Jetzt heißt es auch offiziell Mathildenviertel

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Oberbürgermeister Horst Schneider und Bürgermeisterin Birgit Simon erklommen zur Enthüllung des Schildes eine Stehleiter (links). Eichendorffschüler schminkten beim Mathildenplatzfest Gleichaltrige.

Offenbach - Eigentlich hieß es schon immer so. Außer in der Amtssprache kam die umständliche Bezeichnung „östliche Innenstadt“ äußerst selten aus dem Munde eines Offenbachers. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Seit Samstag ist es offiziell: „Mathildenviertel“ steht auf dem ersten nagelneuen Stadtteilschild an der Ecke Bieberer Straße/Karlstraße.

Oberbürgermeister Horst Schneider und Bürgermeisterin Birgit Simon stehen zur Enthüllung des Wegweisers auf einer Stehleiter und geloben: „Wir haben jetzt völlig vergessen, wie es vorher hieß.“ Offizielle und Zuschauer applaudieren, der Trommelwirbel der Gruppe Barulhada verleiht der feierlichen Zeremonie eine dramaturgische Note, alle sind begeistert.

Am 6. Mai 2010 beschloss das Stadtparlament die Umbenennung. Mit der Amtlichen Bekanntmachung am 28. Mai 2010 wurde der Beschluss rechtskräftig. Mit der Benennung nach Vorschrift der Hessischen Gemeindeordnung wird das Mathildenviertel damit in das Amtliche Verzeichnis der Gemeinden in Hessen aufgenommen.

Da die neue Identifikation natürlich ein schöner Anlass zum feiern ist, findet die Schildenthüllung während des Mathildenplatzfestes statt. Sozialdezernentin Simon eröffnet die Veranstaltung: „Wir sind jetzt bereits im siebten Jahr, und unser Fest wird immer schöner und besser.“

Am Mathildenplatz geht es aber nicht nur ums reine Vergnügen. Viele der Stände bieten neben Essen und Trinken umfangreiche Informationen für die sozial schwachen Bewohner des Viertels.

Für die Kleinen gibt es eine Rollenrutsche, eine Hüpfburg und einen Fußballparcours, den Schüler aus dem Nordend, die keinen Praktikumsplatz bekommen haben, selbst gebaut haben. Unterstützt wurden sie dabei von Quartiersbüro-Mitarbeiter und Dachdeckermeister Michael Kraft, der auch als Anleiter für qualifizierte Arbeitsgelegenheiten fungiert. Die Kinder der Eichendorffschule schminken Gleichaltrige, und am Stand der Mathildenschule verschönern Kinder mit Schmucksteinchen und Klebstoff bewaffnet kleine Holzbilderrähmchen. Die bekommt man dazu, wenn man ein professionelles Portraitfoto machen lässt. Für die etwas Größeren hat Peter Schulz vom Kinder- und Jugendkulturzentrum Sandgasse ein Streetsocce-Turnier auf dem Pausenhof der Mathildenschule organisiert. Neun Mannschaften mit je fünf bis sieben Spielern nutzen das Angebot mit anschließender Preisverleihung.

Quatiersmanager Marcus Schenk hat wenig Pause zwischen seinen Moderationen, das Programm ist vielfältig und dicht. Mädchen der 6a und 5b der Mathildenschule zeigen Hip-Hop, die Gruppe Binodon Bangla ist mit ihren bunten Kostümen allein schon eine Augenweide. Ihre bengalischen Tänze bringen echt orientalisches Flair auf die Bühne. Die Akrobatikgruppe der Erich-Kästner-Schule, der Teestubenchor der Gerberstraße, Musikprojekt und Feuerspektakel mit Roque De Souza und das Trommelprojekt der KJK Sandgasse sorgen bis spät in den Abend dafür, dass keine Langeweile aufkommt.

Hilfe und Informationen bieten überdies die Mehrzahl der „diensthabenden“ Aktiven und Ehrenamtlichen von Frankfurter Tafel, Ostpolkredit, Diakonie, Stadtteilbüro, Frauentreff und Migrationsberatung.

Für alle, die den Stadtteil einmal aus anderer Perspektive als der eigenen kennen lernen wollen, bietet sich bei der 45-minütigen Führung durchs Viertel die Gelegenheit. Stadtführer Loimi Brautmann bietet unter dem Motto „OFlovesYou“ ganz neue An- und Einsichten.

Das Mathildenviertel ist durch das Stadtentwicklungsprogramm „HEGISS“ und das Bauförderprogramm „Soziale Stadt“ im vergangenen Jahrzehnt aufgewertet worden. Als ein typisches Arbeiterviertel des 19. Jahrhunderts ist es geprägt durch einen Gebäudebestand, der überwiegend aus der Gründerzeit stammt. Sein Bild wandelte sich erst langsam nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Mischgebiet.

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