Nur jeder Dritte wählte

Offenbach - Offenbach Ausgezählt. Die Stimmen und die Europapolitik. 33,2 Prozent Wahlbeteiligung in Offenbach, das kommt im Kampf um das Interesse der Bürger an der Entwicklung der Staatengemeinschaft einem K.o. gleich. Bei der Europawahl vor fünf Jahren hatte zumindest noch mehr als jeder Dritte Offenbacher EU-Bürger (34,9 Prozent) sein Kreuzchen gemacht. Von Marcus Reinsch

Einziger echter Aufsteiger, gemessen am städtischen Ergebnis ebenso wie am bundesweiten: die FDP. Mit 11,7 Prozent verdoppelte sie ihr hiesiges Resultat gegenüber 2004 (6,5 Prozent) fast. „Das ist das mit Abstand beste Ergebnis, das es für die FDP in Offenbach jemals bei einer Europawahl gab“, frohlockte Parteichef Paul-Gerhard Weiß. Und das zeige auch, wie gut die Liberalen in der Stadt verankert seien. Durchaus ein Mutmacher für die Bundestagswahl…

Bestätigt fühlen dürfen sich auch die Grünen, die ihr Offenbacher Ergebnis minimal aufstockten - plus 0,1 auf 17,6 Prozent - und damit wiederum näher an die SPD rücken, die ihrerseits erneut etwas abrutschte. 2004 hatte sie 21,4 Prozent geholt, gestern waren es 20,6. SPD-Fraktionsvorsitzender Stephan Färber: „Nun versuchen alle zu erklären, dass sie gewonnen haben. Das nehmen wir für unsere Partei nicht in Anspruch.“ War‘s die miese Wahlbeteiligung? „Wir hatten nach der letzten Europawahl eigentlich gedacht, dass wir nun am Tiefpunkt angekommen sind. Das war nicht so.“ Man könne niemals vorher sagen, wie zahlreich die Anhänger welcher Parteien ins Wahllokal finden. „Sehr, sehr interessant ist nun, wie das Offenbacher Ergebnis bei der Bundestagswahl aussehen wird.“

Da wäre die hiesige CDU mit den exakt 35 Prozent, die sie gestern bei der Europawahl bekam, nicht zwangsläufig glücklich. Aber das Euro-Ergebnis in der Stadt sei über dem Bundestrend, betonte der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Freier. Republikweit wurden der CDU am späteren Wahlabend knapp unter 31 Prozent zugerechnet, wobei sie mit der CSU (rund 7,4 Prozent) gemeinsam veranschlagt wird und somit gut 38 Prozent vermelden kann. In Offenbach hatten vor fünf Jahren noch 39,3 Prozent der Offenbacher Wähler ihre Stimmen der CDU alleine gegeben. Doch trotz 4,9-Prozent-Minus bleibe die CDU mit mehr als 14 Prozent und 3166 Stimmen Vorsprung auf die SPD die „mit Abstand stärkste Partei in Offenbach“.

Dass das städtische Ergebnis seiner Partei über dem bundesweiten (hochgerechnet gut 12 Prozent) liegt, betonte auch Grünen-Fraktionschef Peter Schneider. Allein: „Die Wahlbeteiligung ist natürlich ein Anlass zur Sorge. Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass nur ein Drittel der Wahlberechtigten wählen geht.“ Oberbürgermeister Horst Schneider sieht‘s weniger dramatisch: „Die Beteiligung ist geringfügig zurückgegangen. Das ist nicht zum Jauchzen, aber auch kein Grund für Pessimismus.“

Letzteren hat wohl auch die Linke nicht. 5,7 Prozent der Offenbacher Stimmen entfielen auf sie. Der Rest der Parteienvielfalt spielte keine Rolle. Die Republikaner schaffen es auf nur noch 1,9 Prozent (2004: 3,3 Prozent), die „Rentner“-Partei auf nicht mal 1 Prozent. Die „Piraten“ hatten 1,4 Prozent Anhänger und für die „Frauen“ gab es insgesamt 69 Stimmen.

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