Wann fliegt das Blech weg?

Junggesellen-Abschied mit Crash-Test

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Ob’s noch ein Cabrio wird? Bräutigam in spe Paul Kappe arbeitet dran...

Offenbach - Es hämmert und kracht. Vom tiefen „Whump“ bis zum hohen „Crack“ reicht die Tonleiter; eine Tonleiter der Zerstörung. Die jungen Männer schwingen im Lämmerspieler Weg nicht nur ganz legal den Hammer gegen Autoblech. Von Martin Kuhn

Sie legen dafür auch noch 149,95 Euro hin. Das Zerschrotten eines Wagens ist für das Sextett der Einstieg in den Junggesellenabschied von Paul Kappe. Der findet’s eine „coole Idee“, strahlt und holt erneut aus. Gebucht hat die Aktion Christof Meier bei der Offenbacher Autoverwertung Fröhlich. Alle Jungs lächeln schwitzend – eine Runde geht noch...

Der künftige Bräutigam klettert auf die bereits ordentlich verdellte Fronthaube, schwingt den Hammer am langen Stiel über den Kopf. Mit einem trockenen „Whack“ knickt das Dach in den Innenraum. „Ja, gib ihm noch einen“, feuert ihn die restliche Gruppe an. Nach ein paar weiteren Hieben keucht er: „Ich geb’ ab. O Mann, ich brauche einen Schluck Eistee.“ So sieht ein zufriedener Junggeselle aus Kiel aus.

Einen Zwischenstopp eingelegt

Aus Kiel? Richtig gelesen. Da Paul Kappe mittlerweile in Mannheim lebt, haben die Jungs von der Ostseeküste sozusagen einen Zwischenstopp eingelegt. „Gesucht habe ich für Paul etwas zum Abreagieren – er hat schließlich einen stressigen Job“, grinst dessen Freund und Trauzeuge Christof. Alternativ wäre ein Senkrechtlauf an einer Hauswand (nach unten versteht sich!) in Frage gekommen, „aber so ist’s okay“, lehnt Paul am dunkelroten Kleinwagen. Zum hämmernden Sechser gehören noch „Bald-Schwager“ Dominik Trauth, dessen Bruder Alexander sowie die Cousins Julian und Martin Greve.

„Wir gehen erst, wenn der Wagen so klein ist“, gibt Dominik die Devise aus und deutet einen etwa kubikmetergroßen Würfel an. „Jawolllllll.“ Es sei indes festgehalten bei aller Kieler Energie: Er wird nicht so klein werden. Als erstes zersplittern Seitenscheiben und Lichter. Als „erstaunlich robust“ zeigt sich der Außenspiegel – ansonsten ist überall der Lack ab und der kleine Rüsselsheimer mit einer eher knittrigen Oberflächenstruktur versehen. 30 Minuten hat die Gruppe schon, 60 sind gebucht. „Aber das Ende ist offen“, sagt Fröhlich-Mitarbeiterin Ina Focken.

Händige Zerschrotten im Angebot

Seit 2007 hat die Autoverwertung das händige Zerschrotten im Angebot, nachdem sich die Offenbacher Firma einem Online-Gutschein-System angeschlossen hat, boomt’s richtig. Im Sommer rücken sie beinahe wöchentlich an – Männer, Frauen, Kinder, Junggesellenabende, Vereinsfeiern, Kindergeburtstage. Die Firma Fröhlich stellt Autos, Handschuhe, Schutzbrillen, Hämmer. Und wenn jemand einen speziellen Wagen zerlegen möchte? „Versuchen wir diesem Wunsch zu entsprechen“, formuliert Focken.

Sie ergänzt: „Die Stunde wird immer genutzt.“ Da hält der künftige Bräutigam etwas schnaufend inne: „Eine Stunde kloppen? Das macht keiner am Stück.“ Dominik teilt das und denkt an die Mitarbeiter aller Autoverwerter: „Ein Knochenjob. Ein Hoch auf die hydraulische Presse.“

Diese gibt es allerdings seit Ewigkeiten nicht mehr bei den „Schrottlern“, wie sie der Offenbacher Volksmund liebevoll nennt, am Lämmerspieler Weg – die behördlichen Auflagen haben diese zu einem unrentablen Luxus werden lassen. Daher endet auch das Kieler Endprodukt auf einem Stapel, den ein zertifizierter Entsorger abholt und alle Bestandteile säuberlich trennt – sozusagen der heimische gelbe Sack in groß. Derweil stöhnt ein Kieler, der als ambitionierter Halbmarathonläufer gilt: „Boaah. Es ist unglaublich schwer, den Hammer über den Kopf zu heben und sauber durchzuschwingen wie beim Holzspalten. Der wiegt mindestens zehn Kilo.“

Ina Focken grinst nicht, als sie mit nüchternem Ton sagt: „Am Anfang hatten wir Teile aus dem Baumarkt. Die waren aber nach einem Tag kaputt. Jetzt sind sie aus praktisch unzerbrechlichem Fiberglas. Sie wiegen übrigens fünf Kilogramm...“

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