Junges Gemüse in Küche und Gastraum

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Auszubildende Jennifer Gundel (links) steht am liebsten in der Küche. „Dort gibt es immer was zu tun“, sagt die 18-Jährige. Lara Kirchkesner schaut ihr über die Schulter.

Offenbach ‐ Zum Gespräch streicht Jasmina Muric ihre rote Schürze glatt. Bis eben hat sie noch Gäste bedient. Ihre Kollegin Jennifer Gundel kommt aus der Küche. Die 18-Jährige steckt in einer schneeweißen Küchenkluft und trocknet sich ihre Hände am Geschirrhandtuch ab. Von Katharina Platt

Corinna Greif steckt noch im Mantel. Ihre Schicht beginnt erst am frühen Nachmittag. Die drei jungen Frauen sind Azubis im Ausbildungsrestaurant „Ina“ der Initiative Arbeit des Bistums Mainz. Am Nachmittag wird es in der Luisenstraße 53 ruhiger. Dann hat auch das Team aus der Küche Zeit für ein gemeinsames Mittagessen. Sorgfältig sind die hellen Holztische eingedeckt. Tischläufer, Besteck, Servietten, Kerzen, Menükarten. Alles ist an seinem Platz und frisch poliert. Ein genaues Auge dafür haben die Mädchen seit dem Beginn ihrer Ausbildung im September entwickelt.

Jasmina ist am liebsten im Service. Sie hat gerne Kontakt mit den Gästen, serviert mit einem charmanten Lächeln und bemüht sich um Professionalität. Auch Corinna fühlt sich im Gastraum und hinter der Theke zuhause. Nur ihre Kollegin Jennifer fühlt sich in der Küche am wohlsten.

Alle drei machen eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe und kommen so mit den Berufsfeldern Küche und Service in Berührung. Stimmt das Abschlusszeugnis, können sie ein weiteres Jahr dranhängen und sich spezialisieren. Aber so weit denken die Mädchen noch nicht. Im Herbst steht erst einmal die Zwischenprüfung vor der Tür. Dann wird bisher Gelerntes abgefragt. „Die Ausbildung ist sehr umfangreich“, erklärt Küchenchef und Betriebsleiter Dirk Höffler. Weil es im Restaurant „Ina“ nur eine kleine Stammkarte gibt und der Menüplan täglich wechselt, erfahren die Azubis die gesamte Palette der Essenszubereitung.

Neu gestalteter Gastraum im Kolpinghaus gut besucht

Heute steht unter anderem mediterranes Kalbsragout mit Kräuterreis auf dem Speiseplan. Außerdem gebratene Lachsschnitte mit Rieslingsoße, Rübengemüse und Püree. Jeweils für 7,90 Euro. Wer einen süßen Abschluss wünscht, bestellt für 3,50 Euro eine Crème Brulée.

An all den Köstlichkeiten sind Jasmina, Jennifer und Corinna beteiligt. Der Erfolg, mit dem das Restaurant vor wenigen Wochen gestartet ist, erfüllt sie mit Stolz. Mittags ist der neugestaltete Gastraum im Kolpinghaus gut besucht. „Vielleicht stellen wir noch einen Tisch rein“, sagt Dirk Höffler. Nur am Abend könne es noch besser laufen, verrät er.

Genug zu tun hat das Team trotzdem. Außer dem normalen Restaurantbetrieb setzt Leiterin Eva Sorger ihre Schützlinge auch bei Veranstaltungen ein, die im großen Saal des Kolpinghauses stattfinden. „So ein Arbeitstag in der Gastronomie kann ganz schön hart sein“, meint Sozialpädagogin Doris Kleffmann-Metz. Doch bisher haben die drei Azubis alle Aufgaben gemeistert und dabei viel gelernt. Lachend erinnern sie sich, wie sie zum ersten Mal ein Hühnchen tranchiert haben. „Jetzt sind wir Profis“, erzählt Corinna. Ein- bis zweimal in der Woche drücken sie die Schulbank. Gibt es Probleme, werden sie von Doris Kleffmann-Metz und Projektleiterin Kinga Willmann unterstützt. Manchmal ist ein wenig mehr Betreuung nötig. Die jungen Frauen stammen alle aus der Produktionsschule des Café Luise der Caritas. Nach der Schulzeit konnten sie nicht in ein reguläres Arbeitsverhältnis vermittelt werden. Corinna absolvierte ein Jahrespraktikum und hatte von einer großen Lebensmittelkette die Zusage für einen Ausbildungsplatz. Doch das Versprechen wurde nicht gehalten. „Darüber bin ich heute froh“, sagt Corinna und lacht.

Schon bald sollen noch mehr junge Menschen einen Ausbildungsplatz im Restaurant beginnen.

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