Jung trifft Alt weiterhin

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„Ein bunteres Publikum kann ich mir nicht vorstellen“: Beim Abschlussfest zum Projekt „Jung trifft Alt“ wurde viel beklatscht. Unter anderem Mehmetoglu Sakir Sezkiner und seine 78-jährige Frau Cevriye.

Offenbach ‐ Als der 82-jährige Mehmetoglu Sakir Sezkiner und seine 78-jährige Frau Cevriye den Saal im Ostpol betreten, brandet Applaus auf. Von Peter Klein

Die beiden haben dieses Jahr ihre Diamantene Hochzeit gefeiert und sind die Ehrengäste der Abschlussveranstaltung zum Projekt „Alt trifft Jung“ der Migrationsberatung der Arbeiterwohlfahrt im Offenbacher Osten. Mehr als die Hälfte ihres 60-jährigen Ehelebens haben die beiden in Offenbach verbracht. Als der Lederwarenmeister aus Istanbul 1967 nach Offenbach kam, wollte er nur ein Jahr bleiben und Modelle für seine Istanbuler Werkstatt sammeln.

Doch kaum zurück, erreichte ihn ein Anruf der Firma Goldpfeil, er möchte bitte wiederkommen, er sei so ein guter Arbeiter. Ein Jahr später holte er seine Frau nach. Direkt neben den Eheleuten Sezkiner sitzt die Familie Ahmadi. Sie kommt aus Afghanistan und lebt seit sechs Jahren in Offenbach. Die Töchter Halida, Hava und Sahera - neun, sieben und viereinhalb Jahre - haben den größten Teil ihres Lebens hier verbracht und werden Offenbach einmal als ihre Heimat bezeichnen.

Geschichten von Flucht und Auswanderung

Während die Eheleute Sezkiner mit den Kindern spielen, läuft auf der Leinwand im Saal ein Video. Zu sehen ist, wie Jugendliche Migranten das Pflegewohnheim der AWO besuchen. Während der „blaue Stunde“ genannten Erzählveranstaltung berichten sie aus ihrem Leben. Nicht alle Senioren kommen aus Offenbach. Eine alte Dame erzählt, wie sie nach dem Krieg aus dem Sudetenland kam. „Die Deutschen kamen ja aus allen osteuropäischen Ländern“, erzählt sie, „die aus Ungarn hatten immer Kopftücher auf, das waren für uns halt die Kopftuch-Mädchen“, so die Dame. Der 18-Jährige Volkan, der seit neun Jahren in Deutschland lebt, erzählt den Senioren hingegen vom islamischen Opferfest.

Ein bunteres Publikum wie hier kann ich mir nicht vorstellen“ stellte denn auch Agnes Tölking vom Jugendamt fest und dankte Ali Karakale, Migrationsberater der AWO und Organisator von „Alt trifft Jung“.

Sie koordiniert für die Stadt die Mikroprojekte des Programms „Stärken vor Ort“ des Bundesfamilienministeriums. Es ist ein Programm, das Ressourcen in benachteiligten Stadtteilen wie dem Offenbacher Osten aktivieren will. 15 Projekte gibt es hier in diesem Jahr. Dabei arbeiten verschiedene Träger immer enger zusammen. Das Iftar Fest, das islamische Fastenbrechen, wurde von AWO und Schlosskirchengemeinde organisiert. Der Berufsvorbereitungskurs für Jugendliche fand mit der Mathildenschule und KJK Sandgasse statt. Steffen Schmidt, Gemeinwesensozialarbeiter des Diakonischen Werkes, stellte das Konzept der Schlosskirche vor, Institutionen wie Bürger stärker zu vernetzen.

Lebensgeschichten gesammelt

Nicole Horn von der Carijob GmbH der Caritas sowie Giovanna Silvestro und Vildan Dirik zeigten Arbeiten ihres Projektes „Handarbeit und Deutsch - mit den Händen lernen“. Während einer Lesung der Schriftstellerin Selma Ceylan beim Frauenfrühstück suchte Paula Kuhn Mütter für ihr Projekt „Botschafterinnen für Kinderbücher“.

In seiner Sprechstunde und während der Veranstaltungen hat Ali Karakale die Lebensgeschichten einiger Teilnehmer gesammelt und daraus einen interkulturellen Kalender für 2010 entstehen lassen. Für jede Woche eine Geschichte.

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