Für die Polizei bald alles frei

+
Freuen sich aufs neue Gelände (von links): Cornelia Wicht-Gerhardt, Simon Isser und Petra Reich vom Farm-Vorstand.

Offenbach - Die Kinder- und Jugendfarm wird voraussichtlich im Sommer ein neues Domizil haben. An der Buchhügelallee, oberhalb des Schulzentrums und 500 Meter vom derzeitigen Standort Rheinstraße entfernt, haben die Arbeiten für das Farmgelände begonnen. Von Matthias Dahmer

Der Umzug ist notwendig, weil die Farm eine der Einrichtungen ist, welche dem vom Land geplanten Neubau des Polizeipräsidiums Südosthessen weicht. Die dafür erforderliche Räumung des insgesamt 3,7 Hektar großen Areals zwischen Spessartring und Rheinstraße läuft unterdessen planmäßig.

Beim Land ist indes die endgültige Entscheidung für einen Neubau noch immer nicht gefallen, wie Stefan Löwer, Sprecher des federführenden hessischen Finanzministeriums, mitteilt. Deshalb könne er über Kosten und Zeitplan nichts sagen. Immerhin: „Die Ausschreibung für einen Teilnahmewettbewerb läuft“, so Löwer. Das Bauvorhaben werde vermutlich im Wege der Öffentlich-Privaten-Partnerschaft errichtet, hält sich der Pressesprecher mit Konkretem zurück. Voraussichtlich in der nächsten Woche könne man Einzelheiten bekannt geben.

2000 Quadratmeter größer als das alte Grundstück

Das neue Farm-Grundstück an der Buchhügelallee 94, das in seinem hinteren Teil an die Grundschule Buchhügel angrenzt, ist etwa 9 000 Quadratmeter groß und damit 2 000 Quadratmeter größer als das bisherige. Auf ihm entstehen in Holzbauweise zwei eingeschossige Bauten, deren Bodenplatten bereits gegossen sind: Zum einen das 108 Quadratmeter große Farmgebäude, in dem Aufenthaltsräume, Büro, Toiletten und Haustechnik untergebracht sind. Zum anderen ein 120 Quadratmeter großer Stall mit Werkstatt.

Simon Isser, Vorsitzender der 2003 als Verein gegründeten Farm, freut sich für die Kinder auf das neue Domizil im „Ponderosa-Look“. Die Farm, ein für alle Kinder von der Grundschule bis zur Pubertät offenes Angebot, beherbergt unter anderem vier Ponys und einen Haflinger. Durchschnittlich nutzen pro Tag 20 Kinder das Angebot, sagt Isser. Langfristig ist geplant, die Farm ganzjährig zu öffnen, bislang gibt es eine Winterpause. Zur Bestückung des Geländes, wirbt Vorstandsmitglied Cornelia Wicht-Gerhardt, werden noch Sponsoren gesucht. Gut gebrauchen können die Farmer Werkzeug, Holz und Pflanzen.

Gemeinschaftsprojekt mit Gärtnerei und Wetterpark fallen gelassen

Bauherrin der Farm ist die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH), die sich zur Ausführung ihrer Tochter Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) bedient. Deren Chefin Daniela Matha beziffert die Kosten für die neue Einrichtung auf insgesamt 900.000 Euro. Darin enthalten sind indes 160.000 Euro Planungskosten für ein Projekt, das sich wieder zerschlagen hat: Ursprünglich sollte die neue Farm zusammen mit der ebenfalls noch auf dem Polizeipräsidiumsgelände angesiedelten GOAB-Gärtnerei und einem Besucherzentrum für den Wetterpark oberhalb des Parks entstehen. Da die GOAB die Gärtnerei mangels Fördermitteln aufgibt und Besucherzentrum und Farm nutzungsmäßig nicht unter einen Hut zu bringen sind, hat man das Gemeinschaftsprojekt fallen gelassen, so Daniela Matha. Die Pläne für ein Besucherzentrum am immer besser frequentierten Wetterpark nehmen derweil Gestalt an und werden demnächst in den politischen Gremien beraten.

Der Umzug der Farm gehört zu den umfangreichen, von der SOH zu leistenden Vorarbeiten für das neue Polizeipräsidium. Die Räumung hat im Februar begonnen und muss spätestens Ende des Jahres abgeschlossen sein. Kinder- und Jugendfarm sowie GOAB-Gärtnerei sind die letzten, die gehen. Für sie läuft die Frist bis Ende September. Bereits seit Anfang des vergangenen Jahres weg sind die Kleingärtner entlang des Spessartrings. Ihr Gelände wird derzeit freigeräumt.

Auch der 1. Offenbacher Kleintierzuchtverein hat das Areal seiner Vogelvolieren schon aufgeben. Bis Ende Juni ist ihm die Nutzung seiner Halle gestattet. Im Oktober beginnt die Räumung des gesamten Areals. Der Teil des Radwegs der alten Industriebahntrasse, der durch das künftige Polizeigelände verläuft, ist schon gesperrt. Derzeit werden Radler und Fußgänger über die Rheinstraße umgeleitet. Künftig soll es dauerhaft am Spessartring entlang gehen.

Das Land Hessen hat für die 3,7 Hektar eine Kaufoption bis 31. Dezember 2013. OPG-Geschäftsführerin Matha geht davon aus, dass man in Wiesbaden dafür kein Geld in die Hand nimmt und der noch zu findende private Partner den Stadtwerken das Gelände abkauft. Zehn Millionen Euro soll der Verkauf in die Kasse spülen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare