„Johan vom Po“ im Offenbacher t-raum

Bauernschlau nach Amerika

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Ein Tuch auf den Kopf, Finger an die Ohren: Frank Geisler schlüpft neben Johan vom Po in viele Rollen.

Offenbach - Ein Italiener hat Amerika entdeckt, nach einem anderen ist es benannt. Doch der wahre Erforscher des neuen Kontinents ist weder Christoph Kolumbus noch Amerigo Vespucci, sondern ein Landsmann beider. Von Markus Terharn

In seiner Komödie „Johan vom Po entdeckt Amerika“ erzählt Literatur-Nobelpreisträger Dario Fo Historie neu und anders. Seine Version hat für sich, dass sie nicht nur Zwerchfelle erschüttert – sie liefert auch erhellende Einsichten. Im Offenbacher t-raum hat Regisseurin Sarah C. Baumann aus vier Stunden vergnüglichem Lesestoff sehr kurzweilige zwei Stunden Bühnenspaß gemacht. Geschichtsschreibung von unten, ein Schelmenroman in Form eines Monologs: Aus der Froschperspektive sehen die Großereignisse mitunter grotesk aus. Ein Ruhmesblatt der Menschheit ist es ohnehin nicht, was die spanischen Konquistadoren in den zufällig gefundenen Gegenden angerichtet haben, die sie zunächst für Indien hielten. Für einen Komiker wie Fo, der sich diesen Part selbst auf den Leib geschrieben hat, ist das ein gefundenes Fressen.

Und für den Offenbacher Schauspieler Frank Geisler ist es die bislang vielleicht beste Rolle. Überfallartig nimmt er das Publikum im nur 36 Plätze fassenden Zimmertheater gefangen: „Los, los, die Leinen los! Setzt die Segel!“ Es ist der Aufbruch zu einer Reise, die in Wirklichkeit die Welt verändert hat und an diesem Abend unsere Sicht auf sie verändern wird.

Geisler schlüpft in alle Rollen

Geisler überzeugt nicht nur als schlauer Bauer aus der Po-Ebene mit südlichem Temperament; er schlüpft in alle Rollen. Mit minimalem Kostümwechsel (Elfie Haas), aber virtuoser Verwandlung von Körperhaltung und Stimme, Mimik und Gestik ist er eben noch Johan, dann stolzer Eroberer, plötzlich als Kazike hungrig auf Menschenfleisch. In der Zusammenfassung der Handlung vor der Pause wird daraus ein wahres Kabinettstückchen. Auch wie der Held ein ums andere Mal sich und seinen Gefährten das Leben rettet, ist höchst unterhaltsam.

Geschlechtsverkehr und Religion: Das sind nur zwei Gebiete, zu denen die Eingeborenen der Karibik im Jahr 1503 eine erfrischend andere Einstellung haben als die Europäer. Und haben sie nicht recht? Fos Text, Baumanns Inszenierung und Geislers Spiel lassen jedenfalls ihren Hang zum Kannibalismus im Vergleich zu den Gräueltaten der Eroberer als eher harmloses Brauchtum erscheinen ...

Nächste Vorstellungen: 15., 23., 29., 30. Mai, 20 Uhr

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