Jetzt wird Block 3 bestuhlt

Offenbach ‐ Am 5. Februar gilt es, Abschied zu nehmen. Das Hessen-Derby gegen den SV Wehen-Wiesbaden ist die letzte Fußballpartie, die das Kickers-Stadion in seiner jetzigen Form erlebt. Anstoß ist um 14 Uhr am Bieberer Berg. Von Martin Kuhn

Vielleicht trägt der eine oder andere Fan neben rot-weißem Trikot ja einen Trauerflor. Trotz allem Wehmut sollte jedoch die Freude überwiegen: Die Stadt und der OFC erhalten ein neues, zeitgemäßes Fußballstadion im englischen Stil mit vier Tribünen.

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Den straffen Terminplan legt Peter Walther vor. Er ist Geschäftsführer der Stadiongesellschaft Bieberer Berg, die zur Stadtwerke Holding gehört. Die SBB ist mit dem Bau sowie dem kaufmännischen und technischen Betrieb des künftigen Sparda-Bank Hessen-Stadions beauftragt. Damit soll dem Profifußball in Offenbach eine Zukunft gegeben werden. Das gleicht zunächst – wie bei allen vergleichbaren Projekten – einem Rückschritt.

So sieht das neue Stadion aus:

So sieht das neue Stadion aus

Ein wichtiger Termin ist der 7. Februar. An diesem Tag geht das Stadion von der Stadt Offenbach an die Stadiongesellschaft. Noch in der folgenden Woche demontiert ein Unternehmen die Stahlrohr-Tribüne. Laut Peter Walther soll es sogar einen Interessenten für die Konstruktion aus dem Jahr 1968 geben: „Letztlich ist das aber Sache des Bauträgers.“ Das ist die Bremer AG Paderborn, die den Zuschlag für Neubau des Stadions mit einer Kapazität von 20 500 Zuschauern für 25 Millionen Euro erhalten hat.

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Parallel entfernen Arbeiter alles unter der Haupttribüne, was nicht mehr zum Heimspiel des OFC gegen Rot-Weiss Ahlen (19. Februar) benötigt wird – etwa Stadion-Gaststätte und Geschäftsstelle. Dann rücken Greifer, Bagger und Lastwagen an, um die Haupttribüne zu zerlegen: „Ganz konventionell. So wie es für eine Tribüne in dieser Größenordnung angemessen ist“, sagt Guido Möhlmann. Der 37-jährige Diplom-Kaufmann ist Betriebsleiter der Stadiongesellschaft. Er darf als Experte für den Stadion-umbau angesehen werden.

Guido Möhlmann bringt Erfahrung als Stadionmanager in Bielefeld mit. Zweitligist Arminia, derzeit mit großen Abstiegssorgen, hatte seine Spielstätte bis 2009 schrittweise in eine geschlossene Arena ausgebaut. Zudem war er als sogenannter Standortbetreuer für die U-20-Weltmeisterschaft der Frauen verantwortlich – und da gab’s eigentlich nur lobende Worte. Den „Übergang“ von der alten Kampfbahn in ein modernes Vier-Tribünen-Stadion erachtet er als „interessante Aufgabe“.

Bis Ende des Jahres muss Haupttribüne stehen

Da ist von Spieltag zu Spieltag einiges zu organisieren: Eingangssituation, Platz für die Gäste-Fans, Abstimmung mit Polizei und Feuerwehr, Flutlicht oder den Platz für die Fernsehkameras. „Gegebenenfalls müssen die auf ein Gerüst; aber das sehen wir kurzfristig.“ Und wo finden die Fußballfans Platz, beispielsweise die Dauerkarten-Inhaber auf der Haupttribüne? „Das muss der Veranstalter organisieren“, sagt Möhlmann. In diesem Fall sind das die Offenbacher Kickers. Laut GmbH-Geschäftsführer Thomas Kalt will der OFC den überdachten Block 3 (Waldemar-Klein-Tribüne) zu einer Sitztribüne umwandeln.

Nicht zu erfüllen ist eine „stille Hoffnung“ (Thomas Kalt) der Kickers: Der Verein hatte sich gewünscht, dass in der „heißen Aufstiegsphase“ im April und Mai die Haupttribüne mit ihren lukrativen Sitzplätzen zur Verfügung steht. Das ist terminlich nicht zu halten. Bis Ende des Jahres muss die Haupttribüne stehen. Bei einer kalkulierten Bauzeit von etwa zehn Monaten bleibt da kaum Spielraum.

Für den Ostwestfalen Möhlmann könnte es bald zu einem Wiedersehen mit „seiner“ Arminia kommen. „Es wäre für mich ein nettes Derby“, sagt er. Und in welcher Liga ? Da gibt sich der Betriebsleiter diplomatisch. „Ich hoffe, dass für den OFC und den DSC die jeweiligen Wünsche in Erfüllung gehen.“ Für beide Vereine und Fanlager dürfte das klarer sein: in der 2. Bundesliga.

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