Kälte stoppt Elektrobus

Offenbach - Gemessen am Aufwand, der bei der Präsentation betrieben wurde, ist es eine vergleichsweise dürre Meldung, die sich da verschämt auf der Internet-Seite der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) findet. Von Matthias Dahmer

„Leider muss die OVB aufgrund von technischen Problemen, bedingt durch die Witterungsverhältnisse der letzten Tage, den Betrieb des Elektrobusses auf der Linie 103 zunächst für eine Woche einstellen", heißt  

Was ein nicht gerade amüsierter OVB-Geschäftsführer Volker Lampmann zur Begründung des Stillstands einräumen muss, gereicht nicht unbedingt zur Ehre des Vorzeigeprojekts in Sachen Elektromobilität: Der im sonnigen Portugal gebaute Stromer hat keine Heizung.

Lediglich ein kleiner Umlüfter sei installiert gewesen, so Lampmann. Zu wenig, um im kalten November-Deutschland die Füße von Fahrer und Fahrgästen zu wärmen. Nun muss der Hersteller, die Contrac GmbH in Wiesbaden, das 450 000 Euro teure Gefährt, das seit Ende Oktober in Offenbach im Pilotbetrieb läuft, umrüsten. Das dabei zu lösende Problem: Die Energie fressende Heizung mindert die Leistung der ohnehin schon zwei Tonnen schweren Lithium-Ionen-Batterien und damit die Reichweite des Linienbusses.

Bereits am zweiten Tag Probleme

Ob und wann die Contrac GmbH das hinkriegt, ist offen. Vor knapp einer Woche wurde der Bus aus dem Verkehr gezogen. Die Testphase auf der Linie 103 sollte ursprünglich bis 15. Dezember dauern. OVB-Chef Lampmann hofft nun, dass die Wiesbadener den Bus noch vor Weihnachten mit funktionierender Heizung wieder nach Offenbach bringen können. Auch wenn es später werden sollte – auf jeden Fall werde man den Bus noch einige Wochen im deutschen Winter testen, sagt Lampmann. Zu Ehrenrettung des Herstellers erinnert er daran, dass es ja gerade Sinn des Probebetriebs sei, die Alltagstauglichkeit des Pilot-Fahrzeugs zu testen.

Insgesamt, berichtet der OVB-Chef, sei das zwölf Meter lange und mit 23 Sitzplätzen bestückte Gefährt erst zehn Tage lautlos auf der Linie 103 gerollt. Bereits am zweiten Betriebstag habe ein Satz Batterien schlapp gemacht, so dass der Bus vier Tage ausgefallen sei. Immerhin: „Danach ist alles problemlos gelaufen.“ Besonders bei der Reichweite, der das Hauptaugenmerk der Bus-Bauer galt, habe das Fahrzeug gehalten, was versprochen worden sei. Will heißen: Nach einem Umlauf mit rund 70 Kilometern kam der Bus noch mit 50 Prozent Batterieladung in der OVB-Zentrale an der Hebestraße an. „Das würde also locker für 120 Kilometer reichen“, meint Lampmann.

Wenn da nur nicht diese verflixte Sache namens Winter dazwischen gekommen wäre . . .

Rubriklistenbild: © Georg

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