Jetzt heißt’s durchhalten

Streikende in Offenbach geben sich kämpferisch

+
Mit Plakaten und Transparenten für mehr Anerkennung: Im Else-Herrmann-Haus bereiteten sich am Mittwoch rund 200 Erzieher und Sozialarbeiter auf die gestrige Demo in Frankfurt vor.

Offenbach - Wer geglaubt hat, die streikenden Erzieher und Sozialarbeiter in Offenbach würden rasch das Handtuch werfen, irrt. Sie sind fest entschlossen, im Kampf um eine Aufwertung ihrer Arbeit langen Atem zu beweisen. Für sie geht es um mehr als eine Einkommenserhöhung. Von Jenny Bieniek

„Wir würden lieber gestern als heute wieder arbeiten gehen“, versichern die im Else-Herrmann-Haus versammelten Menschen aus dem kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst gegenüber der Presse. Streiken sei anstrengend und nicht zuletzt mit finanziellen Einbußen verbunden. Trotzdem ist die Marschrichtung klar: Weitermachen, bis ein akzeptables Angebot vorliegt. „Sonst war alles umsonst.“

Noch immer stehen sie in stetigem Kontakt zu ihren nicht-streikenden Kollegen, regelmäßig kommen sie zusammen, um über ihr weiteres Vorgehen zu sprechen. Während in der Öffentlichkeit aber vor allem die Auswirkungen des Erzieher-Ausstands diskutiert werden, fühlen sich die ebenfalls streikenden Sozialarbeiter nur unzureichend wahrgenommen.

„Wenn die Bahn streikt, kriegen’s alle mit. Die Arbeit der Sozialarbeiter aber passiert eher im Hintergrund und dreht sich um Beratung, Förderung und Prävention“, fassen es Vertreter von Jugendamt und sozialen Einrichtungen zusammen. Anders als Erzieher bilden Sozialarbeiter aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzgebiete keine homogene Gruppe. Sie sind in Behinderteneinrichtungen und Pflegestützpunkten ebenso zu finden wie an Schulen oder Jugendzentren.

Demo: 15.000 Menschen protestieren in Frankfurt

Was die Mitarbeiter im kommunalen Erzieher- und Sozialdienst eint, ist ihr Beitrag zum täglichen Miteinander. „Ohne uns wäre der soziale Frieden in der Stadt ein anderer“, ist Erzieherin Andrea Schaefer überzeugt. In einer Resolution fordert die Streikgemeinde den Magistrat deshalb auf, sich in der Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) für ihre Forderungen nach mehr Einkommen und einer neuen Tarif-Eingruppierung einzusetzen.

„Die Stadt hat sich Bildung immer ganz groß auf die Fahnen geschrieben, jetzt müssen den Worten Taten folgen“, ist man sich in der Runde einig. Zudem spare sie aufgrund des Streiks enorme Personalkosten ein. „Der Arbeitgeber hat auch etwas davon, wenn er uns auf diese Weise in den Streik zwingt“, erinnert Erzieherin Annett Treibert.

Den Beschäftigten geht es auch um eine Neubewertung ihrer Arbeit. Denn die vor 25 Jahren festgelegten Tätigkeitsmerkmale entsprächen schon lange nicht mehr den heutigen Anforderungen. „Wir brauchen eine Neueinschätzung der frühkindlichen Bildung“, so der Appell. Doch auch der Ruf nach einer angemessenen Ausstattung - personell, materiell und räumlich - , finanzielle Verteilungsgerechtigkeit und die Aufwertung eines traditionelles Frauenberufs spielten eine Rolle. „An unser soziales Gewissen zu plädieren, funktioniert nicht mehr. Wir ziehen das jetzt durch“, so das Credo. Ziel sei der Sprung in den S10-Tarif, mindestens aber die Absicherung des derzeit in Offenbach gezahlten S8. Für Montag hat Verdi die VKA-Spitze zu Verhandlungen eingeladen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare