Erdbeben „jederzeit wieder möglich“

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Schwere Beben sind nach Angaben von Klaus-Günter Hinzen im Rhein-Main-Gebiet jederzeit wieder möglich.

Offenbach ‐ Mit Professor Klaus-Günter Hinzen von der Kölner Universität und Leiter der Erdbeben-Station Bensberg sprach Peter Schulte-Holtey.

Müssen wir demnächst mit noch mehr Beben rechnen?

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Erde bebt im Rhein-Main-Gebiet

Das Rhein-Main-Gebiet bildet den Übergangsbereich zwischen drei tektonischen Schwächezonen in der Erdkruste Mitteleuropas: im Süden der Oberrheingraben, im Nordosten die Hessische Senke und im Nordwesten das Mittelrheingebiet bis hin zur Niederrheinischen Bucht. Die langsamen tektonischen Bewegungen in der Erdkruste führen hier immer wieder mal zu Erdbeben, die in seltenen Fällen, wie Dienstagmorgen, auch spürbar sind. Mit einer zunehmenden Zahl von Erdbeben müssen wir nicht rechnen, aber aus historischer Zeit sind auch Erdbeben zum Beispiel im Raum Mainz und Gross-Gerau bekannt, bei denen es zu erheblichen Bauwerksschäden gekommen ist. Solche Erdbeben sind im Rhein-Main-Gebiet jederzeit wieder möglich.

Ab welcher Stärke merken Menschen Erdstöße?

Erdbeben mit einer Stärke über 3 auf der Richterskala werden in Deutschland in aller Regel von den Anwohnern in der Umgebung des Herdes gespürt. Gerade in den oberen Stockwerken von höheren Gebäuden kann es sein, dass solche Erdbeben auch in größerer Entfernung noch wahrgenommen werden. Auch wenn Beben der Stärke 3 bis 4 auf der Richterskala deutlich gespürt werden, so treten erste Bauwerksschäden meist erst ab einer Magnitude von 5 auf. Wir sind an allen Beobachtungen aus der Bevölkerung interessiert. Auf der Internetseite http://www.erdbebenstation.de kann jeder, der das Beben verspürt hat, einen Fragebogen ausfüllen - Rubrik: ,Erdbeben gespürt'. Basierend auf diesen Angaben werden automatisch Karten erzeugt, die zeigen wo das Beben wie stark gewirkt hat - in der Liste ,aktuelle Erdbeben' in der Spalte ,Makro' auf ,zeigen’ klicken.

Können Tiere Beben voraus ahnen?

Nein, in der Regel können Tiere es nicht ahnen. Eine häufige Beobachtung, die immer wieder zu dieser Interpretation führt, ist, dass Tiere zwar früher reagieren - als der Mensch etwas spürt. Das liegt meistens aber daran, dass Tiere für Erschütterungen sensibler sind und sie daher die ersten schnell laufenden Wellen wahrnehmen, der Mensch aber erst die verzögert eintreffenden stärkeren Wellen spürt. In dem Moment, in dem das Tier reagiert, ist aber das Beben schon passiert; also keine Vorausahnung in dem Fall.

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