Justizzentrum offen für Besucher

Bieter statt böser Buben beim Tag der offenen Tür 

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Auktionator Andreas Drong und sein Team haben keine Mühe, die Dinge, die sich bei der Staatsanwaltschaft angesammelt haben, an den Mann zu bringen.

Offenbach - Die Versteigerung von Asservaten war Zugnummer beim Tag der offenen Tür im Offenbacher Justizzentrum. Ansonsten war die Resonanz auf das bei laufendem Betrieb gebotene Programm an der Kaiserstraße eher verhalten. Von Matthias Dahmer 

Es ist wie auf dem Wohnungsmarkt: In Offenbach sind im Gegensatz zu Frankfurt noch manche Schnäppchen zu ergattern. Das berichtet zumindest der Profi. Der kompakte Mittfünziger liefert sich gestern Vormittag im großen Sitzungssaal des Amtsgericht, dort wo üblicherweise Einbrecher und Betrüger verknackt werden, einen regelrechten Bieterwettstreit mit einem jüngeren Konkurrenten. Ein Dutzend weitere Interessenten haltene sich weitgehend zurück, heben nur ab und zu mal den Finger.

„Ein Laptop von Asus, noch original verpackt. Mindestgebot 50 Euro“, bittet Gerichtsvollzieher Andreas Drong in seiner Funktion als Auktionator um Reaktionen. Die lassen nicht lange auf sich warten: 55, 60, 70 Euro – die beiden in der ersten Reihe schaukeln sich hoch, bei 210 Euro für die Staatskasse erhält der Ältere den Zuschlag. „Ich hab’s passend“, fummelt er die Scheine aus seiner prall gefüllten Geldbörse. Nur Bares zählt, wenn unter den Hammer kommt, was von Gerichtsvollziehern gepfändet, was von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt oder eingezogen wurde.

Das ist nicht wenig: Unzählige Schmuckstücke, Uhren und Ringe gehören ebenso dazu wie ein rosa Täschchen bestückt mit Schminkutensilien, die ganze Bandbreite von Elektronikgeräten, einige Fahrräder. Oder auch Vorschlaghämmer, Brecheisen und eine Kettensäge. Der Schmuck und die Uhren, sagt Auktionator Drong, seien gleich zum Beginn der um 9 Uhr gestarteten Versteigerung weggegangen.

Nach und nach stapeln sich rund um die beiden Bieterprofis die ersteigerten Gegenstände: Fernseher, zum Teil ohne Fernbedienung, Laserdrucker, nagelneue Sportschuhe der Größe 40, ein fernzusteuernder Helikopter samt Flugsimulator. Was macht man eigentlich mit solchen Sachen? „Flohmarkt oder Familie oder so“, der Profi zur Rechten gibt sich in Sachen Verwertung eher wortkarg.

Das Kontrastprogramm zur Versteigerung im großen Sitzungssaal läuft in Zimmer 269: Ziemlich verloren sitzt Richter Christoph Eckert hinterm Schreibtisch. Die vorgesehene Verhandlung in Zivilsachen, bedauert er, sei wegen Erkrankung einer Partei ausgefallen. Bei dem Fall zuvor hätten sich aber einige Zuschauer eingefunden und auch Fragen gestellt. Den „Alltag von Zivilrechtsstreitigkeiten“ sollte Eckert laut Programm den Besuchern näher bringen. Dass diese nicht in Scharen den Weg zu ihm gefunden haben, dafür hat er Verständnis: „Zivilrecht ist nun mal nicht so spannend. Im Strafrecht wird die bessere Show geboten“, sagt er. Immerhin: So kann der Zivilrichter sich ungestört seinen Akten widmen.

Einen einsamen Job hat an diesem Vormittag, an dem hessenweit die Justiz ihre Türen geöffnet hat, auch Bastian Haake. Der Jurist sitzt als Vertreter des Offenbacher Anwaltsvereins im Anwaltszimmer des Gerichts und könnte den Besuchern, so sie denn kämen, etwas über die Tätigkeit des Vereins und dessen gut frequentierter Rechtsauskunftsstelle erzählen. Im Anwaltszimmer wird immer mittwochs von 14 bis 15 Uhr Ratsuchenden geholfen. „Es gibt indes nur Rechtsauskunft, keine ausführliche Rechtsberatung“, schränkt Haake ein.

Offiziell wird es gegen 11.30 Uhr im Erdgeschoss des Justizzentrums: Präsident Stefan Mohr begrüßt Thomas Metz, Staatssekretär im hessischen Justizministerium, samt Gefolge. Nach kurzem Austausch von Höflichkeiten geht es nach oben. Auch der Mann aus Wiesbaden will sich die Versteigerung nicht entgehen lassen.

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