Krone für Keramikerin

Jubiläums-Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

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Wenn der Hahn kräht, ist’s kein Mist: Auch Jutta Häfner bot auf dem Wilhelmsplatz Keramik-Kunst feil.

Offenbach - Erwecken aller Sinne – das ist das Motto von Keramikmeisterin Barbara Lutz-Bravo, der laut Jury kreativsten Künstlerin. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Es könnte auch der Leitspruch des zehnten Künstlermarkts auf dem Wilhelmsplatz gewesen sein, bei dem sich am Sonntag 74 Hobby- und Profikünstler gegenseitig überboten. In all dieser Vielfalt überzeugt gerade die Schlichtheit der Teller, Tassen, Vasen und Schüsseln der Gelnhäuser Meisterin die Jury. Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, Helmut Weismantel, Inhaber einer Rahmenwerkstatt, und Uwe Czupalla, Geschäftsstellenleiter der Kreishandwerkerschaft, bilden das Preisgericht. Die strengen alten Keramikformen, die Art der Bemalung und der auf die Einfachheit abgestimmte Standaufbau haben überzeugt.

Lutz-Bravo verwendet nur hochwertigen Steinzeugton, der vollkommen dicht gebrannt wird. Jedes Teil bekommt ein bis drei Glasuren. „Die entwickle ich aus Kalkspat, Feldspat und Farboxiden“, erläutert die Fachfrau. Einzelne Vasen verziert sie mit einem dezenten Dekorand aus Pyrit-Farbsprenkeln.

Auf dem zweiten Platz landet die Jugendkunstschule. Da gefällt der Jury die Einbindung von Kindern und Erwachsenen, die spontan am Stand angesprochen werden, um eine meterlange Papierbahn auf dem Pflaster malend mitzugestalten.

Einkaufsgutscheine und Urkunden

Ursula Kreische, Bärenkünstlerin aus Offenbach, belegt den dritten Platz mit handgearbeiteten Petzen. Ihre Stoffteddys tragen feinsten Original-Schulte-Mohair, der den Steifftieren zu Weltruhm verhalf. Kreische: „Mit einem Bären bin ich nachmittags oder abends ein bis drei Wochen beschäftigt. Das Faszinierende an der Arbeit ist ihre Vielfalt: Zeichnen, zuschneiden, nähen, ausstopfen, es wird nie eintönig!“ Triebfeder ist ihre rheumatische Erkrankung. „Ich muss die Hände in Bewegung halten“, so die Rentnerin. Ihr Ideenfundus scheint unerschöpflich: Der Stand ist bestückt mit Schulanfänger-, Hasen-, Igel-, Skifahrer-, Angler- und Baby-Jo-Bären...

Alle Sieger erhielten neben Einkaufsgutscheinen über 300, 200 und 100 Euro eine kalligrafisch gestaltete Urkunde der auf dem Markt vertretenen Schreibwerkstatt.

Jutta und Hartmut König aus Dreieich stehen vor den Drechselarbeiten von Bruni Schäflein. Sie sind selbst begeisterte Bastler und holen sich Anregungen. „Der Markt ist superschön, gemütlich, nicht so hektisch“, schwärmt Jutta König. Sie ist ebenfalls Teddybärenproduzentin, ihr Mann verarbeitet Birkenholz zu Teelichthaltern, Tannenbäumen, Nikoläusen und anderem. In den Verkauf wollen sie nicht gehen. Hartmut König: „Wir verschenken das meiste im Bekanntenkreis.“

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

Damit jeder am richtigen Platz steht, ist Cheforganisatorin Birgitt Möbus vom Amt für Wirtschaftsförderung um viertel nach sechs zur Stelle und schreibt Standnummern aufs Pflaster. „Wir haben 2003 mit 35 Ständen angefangen, jetzt sind wir am Limit. Mehr wäre platztechnisch nicht möglich“, erläutert die Kauffrau. Die Idee kam übrigens vom damaligen Bürgermeister Gerhard Grandke, der seinen Urlaub in St. Tropez verbrachte und sich vom dortigen Künstlermarkt am Hafen begeistert zeigte.

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