Und was ist jetzt Bürgerwille?

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Stadthof

Offenbach - Beim Thema Maindammsanierung war’s einfacher gewesen als beim Stadthof. Von Marcus Reinsch

Beim Damm hatte sich eine große, recht repräsentative Menschenmenge durch die Möglichkeiten gewühlt. Da hatten konkreten Entwürfen konkrete Kosten gegenüber gestanden. Da hatte die Kommunalpolitik am Ende klar erkennen können, dass der Bürger eine lange Spundwand will und ein bitteschön langes Leben für die Bäume auf der Deichkrone.

Was die Kommunalpolitik nach der seit Montagabend abgeschlossenen ersten Phase der Bürgerbeteiligung zur Umgestaltung des Stadthofs als Bürgerwillen erkennen wird, bleibt im Vergleich dazu spannend. Und dabei soll das Stadtparlament Mitte Juni beschließen, mit welcher Vorgabe die am Gestaltungswettbewerb beteiligten Planungsbüros ins Detail gehen sollen. Grundsatzfrage: Mit oder ohne Pavillons?

Verfechter, so viel ist klar, gibt es für beide Varianten. Bei der Planungswerkstatt am Montag beispielsweise war mehrheitlich eher vom Vorteil zu hören, den neuen Stadthof nicht um Überbleibsel des alten herumplanen zu müssen. Beim Stadthof-Rundgang am Donnerstag zuvor aber war eher der Eindruck zu gewinnen gewesen, dass viele Bürger den als Domizil für den Polizeiladen und das „Café am Rathaus“ dienenden Betonbauten mittlerweile einen gewissen Charme zuschreiben.

Liberale wollen Café-Pavillion erhalten

Ebenso übrigens wie die Offenbach-FDP. Die warnte gestern davor, den Rathausvorplatz „kaputt zu sanieren“. Heißt wohl: Die Liberalen, die zum Stadthof gerade eine eigene Umfrage bei Bürgern und Parteimitgliedern gestartet haben, wollen zumindest den Café-Pavillon erhalten.

Nach Auffassung des Fraktionsvorsitzenden Oliver Stirböck ist der Platz in seiner jetzigen Form „keine Schönheit. Aber er funktioniert an wesentlichen Stellen.“ Und angesichts vieler Freiräume drumherum spreche wenig für einen komplett pavillonfreien Platz. Es müsse darum gehen, „Platz zu gestalten statt nur Platz zu schaffen“; deshalb sei es nicht sinnvoll, „neuen Raum ohne garantierte Nutzung zu schaffen und Raum für Gastronomie künstlich zu verkleinern.“ Es reiche, „das 60er-Jahre-Grau und dunkle Ecken zu minimieren“ und etwa einen neuen Brunnen und bessere Bedingungen für die Freiluftgastronomie zu schaffen.

Ein Thema, das noch viele Diskussionen vertragen würde. Die werden sich aber in Grenzen halten müssen. Denn so viel Zeit für den Stadthof eigentlich bliebe, so wenig bleibt für die Sanierung der Rathaus-Tiefgarage untendrunter. Das Parkdeck ist bekanntlich undicht und muss dringend saniert werden.

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