Jugend ist nicht alles

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Eine Geschichte mit langem Bart, aber unveränderlich herrlicher Botschaft gab der Theaterclub Elmar im Capitol zum Besten. „Das Schloss hinterm Regenbogen“ ist ein rumänisches Volksmärchen.

Offenbach ‐ Kindertheater hat doppelten Charme. Der Nachwuchs ist schlicht begeistert; und die Erwachsenen schmunzeln, wenn die Kleinen den Bühnenhelden rufend und kreischend aus der Patsche helfen wollen. Von Veronika Szeherova

Oder wenn das Geschehen auf den Brettern, die eine ganze Welt bedeuten, so gruselig wird, dass mancher Spross erst mal zum Tränentrocknen und Schneuzen hinaus begleitet werden muss. All diese kleinen Extras bot am Sonntag „Das Schloss hinterm Regenbogen“ des Theaterclubs Elmar im Capitol.

Die Geschichte stammt vom rumänischen Volksmärchensammler Petre Ispirescu und gehört zu den beliebtesten des Landes. Es wurde bereits in den 50er Jahren unter der Regie von Elisabeta Bostan verfilmt, die auch Ehrengast bei der Elmar-Aufführung im Capitol war. Da das Märchen anlässlich der Kulturtage der Europäischen Zentralbank gezeigt wurde, war auch EZB-Direktionsmitglied José Manuel Gonzáles-Páramo samt Gattin und Tochter vor Ort. Und Oberbürgermeister Horst Schneider.

Märchen um Kampf zwischen Gut und Böse

Märchen haben weltweit nahezu immer den selben Aufbau und die selbe Botschaft: Der Kampf zwischen Gut und Böse, bei dem das Gute gewinnt, das Böse niedergeschmettert wird, und die durchgehend positiv besetzten Hauptfiguren letztlich in Liebe und Frieden bis an ihr Lebensende vereint sind. Und auch wenn sich Nicolai (Patrick Ott), der Protagonist dieses Märchens, nicht mal ein glückliches Lebensende wünscht: Er sehnt sich nach Unsterblichkeit in Form von „immerwährender Jugend ohne Alter, Leben ohne Tod“. Dies möchte er erlangen, indem er das Schloss hinterm Regenbogen aufsucht, im Land der Unsterblichkeit.

Um dorthin zu gelangen und obendrein die Hand der schönen Königstochter Leana (Julia Hagen) zu bekommen, muss er die goldene Ähre der Güte und den goldenen Apfel der Weisheit in das Schloss zurückbringen. Sie wurden von der bösen Waldhexe (Yoscha Holzinger) und den Bewohnern des Reichs der Lügen geklaut. Bauernsohn Nicolai scheut keine Gefahr, um seine Mission zu erfüllen. Dabei helfen ihm die Tiere des Waldes und eine zauberhafte Flöte, die ihm Leana einst schenkte. Auch der alte und weise Hüter der Zeit, gelungen dargestellt von Simon Isser, der am Rad der Zeit fast während des ganzen Stücks weiterdreht, ist auf seiner Seite.

Lieder und Tänze wechseln sich mit gesprochenen Passagen ab

Natürlich gelingt es dem tapferen Helden, diese Gegenstände ins Märchenreich der Unsterblichkeit zurück zu bringen und sein Ziel, die ewige Jugend, zu erreichen. Doch ausgerechnet bei der fröhlichen Hochzeitsfeier im Schloss nimmt er einen Schluck vom Wasser der Sehnsucht. Er bemerkt, wie sehr ihm sein Elternhaus und das einfache Leben dort fehlen. Seine Frau, Prinzessin Leana, folgt ihm dorthin und gibt somit ihre Unsterblichkeit auf.

In bewährter Elmar-Manier wechselten sich Lieder und Tänze mit gesprochenen Passagen ab. Fantasievolle Kostüme und liebevoll gestaltete Kulissen rundeten den positiven optischen Gesamteindruck ab. Die kleinen Schülerinnen der Tanzbühne Locomotion überzeugten als anmutige Waldfeen ebenso wie stark kostümiert als „Sponge-Bob“-ähnliche Geschöpfe im Reich der Lügen. Die verträumte Musik von Oguz Dogan passte wunderbar zu den märchenhaften Bildern und Geschehnissen auf der Bühne.

Die Regisseure Klaus Walther und Sandra Sedlaczek bewiesen hier wieder einmal gutes Fingerspitzengefühl. Erstaunlich, dass nicht mehr Zuschauer dies zu honorieren wussten. Trotz der familienfreundlichen Spielzeit war nur etwas mehr als die Hälfte der Stühle im Capitol besetzt.

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