Junge erfüllen alte Mission

+
In St. Marien stand am Samstag die Aussendung der diesjährigen Sternsinger mit Weihbischof Werner Guballa an.

Offenbach ‐ Für Protestanten besteht Weihnachten aus Heiligabend und den beiden Feiertagen. Wenn am ersten Werktag die Beschenkten in den Geschäften manches vom Gabentisch um- und die Gutscheine eintauschen, steht zwar meist noch die Tanne im Wohnzimmer, doch festlich kommt in der evangelischen Kirche nichts mehr nach. Von Stefan Mangold

Anders verhält es sich bei den Katholiken. Bei denen läuft das Weihnachtsfest eigentlich bis zu Heilige Drei Könige am 6. Januar. Und bis dahin sind dann auch die Sternsinger unterwegs: verkleidete Kinder, die Geld sammeln, um Armen zu helfen.

Am Samstag fand in der St. Marienkirche der Gottesdienst zur Aussendung der Sternsinger in Gegenwart des Mainzer Weihbischofs Werner Guballa statt. Das diesjährige Motto lautet: „Kinder finden neue Wege.“ Außerdem wirkten Geistliche aus dem Dekanat Offenbach mit. Die Aktion der Sternsinger „wiederholt sich in Deutschland seit über 50 Jahren,“ erläuterte Monsignore Josef Madloch, der Priester von St. Nikolaus in Bieber. „Die Tradition liegt jedoch weit zurück,“ ergänzte Pfarrer Hans Blamm, der die Gemeinde von St. Marien betreut. Der Brauch selbst ist ein halbes Jahrtausend alt.

Erlös der Aktion für guten Zweck

Religiös sehen sich die Sternsinger in der Nachfolge der Heiligen Drei Könige. Die übersetzte Martin Luther aus dem Matthäus-Evangelium mit den „Weisen aus dem Morgenland“. Ein Stern leitet die drei mutmaßlich von Syrien über Jerusalem nach Bethlehem, wo sie Jesus im Stall anbeten und mit Gold, Weihrauch und Myrrhe beschenken. Da die Weisen später von der Geburt des Heilands berichtet haben sollen, fußt die Motivation der Sternsinger auf dieser Geschichte: „Die Kinder sollen die Botschaft Gottes in die Welt tragen“, sprach Dekan Michael Kunze zur Gemeinde und mehr als 50 Sternsingern.

Viele Legenden bildeten sich später um die Männer aus dem Morgenland. Weihbischof Guballa etwa erzählte die russische Version von einem vierten König, der auch dem Stern folgt, doch unterwegs seine Schätze an Arme verschenkt, bis er selbst nichts mehr hat und schließlich auch noch im freiwilligen Tausch gegen einen Familienvater als Sklave auf eine Galeere geht. Nach Jahren kommt er frei und trifft Jesus doch noch: ans Kreuz genagelt. Der vierte König stirbt zu dessen Füßen.

Der Erlös der Aktion kommt stets besonders den Kindern aus unterprivilegierten Schichten in Entwicklungsländern zugute. Im letzten Jahr bedachte das Kindermissionswerk das überwiegend katholische Kolumbien, in diesem Jahr den mehrheitlich islamischen Senegal. „Von dem Geld sollen Brunnen gegraben und Schulen gebaut werden,“ erklärte Dekanatsjugendreferent Steffen Basta.

Die Kanzel zieren vergoldete Engel

Davon handelte auch der Vortrag der Kinder, die in bunte Gewänder gekleidet erschienen waren. Ein Kind übernahm den Part des in Deutschland wohnenden: Das erzählte von zehn Minuten Fußweg zur Schule und der Alternative, statt dessen den Bus zu nehmen oder bei den Eltern ins Auto zu steigen. Das Kind, das den Altersgenossen aus dem Senegal spielte, berichtete von zwei Stunden Fußmarsch zur Schule. Wasser müssten sie in Eimern mehrere Kilometer herbeischaffen. Das hiesige Kind bemerkte: „Ich öffne den Hahn, und schon fließt es.“

Die meisten Kinder machen mit, „weil ich nächstes Jahr Kommunion habe,“ wie ein Junge sagte. Andere, wie Johanna Wolf, blieben nach ihrer Erstkommunion dabei, sind heute Messdienerinnen und begleiten die Kinder in den folgenden Tagen als Leiterinnen beim Sammeln mit der Büchse.

Nicht nur durch einige Festtage unterscheiden sich Katholiken von Protestanten, sondern auch durch die Inneneinrichtung ihrer Kirchen, die Gewänder der Geistlichen und den satten Weihrauchgeruch bei den einen. Die Kanzel in der St. Marienkirche zieren vergoldete Engel, über ihnen steht der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Denn „Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende“, offenbart der Apostel Johannes am Ende der Bibel Worte des Herren. Und darin sind sich beide Konfessionen bekanntlich einig.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare