Waldschwimmbad Rosenhöhe

Jetzt sollen Uniformierte helfen

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Nach teils untragbaren Zuständen an den heißen Tagen erhört die Stadt den Hilferuf des Schwimmbadbetreibers EOSC: Streifen der Stadtpolizei sollen ab heute auf der Rosenhöhe Ordnung gewährleisten.

Offenbach - Wenn mit den Temperaturen die Besucherzahlen steigen, gerät der Erste Offenbacher Schwimmclub (EOSC) an seine Grenzen. Von Thomas Kirstein

Der Verein, der im Auftrag der Stadt deren einziges Schwimmbad betreibt, hat zwar das Personal, um die Sicherheit in den beiden Becken zu gewährleisten. Für ein weitergehendes Eingreifen zugunsten eines angenehmen Aufenthalts aller Besucher fehlen dem EOSC aber die Kapazitäten.

Im vergangenen Jahr ließ sich die Stadtpolizei sporadisch an warmen Tagen auf der Rosenhöhe blicken, was sich für den EOSC-Vorsitzenden Matthias Wörner sehr vorteilhaft auswirkte. Für diesen Sommer war laut Ordnungsdezernent Paul-Gerhard Weiß mit der EOSC-Geschäftsstelle vereinbart gewesen, dass bei Bedarf Hilfe spontan angefordert werden sollte.

Dringlich um Unterstützung gebeten

Nachdem Wörner gestern dringlich im Rathaus um Unterstützung bat und sich parallel unsere Zeitung einschaltete, passiert etwas: Von heute an gibt es laut Stadtrat Weiß „täglich intensive Kontrollen“ – nach Möglichkeit soll eine uniformierte Doppelstreife durchgängig anwesend sein.

Bitter nötig wär’s schon die jüngsten Tage gewesen. Stattdessen kam es zu unschönen bis untragbaren Zuständen im Waldschwimmbad.

Zweimal rückte reguläre Polizei an, um bei Prügeleien einzugreifen; am Sonntag wusste sich das Kassenpersonal nicht anders zu helfen, als während des Einsatzes den Eingang dicht zu machen, was die ohnehin lange Schlange verlängerte.

3000 bis 4000 Besucher zu Spitzenzeiten

Zwischen 3000 und 4000 Besucher teilen sich zu Spitzenzeiten Wasser und Wiese auf der Rosenhöhe. Sechs oder sieben Bademeister müssen damit umgehen, sagt Vorsitzender Wörner im vollen Bewusstsein, dass dies nicht reichen kann.

Mit der Stadt führt der Vorstand „konstruktive und einvernehmliche“ Gespräche über die Zukunft. Momentan aber ist der eigentlich notwendige Sicherheitsdienst finanziell nicht drin: Die Stadt lässt sich das Bad einen Zuschuss von 440.000 Euro im Jahr kosten. Der Betrieb verschlingt nach Matthias Wörners Angaben an die 650. 000 Euro, neben überschaubaren Personalkosten vornehmlich für Fernwärme, Wasser und Strom.

Um Nachschlag betteln

Bleiben in einem schlechten Sommer die zahlenden Besucher weg, muss der Verein im Rathaus um einen Nachschlag betteln. Die auch wegen nicht einfacher Besuchergruppen eigentlich unverzichtbaren Bewacher kann er sich jedenfalls nicht leisten.

So bleiben Offenbacher wie Klaus Bastian und sein schulpflichtiger Sohn erstmal weg. Bastian schildert sehr anschaulich, was an diesem Montag das vorhandene Personal nicht unterbinden konnte – beziehungsweise sich wohl aus für ihn durchaus nachvollziehbaren Gründen der eigenen Unversehrtheit nicht zu unterbinden wagte:

„Beim Abduschen am Becken wird man erst mal von Jugendlichen bedrängt, geschubst, gestoßen, angepöbelt, Rücksicht auf Kleinkinder und ältere Personen wird nicht genommen.

Horden von Jugendlichen

Das normale Einsteigen in das Becken ist gar nicht möglich, da sich fast auf jeder Seite des Beckens regelrechte Horden von Jugendlichen den Spaß machen, die Leute zu stoßen, ihnen, wenn sie denn endlich im Becken sind, vor den Kopf oder sogar auf den Körper zu springen. Spricht man jemanden an, wird man mit Schlägen bedroht.

Probiert man einige Bahnen zu schwimmen, kann man das Treiben am Beckenrand noch besser beobachten: Bekleidete Erwachsene lassen die Beine im Wasser baumeln, spucken in das Becken, dabei wird geraucht, im Überlaufbecken wird die Kippe ausgedrückt, die dann im Becken landet.

Wasser ist verdreckt

Das Wasser selbst ist verdreckt, denn wer duscht sich vorher eigentlich noch ab? Der Mutsprung einiger Jugendlicher führt über den Rücken einiger Freunde ins Becken. Wir beobachten einen, der wird von den Kumpels ins Wasser geschleudert und hat dabei noch die Kippe im Mundwinkel. Dass sich im Wasser andere Badegäste befinden, interessiert keinen.

Übrigens bleiben die abgeteilten Bahnen für den Schwimmsport von solchem Treiben unbehelligt, dort stehen altgediente Verantwortliche des Bads und verhindern Beeinträchtigungen.

Nach 20 Minuten war der Badespaß für uns vorbei. Meine sechs Euro Eintritt sehe ich als Spende für die Reinigung der Wasserfläche an.“

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