Wohnheim und weitere Sozialarbeiter

Jugendamt kümmert sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

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Offenbach - Gemessen an der Gesamtzahl der Asylsuchenden sind sie eine Minderheit. Doch ihre Betreuung erfordert einen vor allem personellen Aufwand, den zunächst die Kommunen allein zu stemmen haben: Die sogenannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Von Matthias Dahmer

In Offenbach ist nun ein Wohnheim für sie geplant. Details mag Hermann Dorenburg, Chef des Jugendamts, mit Rücksicht auf die noch laufenden Verhandlungen mit einem freien Träger, einer großen Hilfsorganisation, nicht verraten. Im Gespräch ist eine Einrichtung mit bis zu 16 Plätzen. 40 bis 50 allein geflohene Minderjährige leben in separaten Räumen des mittlerweile vom Arbeiter Samariter Bund (ASB) betriebenen Erstaufnahmelagers am Kaiserlei, wo derzeit insgesamt 600 Menschen betreut werden. Täglich meldet das Jugendamt dem Land die genaue Zahl der Minderjährigen. Im Gegensatz zu den Erwachsenen ist für sie – in der Mehrzahl sind es Jugendliche – zunächst die Stadt beziehungsweise das Jugendamt zuständig. Nach der Sozialgesetzgebung muss ihre „Inobhutnahme“ so laufen wie bei Jugendlichen, die hier geboren sind. Weil das in der Flüchtlingsunterkunft am Kaiserlei kaum zu bewerkstelligen ist, soll ein Wohnheim geschaffen werden.

Mit wie vielen unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen Offenbach noch rechnen muss, ist unklar. Prognosen dazu sind für Dorenburg reine Kaffeesatzleserei. Hinsichtlich der langfristigen Aufnahme der Minderjährigen, sagt der Jugendamtsleiter, gilt für Offenbach derzeit noch eine „Null-Quote“. Ob die angesichts des anhaltenden Zustroms von Flüchtlingen zu halten sein wird, ist allerdings fraglich. Eine gewisse Entspannung versprechen zudem gesetzliche Änderungen zur Unterbringung ausländischer Kinder, die nächste Woche in Kraft treten. Die Jugendlichen können dann nach einem bestimmten Schlüssel auf die Bundesländer verteilt werden, wobei Hessen wohl tendenziell entlastet wird.

Doch bevor die Verteilung durch den Bund erfolgt, muss in Offenbach zum Beispiel abgeklärt werden, ob und wo es möglicherweise Verwandte gibt oder ob Geschwister dabei sind. Zusätzliche Arbeit also fürs Jugendamt, das ohnehin zusammen mit dem ASB durch das sogenannte Clearingverfahren nach Ankunft der unbegleiteten Jugendlichen alle Hände voll zu tun hat. Das beinhaltet zunächst einmal die Feststellung, ob es sich um einen Minderjährigen handelt. Hinzu kommt die Erfassung von weiteren Basisdaten, wie etwa der Gesundheitszustand. „Es gilt das Vier-Augen-Prinzip. Das heißt, es müssen sich jeweils zwei Sozialarbeiter um einen Fall kümmern. Ein immenser Aufwand, der uns überfallartig beschert wurde “, so Hermann Dorenburg. Ein städtischer Sozialarbeiter, der mehrere Sprachen, darunter Kurdisch und Urdu, spricht, hilft beim Übersetzen.

Bilder: Einblicke in die Notunterkünfte für Flüchtlinge

Sechs zusätzliche Sozialarbeiter-Stellen, deren Kosten das Land übernehmen soll, wurden dem Jugendamt vor kurzem von der Stadtregierung bewilligt, um die anstehenden Aufgaben bei der Erstversorgung zu schultern. Nur: „Der Arbeitsmarkt ist abgegrast, die Besetzung der Stellen, die idealerweise Berufserfahrung voraussetzen, ist äußerst schwierig“, berichtet Jugendamtsleiter Dorenburg. Ähnlich wie bei den Erzieherinnen sei es in der Vergangenheit aber versäumt worden, genügend Leute auszubilden. Das Thema unbegleitete minderjährige Flüchtlinge schlägt sich im Etat des Jugendamts nieder. Die sogenannten Hilfen zu Erziehung, die sämtliche kommunalen Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe umfassen, wurden – immer noch schutzschirmkonform – im Nachtragshaushalt unter anderem wegen der neuen Problematik um drei Millionen Euro von 18,8 auf 21,8 Millionen Euro aufgestockt.

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