Sprachprobleme

Jeder vierte Schulanfänger in Therapie

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Offenbach - Silben verschlucken, unklare Aussprache: Immer mehr junge Schüler in Hessen müssen zur Sprachtherapie.

„Mit dem Schulbeginn kommt es besonders darauf an, richtig sprechen zu können; wir haben aber festgestellt, dass immer mehr Kinder damit Probleme haben“, teilte jetzt Stephan Gill, Sprecher der AOK Hessen mit. Nach seinen Angaben brauchen vor allem Jungen vor dem Schulbeginn Unterstützung: 2012 war knapp jeder vierte sechsjährige Junge, der über seine Eltern AOK-versichert war, in sprachtherapeutischer Behandlung (22,9 Prozent). 2007 lag der Anteil noch bei 19 Prozent.

„Wir beobachten, dass Jahr für Jahr mehr Kinder für eine gesunde, altersgerechte Entwicklung vorübergehend therapeutische Unterstützung brauchen“, erläuterte Gill. Während des Kindergartenalters und des Vorschulalters beobachten Pädagogen und Eltern oft Schwierigkeiten im Rahmen einer Sprachentwicklungsverzögerung bzw. -störung. Darunter fallen Dysgrammatismus (Störungen des Satzbaus und Störungen der Wortflexion, zum Beispiel bei der Verwendung des Plurals), Dyslalie (reine Artikulationsstörung), Auslassungen, Ersetzungen sowie Veränderungen einzelner Laute und Lautverbindungen (Phonologische Störung). Auffällig seien dabei die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. 2012 benötigten lediglich 13,5 Prozent der sechsjährigen Mädchen eine Sprachtherapie (2007: 11,9 Prozent). Ergo- und Sprachtherapie könnten helfen, Defizite der kindlichen Umwelt zu bewältigen. Gill rät: „Reden, viel reden! Sich mit den Kindern beschäftigen, spielen, vorlesen, gemeinsam lesen, singen! Denn das primäre Sprechenlernen und der Erwerb des Sprachverständnisses spielen sich immer innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen ab.“

psh

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