Fleißig geraspelt und gefeilt

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Unter Anleitung von Holzbildhauerin Sonja Weidner sind die Mädchen und Jungen mit Eifer bei der Sache.

Offenbach - Wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich Späne – im Werkraum der Jugendkunstschule Offenbach an der Herrnstraße ist das nicht anders. Von Harald H. Richter

Zwar stehen die zwölf Kinder des Ferienkurses – drei Mädchen und neun Jungen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren – nicht an der Hobelbank, doch immerhin um vier Tische herum. Und der Fußboden ringsherum ist reichlich mit Holzstiften und -flocken übersät. Eifrig und notwendigerweise ziemlich lautstark bearbeiten die Kinder mittels Bildhauereisen und weiterem Werkzeug allerlei Holzstücke. Bei dem viertägigen Nachmittagsangebot, das im Nu ausgebucht gewesen ist, wie Leiterin Barbara Meyer berichtet, sollen Schalen und Boote aus Vollholz entstehen.

Viele der Kinder sind bekannte Gesichter, haben schon öfters an Kursen der Jugendkunstschule teilgenommen. Unter Anleitung der studierten Kunstpädagogin und Holzbildhauerin Sonja Weidner aus Frankfurt zeichnen sie die Nadelholzblöcke zunächst an, bevor die Innenform ausgeschlagen werden kann. Bevorzugt verwendet werden Tanne und Fichte, da diese sich leichter behauen lassen. Im Vorfeld hat die 29-Jährige mit den Kindern die Entwürfe besprochen und ihnen einige Sicherheitshinweise gegeben, denn so ganz ungefährlich ist die Bearbeitung der Werkstücke nicht.

Umgang mit Klüpfel und Bildhauereisen

Der Umgang mit Klüpfel und Bildhauereisen geht den Kindern dann aber doch gut von der Hand. Sie klopfen und schlagen, dass die Späne nur so auseinanderstieben. Gelegentlich greift Sonja Weidner ein und mahnt: „Formt nicht alles auf einmal aus, denn das geht an die Kräfte.“ Assistiert wird sie von Kim Lotte Stöber, der 22-jährigen Praktikantin an der Jugendkunstschule. Im Verlauf des Nachmittags wird auch eine längere Pause eingelegt. Dann erstürmt die Schar den Spielplatz vor dem Café im Lilipark, um sich auszutoben und Sauerstoff zu tanken. Umso konzentrierter geht’s hinterher weiter.

Mit Eifer sind der zehnjährige Luca und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Colin dabei. Nicht zum ersten Mal nimmt der Junge, der das Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm besucht, an einem solchen Kursus teil. „Mir macht so etwas großen Spaß“, sagt der Blondschopf und bearbeitet weiter konzentriert mit der Raspel das widerspenstige Fichtenholzstück. „Zu Hause habe ich sogar eine Werkbank stehen“, verrät er.

Logisch, dass Luca sich vorgenommen hat, den bereits in groben Konturen ausgeformten Block am Ende des Nachmittags mit heim zu nehmen, um daran weiter zu werkeln. Ohnehin wird in der Familie der beiden Jungs Kreativität groß geschrieben. Das wundert nicht, denn Mutter Uli Wüstholz ist selbst schöpferisch tätig und fördert demzufolge die Ambitionen ihrer Sprösslinge. Liebevoll gestaltete Geschenke aus Stoff und Wachs, Bucheinbände und gefällige Applikationen tragen ihre künstlerische Handschrift.

Ölschicht für die Haltbarkeit

Um einen eigenen Tisch sind die drei Mädchen in der Gruppe versammelt. Sie widersprechen ganz entschieden der Meinung mehrerer Jungs, wonach sie denen auf handwerklichem Gebiet angeblich unterlegen seien. „Das ist großer Quatsch“, empört sich Helene. „Außerdem denken Jungen gar nicht logisch“, fügt sie im Brustton der Überzeugung hinzu und erntet dafür Kopfnicken. Die Elfjährige ist ebenso wie Paula und Aliyah davon überzeugt, dass ihre Entwürfe schließlich die gelungensten sein werden. Doch noch ist es nicht so weit. So wird weiter geraspelt und gefeilt.

Erst am Ende der vier Nachmittage haben die nach eigenen Entwürfen hergestellten Schalen und Boote das gewünschte Aussehen. Zur Haltbarkeit wird eine leichte Ölschicht aufgetragen. Wer will, kann sein Unikat noch mit einem farbigen Dekor versehen. Dann sind die zierenden Einzelstücke fertig und können zu Hause den Eltern präsentiert werden. Und wer weiß, vielleicht hat der Osterhase zur Belohnung noch ein paar süße Überraschungen hinein gelegt.

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