Mit goldenem Händchen

+
Mit filigranster Handarbeit bringt er Uhren zum Laufen: Uhrmachermeister Robert Heß in der Werkstatt von Juwelier Bauer.  

Offenbach - Er ist einer der wenigen verbliebenen Läden in Offenbach, in denen es das noch gibt, dieses heimelige Gefühl. Gepolsterte Stühle, auf denen der kaufwillige Kunde Platz nimmt, dazu gibt es Kaffee und viel Zeit für Beratung. Von Veronika Schade

Bei Juwelier Bauer schlagen die Uhren anders – aber sekundengenau, ist doch eine Uhrenwerkstatt angeschlossen. Heute feiert das Traditionsgeschäft an der Bieberer Straße 10 sein 100-jähriges Bestehen. Im Oktober 1913 wurde das Unternehmen von Juwelier Jakob Bauer gegründet. Über die Jahre wechselten sich mehrere Inhaber ab, doch der Name blieb stets erhalten, er ist in Offenbach ein Begriff. Im Jahr 2005 haben die Brüder Hubert und Robert Heß den Laden übernommen. Unterstützt werden die gelernten Uhrmacher von zwei Fachverkäuferinnen. Hochwertiger Schmuck von ausgewählten, kleinen Firmen und edle Markenuhren sind das Hauptgeschäft. Und das ist, gerade in einer Stadt wie Offenbach, kein einfaches. „In unserer Branche ist es nicht wie beim Bäcker, dass die Produkte sich immer gleich gut verkaufen“, sagt Hubert Heß. „Aber wir kommen über die Runden.“

Vor sechs Jahren kam ein neuer Geschäftsbereich hinzu: Goldankauf. „Kunden haben uns darauf angesprochen, ob wir das nicht machen wollen, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben.“ In der Wirtschaftskrise haben viele Leute in ihren alten Schmuckkästchen gewühlt. Für einige hat es sich gelohnt. „Der Goldpreis ist seit 1970 um 400 Prozent gestiegen“, weiß Heß. So sei es vorgekommen, dass ein Kunde, der am Morgen nicht wusste, wie er seine Heizkosten bezahlen soll, sein Glück nicht fassen konnte, als er mehrere Tausend Euro für sein Altgold bekam. „Einmal kam eine Kundin, die mit Lehman-Papieren Geld verloren hatte. Aber sie hatte zuhause noch einige Unzen Gold gelagert“, erzählt der 44-Jährige. Die meisten Beweggründe, Gold abzugeben, seien jedoch weniger spektakulär – alter Schmuck gefällt nicht mehr, man braucht ihn nicht mehr oder will verhindern, dass er gestohlen wird. Das Gold geht an eine Werkstatt, wo es recycelt und weiterverarbeitet wird.

Auch die Schmuckbranche hat ihre Trends. Doch die Klassiker verkaufen sich am besten. Das beobachtet Heß besonders bei Trauringen: „Oft kommen die Paare her und wünschen sich etwas ganz Modernes. Doch sobald sie verschiedene Ringe ausprobiert haben, entscheiden sich viele doch für etwas Traditionelles.“ Ähnlich bei Uhren. „Uhren von Sinn oder Rolex sind beliebt und wertstabil“, nennt Heß Beispiele. Die meisten Kunden sind Stammkunden. „Auch einige berühmte Namen“, schmunzelt der Juwelier, behält aber seine Diskretion. Diskret, aber edel ist auch das Innere des Ladens. Dunkle Schieferplatten mit einem Wappen schmücken die Wand hinter der Verkaufstheke, die aus hölzernem Palisadenfurnier besteht. Die Einrichtung stammt aus den 70ern Jahren, nachdem der Laden durch einen Brand völlig zerstört wurde. Sie wirkt aber wie neu. „Nach besten fachspezifischen Kenntnissen gestaltet“, lobt Heß. Im Keller befindet sich die Werkstatt, das Reich seines Bruders Robert. Mit Präzision und ruhiger Hand bringt der auch die filigransten Uhrwerke dazu, wieder richtig zu ticken.

Zum heutigen Jubiläum wartet Juwelier Bauer mit einigen Angeboten auf. Vom benachbarten Feinkosthändler Laier gibt es Prosecco und kleine Leckereien. Außerdem wollen die Inhaber einen Teil der Einnahmen für einen guten Zweck spenden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare