Lederstadt dank günstiger Mieten ideal für Unternehmen

Junge Firmen mögen Offenbach

Frankfurt/Offenbach - Ob international bekannte Werbeagenturen, Galerien, das Deutsche Ledermuseum oder Publikumsmagneten wie die Frankfurter Buchmesse: Der Kreativwirtschaft in Rhein-Main geht es gut. Von Konstanze Löw

Jetzt hat Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir den aktuellen Branchenbericht vorgestellt. Die Kultur-und Kreativwirtschaft in Hessen wächst und ist stark aufgestellt. Das zeigt der fünfte Bericht, der aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Branche aufzeigen und als Grundlage der Förderpolitik dienen soll. „Mit Offenbach als Stadt kreativen Humus’ sind wir gut aufgestellt. Offenbach muss sich nicht hinter Frankfurt verstecken“, so Al-Wazirs Appell. Vielmehr spricht sich der Wirtschaftsminister dafür aus, zukünftig gemeinsam als Kreativregion „Frankfurt Rhein-Main“ nach außen ein Image eines kreativen Ballungsgebietes zu verbreiten. Die Zahlen sprechen schon jetzt für eine starke Region, denn in Hessen arbeiten 120 000 Menschen in der Kultur- und Kreativbranche, wozu etwa der Buchmarkt, Messen, Werbeagenturen, Presse und der Bereich Design zählen. „Und der Markt hat weiteres Wachstumspotential“, ist sich Al-Wazir sicher.

Offenbach sei mit der Hochschule für Gestaltung (HfG), mit zahlreichen Kunstvereinen und kreativen Unternehmen, die sich in alten Fabrikgebäuden wie der Hassia- oder Heyne-Fabrik eingenistet haben, ein Standort mit Zukunft. „Kurze Wege und die Vernetzung der Akteure untereinander sind Vorteile, die in Offenbach gang und gäbe sind“, fasst der Wirtschaftsminister zusammen. Und dabei sieht er das Problem der Vernetzung, bei der es in der Branche bisweilen hapere, in Offenbach gut gelöst. Das Gründerzentrum Ostpol und die gute Vernetzung mit der übrigen Wirtschaft werden im Branchenbericht positiv herausgestellt. Und trotzdem gibt es Handlungsbedarf: „Wir müssen an einer größeren Vernetzung der Branche und der Kreativen untereinander arbeiten. Nicht nur lokal, sondern überregional“, fordert Daniel Putsche. Er ist Gründer des Frankfurter Startups Candylabs, das mobile Apps entwickelt.

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Marcus Naumann, Innovationsmanager bei der Frankfurter Digital-Agentur Razorfish, sieht die Region Rhein-Main als guten Standort für kreative Startup-Unternehmen. „Wir bekommen top ausgebildeten Nachwuchs von den umliegenden Universitäten.“ Optimierungsmöglichkeiten sehe er vor allem in Räumlichkeiten für Kreative. Auch Al-Wazir hat das Platzproblem längst erkannt: „Die Raumfrage ist gerade im Ballungsraum Rhein-Main ein Problem.“ Nicht nur aus diesem Grund spricht sich Daniela Matha von der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft OPG positiv für die Lederstadt aus: „Hier haben wir unschlagbar günstige Mietpreise, viele Möglichkeiten der Vernetzung und mit der Nähe zu Frankfurt bieten sich viele Möglichkeiten – gerade für junge, kreative Unternehmen.“ Die Stadtentwicklerin sieht in Offenbach viele Chancen wie günstigen Wohn- und Arbeitsraum für Existenzgründer, die eine fertig entwickelte Stadt nicht bieten könne.

Auch wenn die neu geschaffenen Büroflächen am Hafen durch hohe Mietpreise bewusst etablierte Unternehmen anspreche, gebe es generell genug günstigen Wohnraum. „Die Welle schwappt nur langsam über“, sagt Matha mit Blick auf Frankfurt. Und dabei kann Offenbach von den Kreativen profitieren. Das bestätigt auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer (IHK) Offenbach, Markus Weinbrenner: Mit knapp 3000 Unternehmen allein in der Stadt Offenbach habe die Kreativwirtschaft eine hohe wirtschaftliche Bedeutung und spiele eine wichtige Rolle für die Standortentwicklung und das Image. „Für Wirtschaft in der Region wirken Design und Kreativwirtschaft zudem als immer wichtigere Innovationstreiber“, so Weinbrenner. Mit dem hessenweiten IHK-Netzwerk „Design to Business“ arbeitet die Kammer daran, die Kompetenzen von Kreativen stärker für andere Branchen nutzbar zu machen.

„Kreative haben eine positive Wirkung auf die Stadtenwicklung. Das erkennen die Verantwortlichen immer mehr und richten eigene Anlaufstellen ein“, sagt Al-Wazir. So soll auch der Bericht helfen, Ansprechpartner und Förderangebote aufzuzeigen. „Doch viele Angebote werden bisher nicht wahrgenommen. Hoffentlich ändert sich das noch“, so der Minister.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Offenbach Teil 1

Rubriklistenbild: © dpa

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