„Jugendhilfe an Schulen“

Vom PC zurück auf die Schulbank

Offenbach - Landesmittel, Bundestöpfe und EU-Gelder, Schulsozialarbeit, Modellprogramm und Teilprojekte. Für Laien ist’s kaum durchschaubar, welch enges Netz da gewebt ist, um jene aufzufangen, die früher oder später abstürzen könnten – sogenannte Schulabbrecher. Von Martin Kuhn 

Für die nächsten drei Jahre ist das lokale Geflecht gesichert. Für Roberto Priore, Leiter Fachstelle Jugendhilfe-Schule, ist es wichtig, „gefährdete Jugendliche“ zurückzuholen, die möglicherweise aus dem (Schul-) System fallen könnten. Das sind Abbrecher, die letztlich ohne Abschluss die Bildungseinrichtungen verlassen. Und das sind nicht wenige: etwa 12 Prozent der Offenbacher Hauptschüler. Das zeichnet sich ab: Bei 21 oder mehr Fehltagen im Halbjahr greifen heute längst die ersten Hilfen für die Jungen und Mädchen. Und die, das betonen alle Beteiligten, funktioniert am besten ohne direkten Kontakt mit dem Lehrer.

Die Experten nennen so etwas „Beziehungsangebote“. „Sozialarbeiter suchen Zugang zum Jugendlichen, stärken ihn, bringen ihn dazu, dass er wieder zur Schule gehen will“, gibt Priore den Weg vor, der stets individuell erforscht wird – das reicht vom Theaterkurs bis zur Kochgruppe. Das hört sich jetzt für viele nach sozialer Kuschelpädagogik an, ist aber recht erfolgreich. Daher findet Fanni Mülot, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule: „Die Gelder fließen in ein unendlich wichtiges Projekt. Wir sind alle erleichtert, dass wir für drei Jahre Verlässlichkeit haben.“ Ihre Kolleginnen Veronika Schneider (Bachschule) und Alma Obradovac (Eichendorffschule) nicken zustimmend.

Mülot belegt’s mit Zahlen. In den vergangenen drei Jahren wurden je zwanzig junge Leute ins Bildungssystem zurückgeholt; ein Erfolg für Lehrer, Sozialarbeiter und Jugendliche. „Wir dürfen sie nicht in ein Nichts entlassen.“ Gründe fürs mögliche Abgleiten sind oft mit der Biografie der Eltern verknüpft, die arbeits- und perspektivlos sind. In diesen Abwärtssog geraten die Kinder. Sie liegen morgens im Bett oder sitzen vor dem PC, statt Deutsch und Mathe zu lernen. „Schulen können mit ihren Mitteln da nicht helfen“, sagt Mülot aus Erfahrung.

Klassisch und modern: Die besten Spick-Methoden

Alles schön und gut. Aber sind zwei Sozialarbeiter an einer Grundschule notwendig? Schulamtsleiter Dr. Peter Bieniussa bejaht das. „Dort beginnen die Probleme, und es wird der Keim gelegt fürs spätere Schwänzen.“ Alma Obradovac ergänzt: „Oft führen Angstgefühle dazu, sich von der Schule zu distanzieren.“ Dass es gerade an der Innenstadtschule zu Problemen kommt, ist für Bürgermeister Peter Schneider historisch bedingt. Die Stadt registrierte dort vor 20 Jahren überdurchschnittlich viele Kinder, die vor dem ersten Schultag keine Kindertagesstätte besucht hatten. Daher sei jeder Euro in die Jugendhilfe gut investiert, „da sie junge Menschen langfristig in den Arbeitsmarkt integriert“.

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