„Jeder kann ein Superheld sein“

Offenbacherin leitet Manga-Zeichenschule

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Die Welt der japanischen Comics bringt Christina Plaka in ihrer Zeichenschule „i am mangaka!“ allen Interessierten näher.

Offenbach - Sie ist die erste deutsche professionelle Manga-Zeichnerin, und sie vermittelt ihr Wissen gerne an andere: Christina Plaka startet im Ostpol ab Montag ihre neuen Kurse im Zeichnen der japanischen Comics. Von Achim Lederle

„Zum Schulstart gibt es einige Umstellungen: Meine Kurse sind jetzt modular aufgebaut und wie an der Uni bestehen sie aus Grundkursen und Wahlfächern“, erzählt Plaka. In Deutschland sind die japanischen Comics und vor allem das Mangazeichnen in den vergangenen Jahren immer populärer geworden. Viele Manga-Leser interessieren sich auch für das Erstellen ihrer eigenen Geschichten, wissen aber häufig nicht genau, wie die Produktion oder das Zeichnen genau funktionieren. Da hilft Plaka weiter: Um eine Anlaufstelle für junge Nachwuchs-Mangazeichner (Mangaka) zu bieten, hat sie sich im Sommer 2016 dazu entschlossen, eine Zeichenschule namens „i am mangaka!“ im Offenbacher Ostpol zu eröffnen. Sie ist neben einer Einrichtung in Hamburg bis heute die einzige Manga-Lehrstätte in Deutschland.

Von anfangs etwa 13 Schülern ist die Zahl der Manga-Studenten auf inzwischen 45 gestiegen. Plaka: „Meinen kleinen 30-Quadratmeter-Raum habe ich längst gegen ein 56 Quadratmeter großes Doppelraumbüro getauscht. Seit April existiert dazu noch ein kleines Büro mit zwei Mitarbeitern. Im Raum Offenbach gibt es großes Interesse: Auch Schulen, Büchereien und Buchläden buchen Vorträge und Zeichenworkshops.“

Christina Plaka lebt für Manga und gibt ihre Kenntnisse in einer eigenen Zeichenschule für die japanischen Comics weiter.

Was macht den Reiz der japanischen Comics aus? Die studierte Japanologin Plaka, die zwei Jahre lang an der weltweit einzigen Manga-Fakultät in Kyoto gelernt und zahlreiche Comics im renommierten deutschen Carlsen-Verlag veröffentlicht hat, sagt: „Bei Manga geht es weniger um Superhelden und mehr um den Menschen. Die Botschaft lautet: Jeder kann ein Held sein!“ Wichtig seien die Charaktere und vor allem auch deren Outfits, die viele Manga-Fans animierten, sich ähnlich zu kleiden. Manga verkörperten auch den Reiz des Exotischen: „Die Comics werden von rechts nach links gelesen, sind oft in schwarz-weiß und bieten spannende, filmhafte Zeichnungen, vor allem aber unendlich viel Potenzial für Identifikationen“, erzählt die 35-jährige Plaka mit leuchtenden Augen.

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Die Offenbacherin mit griechischen Wurzeln hat in der Kreativ-Szene der Lederstadt ihr ideales Umfeld gefunden: „Ich bin dank des KIZ im Ostpol auf das Stipendium des YBGs (Youth Business Germany) gestoßen. Als Stipendiatin habe ich zusammen mit meiner Mentorin ein Jahr lang an Strategien und Konzepten für ,i am mangaka!’ gearbeitet und in Coachings mit anderen Stipendiaten weitere junge Unternehmer kennengelernt und viele neue Ideen für mein eigenes Business mitgenommen. Eine wirklich wertvolle Erfahrung!“

Ab nächster Woche beginnt bei Plaka nun ein neues Kursmodell, das ihren Unterricht noch vielseitiger machen soll. In Grundkursen kann alles über das Zeichnen und Konzipieren von Mangas von den Basics bis zur eigenen Manga-Geschichte gelernt werden. Bei den Wahlfächern geht es dann um Spezialgebiete wie Anatomie und Charakter-Design. Die Kurse kosten ab 60 Euro im Monat; Anmeldungen sind noch möglich.

Erstmals bindet Plaka nun mit ihrer Meisterschülerin Colin Schwanengel eine externe Lehrkraft ein. Die Mangaka strebt auch Kooperationen mit Verlagen oder Institutionen wie dem Kyoto Manga Museum und der Kyoto Seika Universität an. „Ich will meinen Schülern einen direkten Japanbezug bieten und auch den interkulturellen Austausch fördern.“, sagt sie.

Ein wichtiger Aspekt der japanischen Kultur ist längst auch in Offenbach angekommen – dank des professionellen Einsatzes von Christina Plaka.

Weitere Infos finden Sie auf der Website von "i am mangaka!"‘.

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