magistrat in seinem Bericht drei Euro für vertretbar. Wer das Geld dafür nicht aufbringen kann, erhält auf Antrag einen Zuschuss über die Karl-Kübel-Stiftung.

Der Blick auf die Mittagskarte ist appetitanregend

Die Kosten pro Essen belaufen sich je nach Zubereitungsart und Teilnehmerzahl auf bis zu sechs Euro, die Differenz zwischen Elternbeitrag und diesem Betrag trägt die Stadt. „Nicht jeder Schüler nimmt an der Mittagsverpflegung teil“, so Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß.

Was da verpasst wird, zeigt ein Blick an die Leibnizschule. „Seelachsfilet in Sesampanade auf Wok-Gemüse dazu Kurkuma-Reis“ oder „Italienische Tomatencremesuppe mit Pesto und Baguette“ kommen dort heute auf den Tisch. An der Brandsbornstraße hat man sich schon vor Einführung von G8 um die Verköstigung der Gymnasiasten gekümmert. Die Rudolf-Koch-Schule bietet seit dem Schuljahr 2006/2007 warmes Mittagessen an. Ebenso wie an der Albert-Schweitzer-Schule können die Essen an Leibniz- und Koch-Schule online vorbestellt werden.

Die drei Gymnasien haben sich lokale Kooperationspartner für die Essenslieferung und die damit verbundenen Verwaltungsarbeiten gesucht. So konnte ein „Mittagstisch“ „in Form einer Mindestversorgung aufgebaut werden“, heißt es im Magistratsbericht.

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