Junge Männer machen sich rar in Ehrenämtern

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Rote Rosen gelten seit dem Altertum als Symbol der Liebe. Daher wählte Reinhard Knecht lieber eine andere Farbe. Alle Ehrenamtler erhielten als Dankeschön eine „Königin der Blumen“ und das Buch „Eine Stadt im Umbruch“.

Offenbach - (mk) Ehre, wem Ehre gebührt. In diesem Fall den Ehrenamtlichen. Gut 200 von ihnen kamen ins Hainbachtal zum gemütlichen Beisammensein, das die Stadt als kleines „Dankeschön“ sieht - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Mit der Resonanz jedenfalls ist der Referatsleiter Reinhard Knecht nach dem Wochenende rundum zufrieden. Das lokale Fest war eingebunden in die gleichnamige bundesweite Woche des „Bürgerschaftlichen Engagements“ - ein etwas sperriger Begriff für eine gute Sache. Für die Offenbacher gab’s bei der Arbeiterwohlfahrt Erfrischendes und Stärkendes. Für jazzige Zwischentöne sorgten Torsten Buckpesch und Jochen Kessler, für amüsante Momente Frau Sannella alias Doris Herr als „Die Ehrenamtliche für den Service“.

Reinhard Knechts Ansinnen für diesen Nachmittag: „Gute Laune machen durch gesellschaftlichen Optimismus, der hier verbreitet wird.“ Das Fest sollte freilich nicht allein Hunger und Durst stillen, sondern trotz klammer Stadtkasse ein Zeichen setzen, wenn auch ein bescheidenes. „Wir drücken den Leuten nicht eine Ehrenamts-Karte in die Hand und dann hören sie zwei Jahre nichts mehr von uns.“ Keine Frage: Knecht will die Offenbacher begeistern für eine gute Sache.

Kinder und Jugendliche fürs Ehrenamt begeistern

Für den Referatsleiter ist die Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement vorhanden: „Die Leute wollen etwas tun.“ Er wiederspricht dabei gar nicht dem Eindruck, dass gerade Ältere (Knecht spricht gern von der Generation 55 plus) sich derzeit hervortun: „Die haben vielleicht auch etwas mehr Zeit als junge Leute.“ Daher sei es ein wichtiges Ziel, Kinder und Jugendliche fürs Ehrenamt zu begeistern. „Diese Spezies schießt nicht gerade wie Pilze aus dem Boden“, weiß der 56-Jährige und ergänzt: „Wenn es ihnen nicht vorgelebt wird, müssen wir die Botschaft anders transportieren - beispielsweise über die Schulen.“

Ein Hauptaugenmerk richten die Verantwortlichen auf junge Männer von 16 bis 35 Jahren. Denn die ziehen sich, so Stephan Würz, stark aus dem ehrenamtlichen Engagement zurück. Der Geschäftsführer der Landesehrenamtsagentur sagt: „Sie fehlen als Übungsleiter, Einsatzkräfte und in den Vereinsvorständen.“ Das sei umso bedenklicher, weil man wisse: „Wer sich in jungen Jahren engagiert, wird das sein Leben lang tun.

Jeder hat Fähigkeiten, mit denen er helfen kann

Die Palette ist breit gefächert: Sei es der ehrenamtliche Trainer der Jugendfußballer, Helfer im Tierheim, die zum Streitschlichter ausgebildeten Schüler oder die Organisatoren eines Seniorentreffs. Jeder Mensch hat Fähigkeiten und Kenntnisse, mit denen er für andere eine unschätzbare Hilfe sein kann.

Mal sehen, wie weit Knecht am 5. Dezember ist. An diesem Samstag feiert die Stadt Offenbach den Tag des Ehrenamtes. Er steht 2009 unter dem Motto Nächstenliebe.

Als Anerkennung gibt es - nach langen Diskussionen - auch in Offenbach seit zwei Jahren die Ehrenamts-Card. Inhaber erhalten unter anderem verbilligten oder kostenlosen Eintritt in städtische Museen sowie bei städtischen Kultur- oder Sportveranstaltungen, einen kostenlosen Leseausweis für die Stadtbibliothek sowie Ermäßigungen bei Teilen des Kursprogramms der Volkshochschule. Derzeit hat Reinhard Knecht an die 420 Namen in seiner Datei. Sein Ziel: „500 ist doch eine schöne Zahl.“ Die möchte Knecht möglichst schnell erreichen. Eine anspruchsvolle Arbeit für ein Ein-Mann-Referat...

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