Für jeden ein Päckchen

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Eine Mahlzeit und ein offenes Ohr für Probleme bietet die Initiative Essen und Wärme ihren Tischgästen: Die Speisen werden von der Arbeiterwohlfahrt geliefert. Dafür zahlen die Besucher einen Beitrag von einem Euro (zehn Essensmärkchen kosten 7,50 Euro).

Offenbach ‐ Die Handgriffe sitzen. Brot schmieren, belegen, noch eine Scheibe drauf, einpacken, fertig. Die meisten Helferinnen engagieren sich schon lange bei der Aktion „Essen und Wärme für Bedürftige“, die die Ökumenische Initiative „Soziale Not in Offenbach“ ins Leben gerufen hat. Von Simone Weil

Inge Quandt etwa gehört zu den Freiwilligen der ersten Stunde. Sie kann sich gut daran erinnern, dass vor 17 Jahren nur eine Handvoll Tischgäste kam. Doch die Zahl der Besucher wuchs stetig. Momentan sind es etwa 90 Frauen, Männer und auch Kinder, die das Hilfsangebot nutzen.

Leider“, sagt Günter Krämer. Dem Pfarrer im Ruhestand, der die Initiative maßgeblich initiiert hat, wäre es lieber, die Leute könnten sich selbst ernähren. „Das ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft“, findet er. Viele der Gäste kennt Krämer schon lange und begrüßt sie mit Namen: Es sind Senioren mit kleiner Rente, Menschen mit Suchtproblemen, psychisch Kranke und Hartz-IV-Empfänger, bei denen das Geld kaum fürs Nötigste reicht. Und tatsächlich ist einer der ersten Besucherinnen im Saal der Frei-religiösen Gemeinde anzusehen, dass sie sich auf das Stückchen und den Kaffee freut, mit dem die Zeit bis zum Mittagessen überbrückt wird.

Aktion ausschließlich durch Spenden finanziert

Währenddessen werden in der Küche Brote vorbereitet und in kleine Beutel gepackt - die werden später noch verteilt, damit die Besucher gut über den Tag kommen. Obst gibt es auch noch dazu. Heute sind gleich zwei Neulinge im Team, das die Essenausgabe vorbereitet. „Es ist gut, dass immer wieder auch neue Leute dazustoßen“, freut sich Günter Krämer. Immerhin läuft die knapp 50.000 Euro teure Aktion, die ausschließlich durch Spenden finanziert wird, von Anfang November bis Mitte März. Ohne Freiwillige wäre die Arbeit nicht möglich: 90 Frauen und Männer packen tatkräftig mit an.

Das Besondere bei „Essen und Wärme“: Das Angebot besteht täglich zwischen 11.30 und 14 Uhr - auch sonn- und feiertags. Etwa zehn Innenstadtgemeinden fungieren als Gastgeber und stellen ihre Räume meist zwei Wochen lang zur Verfügung. Diesmal allerdings sind die Planungen durcheinander geraten, weil die Johannesgemeinde wegen eines Wasserschadens nicht teilnehmen kann. Dafür springt St. Elisabeth an der Richard-Wagner-Straße 73 ein und beherbergt die Hilfsaktion vom 18. bis 29. Januar.

Ab Januar dienstags Beraterinnen zu Gast

Dass die Ökumenische Initiative mehr bietet als eine warme Mahlzeit, wird auch daran deutlich, dass sie sich Unterstützung vom Caritasverband geholt hat: Ab Januar sollen dienstags Beraterinnen zu Gast sein, die den Tischgästen helfen wollen, ihre Probleme zu lösen. Und von denen gibt es jede Menge. Das Geld reicht weder für eine neue Brille, eine Zahnbehandlung oder Anschaffungen für die Kinder. „Es macht traurig, zu sehen, wie sich diese Menschen mit den Ämtern auseinandersetzen müssen“, findet Günter Krämer.

Wer mitarbeiten möchte, meldet sich bei Günter Krämer unter Tel.: 069 83 83 24 54. Wer die Initiative finanziell unterstützen will, sollte das neue Spendenkonto beachten: Städtische Sparkasse Offenbach (BLZ 50550020), Konto 2218437.

Weil die Not groß ist und die Besucher am Rande der Gesellschaft stehen, ist es allen Beteiligten ganz besonders wichtig, vor allem die Weihnachtsfeiertage festlich und so normal wie möglich zu gestalten. Dabei darf ein geschmückter Christbaum nicht fehlen. Auch Päckchen gibt es „mit einer Kleinigkeit“. Die etwa 100 Geschenke packt Monika Vater ein. Ganz liebevoll, als wär's für die eigene Familie. Auch sie trägt bereits seit 15 Jahren dazu bei, dass sich Bedürftige in den Gemeinden willkommen fühlen.

Die Initiative setzt sich übrigens auch dafür ein, dass ihre Gäste und die ihr bekannten Armen der Stadt nicht anonym beerdigt werden, sondern dass ihnen eine würdige Bestattung zuteil wird. „Dafür haben wir lange gekämpft“, sagt Krämer.

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