Auf die Gefahren von Alkohol und Nikotin aufmerksam machen

Jugendfilmtage: Aus der Spur – Alltagsdrogen im Visier

Offenbach - Der zwölf Jahre alte Nils staunt nicht schlecht, als Rainer Ummenhofen vom Suchthilfezentrum Wildhof in Offenbach eine weitere Frage aus dem Gewinnspiel der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auflöst: Drei Flaschen Bier enthalten 40 Gramm reinen Alkohol, ungefähr genau so viel wie sechs Schnäpse. Von Harald H. Richter

„Das hätte ich nicht gedacht“, bekennt der Siebtklässler der Heinrich-Mann-Schule aus Dietzenbach. Mit weiteren Klassenkameraden sowie seiner Lehrerin Sarah Greorio-Enxuto gehört er zu rund 1100 Heranwachsenden von 15 Schulen aus Stadt und Kreis, die bis einschließlich heute zu den Jugendfilmtagen in Offenbach eingeladen sind. Das Thema: „Nikotin und Alkohol – Alltagsdrogen im Visier“. .

Insgesamt sechs altersgruppengerechte Filme stehen auf dem Spielplan des Kinozentrums Cinemaxx. Darin kommen Gleichaltrige vor, die sich bis zum Vollrausch betrinken, rauchen, auch andere Suchtstoffe konsumieren und ziemlich aus der Spur geraten. „Nachdenklich-unterhaltsam sollen die Schüler zur Auseinandersetzung mit Alkohol und Nikotin angeregt werden“, betont Mechthild Rau, Vorsitzende des Suchthilfeträgers zur Eröffnung im Beisein von Polizeichef Roland Ullmann, Kreissozialdezernent Carsten Müller (SPD) und Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) – allesamt Schirmherren.

Offenbach ist deutschlandweit die erste Stadt, in der Jugendfilmtage allein von einem Netzwerk regionaler Kooperationspartner veranstaltet werden. Mit im Boot bleibt neben der BZgA auch die Hessische Landesstelle für Suchtfragen, bei der Sabrina Baier das Projekt „Hart am Limit“ (HaLT) koordiniert. Es bietet in „Brückengesprächen“ spezielle Beratungshilfen für Kinder und Jugendliche, die nach exzessivem Trinken mit Alkoholvergiftungen im Krankenhaus aufgenommen werden müssen. Stadt- und kreisweit waren es vergangenes Jahr 22 Mädchen und 17 Jungen unter 18 Jahren, auf Landesebene standen 1140 Fälle in der Statistik. „Zwar sind die Zahlen seit einigen Jahren rückläufig, was auch den Präventionskampagnen geschuldet ist, trotzdem bereitet uns die Altersgruppe der bis 13-jährigen Mädchen Sorge“, fügt Baier hinzu. Hier werde das Projekt, dessen Finanzierung bis einschließlich 2016 gesichert ist, noch intensiver ansetzen müssen.

Leid und Tod durch Drogen: 187 000 sterben durch Sucht

Polizeipräsident Roland Ullmann hebt hervor, dass nach wie vor jeder vierte Verkehrsunfall auf das Konto junger Menschen geht. „Im Direktionsbereich waren es voriges Jahr insgesamt 600, davon wurden 184 unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen verursacht.“ Betrunken verübte Straftaten, wie Körperverletzungen oder sexuelle Übergriffe insbesondere auf Mädchen, und steigende Suizidalität nach Alkohol seien Herausforderungen, denen sich die Gesellschaft stellen müsse.

OFC-Spieler an der Reaktionswand

Bei Mitmachaktionen, unter anderen in einer Rauchfrei-Lounge, in der Sozialarbeiter Carsten Pfeifer mit Schülern die Risiken der Nikotinsucht diskutiert, erfahren die Jugendlichen mehr zum Thema. Die Regionalligaspieler Benjamin Pintol und Klaus Gjasula von Kickers Offenbach – beides bekennende Nichtraucher und für etliche Teenager sportliche Vorbilder – trainieren an diesem Vormittag ausnahmsweise an einer Reaktionswand unter erschwerten Bedingungen Schnelligkeit und Präzision. Der Jugendbeauftragte beim Polizeipräsidium Südosthessen, Björn Ritz, hat ihnen Rauschbrillen aufgesetzt, die den Einfluss von Alkohol suggerieren. „Ohne Sinnestrübung eindeutig treffsicherer“, bescheinigt er ihnen nach dem Vergleichstest augenzwinkernd.

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