Jetzt kommt die Busschleuse

Das geht ab Montag nicht mehr – zumindest für den Autofahrer. Eine „Busschleuse“ zwischen Humboldt- und Birkenlohrstraße zwingt sie auf die Waldstraße. Die „Fahrradachse 2“, die über die Senefelderstraße bis nach Heusenstamm und Gravenbruch führt, wird durch diese Maßnahme auf zwei Kilometer verlängert. Foto: Kuhn

Fahrradstraßen sind als (Teil-) Lösung der innerstädtischen Verkehrsprobleme gedacht. Die 500 Meter lange Teststrecke in der Senefelderstraße ist für viele Radler rein subjektiv betrachtet kein Gewinn. VON MARTIN KUHN

Die begleitenden Studien belegen das nun objektiv: Die Einrichtung der Fahrradstraße hat weder die Anzahl noch das Tempo der Autofahrer signifikant verändert.

Offenbach - Keine Frage: Es tut sich etwas für den Radverkehr. Aktuell wird die Taunusstraße als Fahrradstraße umgestaltet. Und an der Anne-Frank-Schule bauen Firmen eine von der Straße abgetrennte, höher liegende Radspur mit Querungshilfen. Im Süden der Stadt, ebenfalls auf der Senefelderstraße folgt das nächste Projekt für ein sicheres Vorwärtskommen auf zwei Rädern: eine sogenannte Busschleuse in Höhe der „Hesse-Wirtschaft“. Mit dieser wollen die Verantwortlichen Autofahrer von der Fahrradachse verdrängen. Zwischen Birkenlohr- und Weikertsblochstraße geht es für sie künftig nur noch in südliche Richtung. Stadteinwärts ist dort ab Montag, 20. April, nur noch die Durchfahrt von Radfahrern und Bussen möglich. Daher: „Busschleuse“.

Diese Maßnahme soll den Radverkehr weiter stärken und die Lebensqualität in der Senefelderstraße verbessern. Denn das Monitoring der Hochschule Darmstadt weist darauf hin, dass etliche Autofahrer die Strecke als Durchfahrtsstraße nutzen, anstatt direkt über die parallel verlaufende Waldstraße zu fahren, die ausreichend Kapazitäten aufnehmen kann. „Die Busschleuse wird auch von der Hochschule Darmstadt empfohlen, um den Durchgangsverkehr auf der Senefelderstraße zwischen Odenwaldring und Marienstraße zu reduzieren“, betont die kommunale Radverkehrsbeauftragte Ivonne Gerdts vom Stadtplanungsamt.

Die Busschleuse wird als Verkehrsversuch zunächst für ein Jahr eingerichtet. Für Ulrich Lemke (Projektentwicklungsgesellschaft OPG, die von der Stadt mit dem Management von Bike Offenbach beauftragt ist) ist es „eine unaufgeregte Geschichte“. An dieser Stelle werde eine Querungshilfe gedübelt, die Markierung aufgetragen und eine Beschilderung (schon auf dem Odenwaldring) montiert. „Das ist alles wieder schnell entfernbar“, sagt Lemke. Wobei er diese Möglichkeit eigentlich ausschließen möchte.

Sicher ist: Wer die Senefelderstraße als sprichwörtlich „eingefahrenen Pfad“ nutzt, dürfte anfangs irritiert oder überrascht sein ob der Änderung. Und sie möglicherweise übersehen oder ignorieren. Wer jedoch gegen die ausgeschilderte Einbahnstraße verstößt, riskiert ein Knöllchen – und das liegt laut Bußgeldkatalog bei mindestens 25 Euro. „Da kann sich auch keiner rausreden“, kündigt Lemke an. Denn im Gegensatz zum Verkehrszeichen 244 (Fahrradstraße) sei die Einbahnstraße nichts Neues. Der Projektmanager weiß aber auch: „Es braucht Zeit...“ Damit meint er sicher nicht allein die bislang ungewohnten Beschilderungen, sondern die gesamte Situation: Vorrang für Radfahrer? Das gab’s in Offenbach noch nie.

Wie schwer sich Autofahrer tun und wie notwendig weitere Schritte sind, zeigen die Zwischenergebnisse des Monitorings auf der 500 Meter langen Teststrecke in der Senefelderstraße zwischen Starkenburgring und Bahndamm. Zentrales Ergebnis: Die Einrichtung der Fahrradstraße hat weder die Anzahl noch das Tempo der Autofahrer signifikant verändert.

„Die geplante Regelung kann zu einer Geschwindigkeitsreduktion beitragen und die Attraktivität und Sicherheit für den Rad- und Fußverkehr über den eigentlichen Abschnitt hinaus verbessern“, sagt Prof. Dr. Ing. Axel Wolfermann vom Bauingenieurwesen/Verkehrswesen der Hochschule Darmstadt. Er weist darauf hin, dass im nördlichen Bereich weitere Maßnahmen etwa an den Knotenpunkten sinnvoll wären, um den Verkehr „ruhiger und damit sicherer zu gestalten“.

Sein Team hat den Verkehr auf dem Abschnitt zwischen Odenwaldring und Marienstraße beobachtet, Fahrzeuge gezählt sowie Geschwindigkeiten gemessen. Schon vor Beginn des Projekts Bike Offenbach lag der Anteil des Radverkehrs in der jetzigen Fahrradstraße bei beachtlichen 30 Prozent, hinzu kommen täglich – auch nach Ausweisung der Teststrecke - rund 1 500 Kraftfahrzeuge. „Wie unser Team ermittelt hat, fährt mehr als die Hälfte weiterhin schneller als die erlaubten 30 Stundenkilometer“, berichtet Wolfermann. Viele Radfahrer gaben bei den Befragungen an, sich bisher unsicher zu fühlen, bewerteten das Engagement der Stadt für den Radverkehr aber als sehr positiv.

Lemke erinnert daran: „Auf der Fahrradstraße in der Senefelderstraße zwischen Starkenburgring und Bahndamm gilt weiterhin ,Anlieger frei’, alle anderen müssen diese Route meiden.“ Da dort die Testphase abgeschlossen sei, hätten die Verkehrsteilnehmenden auf dem Abschnitt mit Kontrollen und Bußgeldern zu rechnen, wenn sie verkehrswidrig in die Fahrradstraße einführen.

Die Einrichtung der Busschleuse ist mit der Verkehrskommission der Stadt abgestimmt. Das Hochschul-Team begleitet die Maßnahme wieder mit einem Monitoring; es soll helfen, bestehende Probleme und mögliche Lösungsansätze im Hinblick auf weitere Fahrradstraßen wissenschaftlich zu erkennen und zu beurteilen.

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