Jeder vierte Ex-„Roländer“ hat wieder einen Job

Offenbach - In der Manroland-Pleite haben bundesweit rund 2000 Beschäftigte des Druckmaschinenherstellers ihre Jobs verloren. Besonders hart traf es den Standort Offenbach. Zur Halbzeit der auf sechs Monate angelegten Transfergesellschaft gibt es aber erste Erfolge bei der Jobsuche.

Die auf sechs Monate befristete Transfergesellschaft für frühere Beschäftigte des Offenbacher Manroland-Werks vermeldet zur Halbzeit erste Erfolge. Von den ursprünglich 897 übernommenen Mitarbeitern haben bereits 260 und damit mehr als jeder vierte eine neue Beschäftigung gefunden, sagte die Geschäftsführerin der Personalentwicklungsgesellschaft PRM, Silke Wohlgemuth, der Nachrichtenagentur dpa.

Auf dem Arbeitsmarkt besonders gefragt waren nach ihren Angaben Servicetechniker, Ingenieure, Elektrofachleute und Maschinenführer. Umgekehrt gebe es bislang keine Gruppe, bei der gar nichts gehe. Bei der Manrolandpleite hatten Menschen aus allen Berufsgruppen ihre Stellen verloren, darunter auch etliche Kaufleute und Bürofachkräfte.

Schwere Situation für ältere Beschäftigte

Besonders schwierig sei allerdings die Situation für ältere Beschäftigte ab etwa 58 Jahren, sagte die Personalexpertin. Ziel der Gesellschaft ist es, in der vorgegebenen Zeit möglichst viele Menschen in neue Jobs zu bringen und gegebenenfalls vorher zu qualifizieren. Dazu stehen laut Wohlgemuth auch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds zur Verfügung.

Während der sechs Monate erhalten die Ex-Manroländer von der Arbeitsagentur Kurzarbeitergeld. Sonst wären sie sofort in die Arbeitslosigkeit gefallen. Mit dem Sozialfonds-Geld werden individuell zugeschnittene und von der Arbeitsagentur anerkannte Förderprogramme und Qualifizierungen bezahlt, wie zum Beispiel Schweißer-Kurse oder Einheiten zu speicherprogrammierbaren Steuerungsprogrammen.

Bewerbungstrainings sowie Computer- und Englischschulungen

Auch Bewerbungstrainings sowie Computer- und Englischschulungen standen schon auf dem Programm der Personaltrainer. „Jeder soll die bestmögliche Unterstützung erhalten, um eine neue Beschäftigung zu finden“, sagte Wohlgemuth. Es komme aber entscheidend auf die Menschen selbst an: „Letztlich muss jeder Bewerber selbst im Betrieb bestehen.“

Größere Firmen bemühen sich zudem gezielt um die Ex-Roländer, wie die Arbeitsagentur Offenbach berichtet. So hätten sich nach einer gezielten Informationsveranstaltung des Logistikunternehmen DB Schenker 45 Leute dort beworben, berichtete die Sprecherin Regina Umbach-Rosenow. Genaue Angaben zu Qualität und Verdienstmöglichkeiten der neuen Jobs konnten beide Stellen nicht geben. Das sei letztendlich Sache der Arbeitssuchenden und dürfe schon aus Datenschutzgründen nicht registriert und ausgewertet werden, sagte Umbach-Rosenow.

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Bislang haben nur wenige Roländer Stellen bei einem Zeitarbeitsunternehmen angenommen, erklärte Wohlgemuth. Die Konditionen der zum 1. Februar gegründeten Transfergesellschaft hatten bei der Pleite die Betriebsparteien gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter ausgehandelt, wobei die früheren Manroland-Eigentümer Allianz und MAN für das Gesamtunternehmen einen Beitrag von 24 Millionen Euro zugesagt hatten.

Das Offenbacher Werk für Bogendruckmaschinen wird von dem britischen Investor Langley mit einer stark verkleinerten Mannschaft von rund 900 Leuten weitergeführt.

dpa

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