Atomkonzern setzt auf Windenergie

Jobabbau bei Areva im Plan

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Offenbach - Der Atomkonzern Areva setzt verstärkt auf erneuerbare Energien. Wegen des Ausstieg Deutschlands aus der Nukleartechnologie werden aber unter anderem in Offenbach Stellen abgebaut. Von Marc Kuhn

Die deutsche Tochter des französischen Kernkraftwerkbauers Areva setzt den Arbeitsplatzabbau auch an ihren Standorten in Offenbach und Karlstein fort. Bei der Personalentwicklung liege das Unternehmen im Plan, sagte Carsten Haferkamp, kaufmännischer Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der deutschen Areva, gestern in Offenbach. Hintergrund der Stellenstreichungen ist die Energiewende nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Deshalb werden in Deutschland keine Kernkraftwerke mehr gebaut, die bestehenden sollen in den nächsten Jahren vom Netz gehen. Areva will bis Ende 2015 deutschlandweit von insgesamt 6 000 Arbeitsplätzen rund 1 200 abbauen.

 Bisher seien etwa 900 gestrichen worden, erklärte Haferkamp. Wie angestrebt habe Areva auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. Die meisten Arbeitsplätze seien über natürliche Fluktuation abgebaut worden. Ein Teil der Mitarbeiter habe auch neue Aufgaben übernommen. „Wir gehen nicht nach Standorten, wir suchen Kompetenzen“, berichtete Haferkamp und sprach von „interner Mobilität“ - die Kollegen aus der Kernenergiesparte sollen Jobs in anderen Bereichen wie den erneuerbaren Energien übernehmen. In Offenbach arbeiteten für Areva zurzeit rund 700 Mitarbeiter (2012: 800), in Karlstein etwa 300, erläuterte Haferkamp. Teilweise werden sogar neue Jobs geschaffen. So seien in Offenbach und Erlangen rund 40 Stellen aufgebaut worden, sagte Haferkamp.

Investoren zögern

Areva sieht sich trotz Herausforderungen in Deutschland auf Kurs. Die Nachfrage nach Strom steigt, Ressourcenschonung und Klimaschutz werden indes immer wichtiger. CO2-arme Technologien wie Atomkraft und erneuerbare Energien werden deshalb nach Ansicht des Konzerns nachgefragt. Areva setzt vor allem auf Offshore-Windkraft. Die erneuerbaren Energien machten bereits rund 30 Prozent des Umsatzes von Areva Deutschland aus, sagte Stefan vom Scheidt, Sprecher der Geschäftsführung. „Leider stehen wir vor Herausforderungen.“ Die Investoren seien zögerlich mit ihren Entscheidungen. Als Grund nannte vom Scheidt die geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. „Investoren brauchen ein klares Ziel der Politik“, erklärte der Areva-Chef. Er forderte klare Rahmenbedingungen.

Dennoch zeigte sich vom Scheidt überzeugt von der Windkraft. „Deutschland hat viel Strom, manchmal zu viel.“ Der Strom sei nur nicht immer dann vorhanden, wenn er gebraucht werde. Bisher werden Schwankungen unter anderem mit konventionellen Kraftwerken ausgeglichen. Diese können nach den Worten des Geschäftsführers noch am ehesten durch Offshore-Windanlagen ersetzt werden. Gleichzeitig verlangte vom Scheidt, den Netzausbau in Deutschland wie geplant umzusetzen und Speicherkapazitäten zu entwickeln.

Meiste Umsatz im Ausland erzielt

Zweidrittel seines Umsatzes verdient Areva Deutschland allerdings mit seiner Kernenergiesparte. Der Exportanteil soll weiter steigen. 2012 sei 60 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt worden, sagte vom Scheidt - „Tendenz steigend“. Derzeit baue Areva vier Atomkraftwerke in Frankreich, Finnland und zwei in China. In Deutschland sei Areva am Rückbau der bestehenden AKW beteiligt. Dieser gehe wegen der Suche nach einem Endlager aber nicht so schnell wie erwartet voran.

Der Umsatz sei im vergangenen Jahr in der Nuklearsparte um etwa zehn Prozent auf eine Milliarde Euro gefallen, bei den erneuerbaren Energien sei er um etwa ein Drittel auf 400 Millionen Euro gestiegen, so Haferkamp. Der Auftragseingang habe im Atombereich einen Wert von 900 Millionen Euro gehabt, in der Windsparte etwa 50 Millionen Euro.

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