Johannes Oerding in der Stadthalle

Frauenmusik, auch für Männer

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Gut behutet: Johannes Oerding

Offenbach - Drei Jahre liegt sein erster Auftritt in der Region zurück – 2012 im Amphitheater Hanau. Seitdem hat sich viel getan in Johannes Oerdings Karriere. Sein viertes Album hat er inzwischen am Start und die Konzertsäle, die er füllt, sind größer geworden. Von Harald H. Richter

Auch auf seiner aktuellen „Alles brennt“-Tour, die ihn durch 44 deutsche Städte führt, ist das nicht anders. Am Samstagabend erleben 1200 Fans in der Offenbacher Stadthalle eine rund zweistündige Show des 33-Jährigen und seiner versierten Band, mit der Herz und Gemüt erreicht werden. Oerding macht nach eigenem Bekunden Frauenmusik auch für Männer, dennoch verbreitet sich rasch eine Stimmung, die eher einem Mädchenabend ähnelt. Schon im ersten Programmteil, als der gebürtige Münsterländer seine neuen Songs präsentiert, erweist sich das Publikum als textsicher und singt begeistert mit. Im zweiten Teil, das von einem Nostalgie-Medley eröffnet wird, finden sich auch Titel seiner früheren Alben wieder. Die schrauben sich erst recht in die Gehörgänge.

In eine Schublade freilich möchte Oerding sich nicht stecken lassen. Darum ist sein viertes Album mutiger und erwachsener ausgefallen. In den Songs geht es um lebensnahe Geschichten und Gefühle, um Verzweiflung und Frust („Nichts geht mehr“) oder darum, dass er sich nicht verbiegen lässt, wie in „So oder gar nicht“. Sentimentales wechselt sich mit Tanzbarem ab, auf Balladeskes folgen Mitklatschtitel. „Nie wieder Alkohol“ ist so ein eingängiger Song – eine übermütige Rock’n’Roll-Momentaufnahme, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Ina Müller geschrieben und ein Versprechen an sich selbst nach manch durchzechter Nacht. Sogar eine Art Selbsttherapie gegen Kontrollverlust im Flugzeug verordnet er sich („Turbulenzen“).

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Oerding ist ein authentischer Künstler, der keine gigantische Lichtschau braucht, sondern nur einen auf ihn gerichteten Spot. Bei seinen Konzerten kann er sich auf eine Band verlassen, die für Dynamik und große Klangfülle steht. Oerding singt von romantischen Abenden, die zu schön sind, als dass sie enden sollten, aber auch von verpassten Gelegenheiten und missglückten Schulzeiterlebnissen („Traurig aber wahr“). Nicht fehlen darf eine Verbeugung vor seiner niederrheinischen Heimat, der er sich trotz jetzigen Lebens auf St. Pauli verbunden fühlt, wenn er singt: „In deinen Straßen kann ich mich so wunderbar verlieren. Und was immer ich gerade such‘, ich finde es hier“.

Man merkt Oerding an, wie gern er auf der Bühne steht und dass er mit Leidenschaft für seine Musik brennt. Auch das Publikum lässt sich entflammen – bis „Alles brennt“.

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