Jeder holte sich den Schönsten

Offenbach ‐ Hoch gewachsen muss er sein und gerade, dabei stets Haltung bewahren und prächtig aussehen, wenn am Heiligen Abend die Geschenke für die Liebsten unter ihm liegen: Bevor ein Weihnachtsbaum ins Haus kommt, will gründlich Maß genommen sein. Von Christina Schäfer

Hohe Ansprüche - und erfüllbare, wie auch in diesem Jahr der Christbaumverkauf unserer Zeitung zeigte. Der Ansturm war enorm, der Lastwagen mit den Objekten der Begierde bereits nach vier Stunden geplündert.

Das letzte von hunderten Exemplaren verkauft Familie Korn Punkt 13 Uhr, die Besucher aber denken nicht ans Heimgehen. Lockt doch auch ein kleiner Weihnachtsmarkt mit Leckereien und Kreativem. Handgearbeitete Krippen mit Porzellanfiguren vom Offenbacher Achim Beuth, Annelie Walters Räuchermännchen und Marmeladen und Karin Rieger-Fröhlichs Patchwork-Sterne und Schöpfungen aus Ton finden Bewunderer und Absatz.

Schon vor dem Verkaufsstartschuss um 9 Uhr hat sich die Kundschaft vor dem Verlagsgelände gedrängelt. Jeder will den schönsten Bio-Baum, und dank dem Umstand, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt, ist das kein Problem. Bestimmte Attribute sind ohnehin allen Bäumen gemein: „Alle Bäume sind ganz frisch in dieser Woche geschlagen“, wirbt Franz Korn aus dem Jossgrund für seine Ware. Das muss den Kunden nicht erst schmackhaft gemacht werden; die Korns haben alle Hände voll zu tun, um Blau-, Nordmann- und Nobilistannen auszupacken. Einige Bäume sind an Zäune und den Laster gelehnt, die meisten aber finden gleich von der Ladefläche aus Liebhaber: Auspacken, präsentieren - verkauft!

Mehr Bilder des Christbaumverkaufs

Christbaumverkauf der Offenbach-Post

Treue Weihnachtsbaumkunden auf dem Verlagsgelände sind Brigitte Klein und Dietmar Borrmann. Sie stehen mit zwei Bäumen in der Schlange und harren aus, bis sie das Festtagsgrün endlich ihr Eigen nennen dürfen. „Wir sind von der Frische hier überzeugt“, sagt Brigitte Klein. Zudem sei der Baumkauf in weihnachtlichem Ambiente zwischen den Ständen eine echte Attraktion. Mit geschultem Auge haben sich die beiden für ihre Favoriten entschieden. Hauptkriterium: „Da wir echte Kerzen drauf machen wollen, muss der Abstand zwischen den Zweigen groß genug sein“, so Klein.

Vom Duft der frisch geschlagenen und ungespritzten Tannen haben sich Brigitte Heberer und ihr Mann aus Bieber an die Waldstraße locken lassen. Bis der Baum im Esszimmer aufgestellt wird, hängt das Paar seine Tanne kopfüber an den Carport. Das halte länger frisch. Erst wenige Tage vor Weihnachten komme der Baum an seinen Platz, und dann bleibe das Zimmer bei Familie Heberer traditionell bis Heiligabend verschlossen.

Viele Glocken und echte Kerzen

Anneliese Obst lagert ihren Weihnachtsbaum bis zum 23. Dezember liegend auf der Terrasse. Erst dann werde er aufgestellt und rot-gold geschmückt. Und vielleicht wird Obst den Rat des Fachmanns Franz Korn beherzigen: „In einen Eimer Wasser stellen und bevor er aufgestellt wird einige Zentimeter am Stamm absägen.“

Aber erstmal einen Stamm haben. Elisabeth und Helmut Otterbein aus Rembrücken haben den richtigen gefunden. „Die Bäume hier sind sehr schön“, schwärmen sie. Eine der Schönheiten wird am 24. Dezember geschmückt. „Mit LED-Lichtern“, verrät Helmut Otterbein. Viele Glocken und echte Kerzen kommen hingegen bei Waldtraud Zimmer aus Sprendlingen an den Baum: „Das gehört einfach dazu.“

Baum bleibt stehen, solange die Nadeln dranbleiben

An Heidemarie Kwotschalla kann sich Korn noch aus dem vergangenen Jahr erinnern. Da transportierte sie ihre Tanne mit dem Fahrrad ab, und auch diesmal hat sie ihren Drahtesel mitgebracht. Geschickt befestigt sie den etwa zwei Meter großen Baum mit Expandern auf ihrem Rad. „Wenn ich das Auto nehme, habe ich den ganzen Dreck drin. So ist das viel praktischer.“ In spätestens einer Woche soll das Grün in der Wohnung stehen, und dann, solange die Nadeln dranbleiben. „Ich bin ein richtiger Weihnachtshansel“, sagt die Dame.

Der Renner sei die Nordmanntanne, sagt Franz Korn. „Die hält etwas länger und die Nadeln stechen nicht so.“ „Und sie riecht besser“, ergänzt eine Kundin, die stolz ein Exemplar in Händen hält. Es riecht schon nach Weihnachten.

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