Manche mögen’s gemach

Jeder-Hund-Rennen im Bürgeler Mainbogen

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Stop! Beim Jeder-Hund-Rennen müssen die Vierbeiner von Herrchen oder Frauchen gestartet und eingefangen werden.

Offenbach - Inmitten aufgeregten Gebells seiner Artgenossen hätte Arrow beinahe das Startkommando überhört. Von Harald H. Richter 

Gerade noch mit Beginn der Zeitnahme rennt er los und pfeilschnell dem Ziel entgegen, wo sein hinter der Linie wartendes Herrchen sich mühen muss, um ihn zu bändigen und wieder an die Leine zu nehmen. In weniger als zehn Sekunden hat der bewegungsfreudige Galgo die hundert Meter lange Sprintstrecke zurückgelegt und wahrt damit vor dem abschließenden zweiten Teil der Konkurrenz seine Chance auf den Klassensieg.

Anders Dolly, die zwar folgsam auf die Strecke geht, aber eben geht – womit ihr Lauftempo zutreffend beschrieben ist. Die betagte Teckel-Hündin macht sich weder etwas aus den Lockrufen, die ihr entgegen gerufen werden, noch fällt sie aufs imitierte Entengeschnatter herein, mit dem das gestikulierende Frauchen mittels eines als Fälschung entlarvten Exemplars aus der Donald Duck-Dynastie ihr Beine zu machen versucht. Eine Minute später ist aber auch Dolly da angekommen, wo sie erwartet und mit einem Tütchen Leckerlis belohnt wird.

Spaß steht im Vordergrund

„Für die Familie der Hundefreunde steht der Spaß im Vordergrund und nicht so sehr der Wettkampfgedanke“, beschreibt Jörg Winkel, Vorsitzender des 1949 gegründeten Frankfurter Clubs für Windhundrennen, was mit dem kurzweiligen Spektakel bezweckt ist, das der Verein in nunmehr neunter Auflage auf seiner Anlage im Bürgeler Mainbogen veranstaltet. Gut 130 Meldungen zur Teilnahme in acht Starterklassen liegen vor. Eine Resonanz, die der Clubchef so nicht erwartet hat angesichts dicker Regenwolken. Kurzbeinige Hunde bis 25 Zentimeter Schulterhöhe treten an, ebenso mittelgroße Exemplare und solche von mehr als 61 Zentimetern Schulterhöhe. In eigenen Kategorien gehen Rassen ohne Größeneinteilung und Vierbeiner mit Handicap an den Start, darunter zwei erblindete Tiere und auch Hunde mit nur drei Gliedmaßen.

Karin Gründer sind die Jeder-Hund-Rennen längst vertraut. „Ich bin inzwischen zum vierten Mal mit meinen Australian Shepherds hergekommen“, sagt die Offenbacherin, die dem Verein zwar nicht angehört, aber im Gespräch mit Vorstandsmitglied Brigitte Rauch durchaus Interesse verspürt. So entschließt sie sich, am Wochenende mit ihren drei Hütehunden zum unverbindlichen Training auf die Anlage zu kommen. Während zur Mittagsstunde Mable, Pebbles und Mayrah alle viere von sich strecken dürfen, weil sie die Hälfte des heutigen Rennpensums bereits erfüllt haben, hecheln andere Artgenossen noch mit wehenden Ohren und Lefzen über die Strecke.

Jeder-Hund-Rennen in Bürgel vergangener Tage

Jeder-Hund-Rennen in Bürgel

Zugelassen sind nur Tiere, die gesund sind, über ausreichende Kondition verfügen und deren Halter eine gültige Tollwutimpfung nachweisen können, was eine anwesende Veterinärin kontrolliert. „Wir empfehlen, dass die Hunde mindestens ein Jahr alt sind“, setzt Jörg Winkel eine Marke. Gemessen und klassifiziert, dürfen die Lieblinge dann zeigen, was sie können. Für die Zuschauer, darunter auch diesmal zahlreiche Familien mit Kindern, ist das Spektakel ein großes Vergnügen und amüsant allemal zu beobachten, welches Bemühen Frauchen und Herrchen an den Tag legen, um ihre Hunde zum Laufen zu motivieren und anzufeuern. „Alles ist erlaubt, nur tragen dürfen sie ihren Liebling nicht“, bemerkt der Vorsitzende schmunzelnd. Zum Schluss gibt es für jeden eine Teilnahmeurkunde, außerdem Pokale beziehungsweise Preise für die Hunde mit den besten Gesamtzeiten jeder Größenklasse.

Weitere Infos:

www.cwfrankfurt.de

Zu diesem Zeitpunkt sind die Fotografen Stefan Schawo und Valentin Popa, die den ganzen Tag über das Geschehen mit ihren Kameras begleitet haben, bereits dabei, unzählige Schnappschüsse vom Jeder-Hund-Rennen auf der Internetseite des Vereins hochzuladen. Zur Erinnerung an die Veranstaltung können Vergrößerungen zugunsten einer Spende für den Tierschutz bestellt werden. „Darauf freuen sich die Hundehalter schon sehr“, weiß Jörg Winkel.

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