Kälte weckt die Kauflust

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Auf der Suche nach einem guten Buch: Michael Rohn und Maria Santos gestern in der Innenstadt.

Offenbach ‐ Schneetreiben und Rutschgefahr – das müsste doch den Spaß am weihnachtlichen Geschenkekauf bremsen, möchte man meinen. Wer will sich schon bei diesem Wetter mit vollen Einkaufstüten durch die Stadt quälen? Von Domenico Sciurti

Es sind nicht wenige. Die Einkaufslust sei zwar vom Wetter abhängig, bestätigt Stefan Becker, Geschäftsleiter im Ein- und Verkauf beim Modehaus M. Schneider. Aber er sagt auch: „Mit unserem Geschäft sind wir zufrieden. Auf das ganze Jahr bezogen, ist es sogar deutlich besser gelaufen als im Jahr davor.“ Auch Armin Bähr vom KOMM am Aliceplatz bestätigt, das Geschäft laufe besser als 2009. „Wir werden ein Plus im einstelligen Prozentbereich erwirtschaften“, sagt er über den diesjährigen Verkauf. Besonders an den beiden vergangenen Samstagen sei die Kauflust zu spüren gewesen.

Die meistgekauften Artikel - wen wundert’s bei diesen Temperaturen - sind Mützen, Schals, Pullover, Handschuhe, wärmende Unterwäsche, und dicke Jacken - typische Winter-Accessoires eben. Zudem gehen Geschenkartikel für Kinder und Weihnachtsartikel gut, wissen die Offenbacher Einzelhändler.

In den Straßen der Innenstadt ist trotz der Kälte richtig was los. Die Minusgrade machen offenbar niemandem etwas aus. Gut eingepackt machen viele Menschen in den Tagen vor Heiligabend ihre letzten Einkäufe. So wie Lina Schneider. Sie sucht nach Weihnachtsgeschenken für die Familie. Dem Frieren gibt sie keine Chance: Ein wärmender Mantel, eine dicke schwarze Fellmütze auf dem Kopf, ein bunter Wollschal um den Hals geschlungen. Für sich und ihren Mann hat sie bereits ein paar Pullover gekauft, berichtet sie. Und: „Am liebsten kaufe ich Schmuck. Aber in den Geschäften ist er zu teuer, deshalb bestelle ich oft aus Katalogen.“ Zu Weihnachten, sagt die Passantin, möchte sie sich aber noch mal umschauen.

Michael Rohn und Maria Santos haben dagegen nur wenig Zeit für Weihnachtseinkäufe; die beiden werden bald nach Brüssel umziehen, verraten sie. Außerdem: Mützen, Schals und Wintermäntel haben sie noch aus dem Vorjahr. „Dieses Mal verschenken wir vor allem Bücher“, sagt Maria Santos.

„Ich verschenke Selbstgemachtes“, sagt Jana Saprikov aus Lettland und schiebt ihre tief ins Gesicht gezogene dicke Wollmütze ein wenig nach oben. Sie lebt erst seit kurzem in Offenbach, will in Deutschland studieren. Für ihre Mutter hat sie drei Bilder gemalt, ihr Freund bekommt ein selbst dekoriertes Kästchen, dafür benötigt sie noch Farbe und Deko-Material. In das Kästchen kommt dann noch ein Liebesbrief.

Olga Lapizkaja hat sich schon eingedeckt, Handschuhe, einen Schal und eine Mütze gekauft; „Für meinen kleinen Sohn“, sagt sie lächelnd. „Ich vergleiche viel und achte sehr auf Angebote.“ Eine Freude, da ist sie sich sicher, wird sie ihrem Jungen mit den ihm gerade gekauften Engelsflügeln und dem Heiligenschein machen.

„Wir haben mittlerweile nicht mehr alles da, hauptsächlich im Kinderbereich wird es eng“, sagt Christiana Baudach, die Chefin von Galeria Kaufhof. „Kinder wachsen eben schnell aus ihren Sachen heraus, daher müssen Eltern immer wieder neue Sachen kaufen.“ Christiana Baudach rät deshalb, regelmäßig den Wetterbericht zu verfolgen, um zu vermeiden, vor leeren Regalen zu stehen, wenn die eigenen Kinder dringend Klamotten bräuchten. Um den Kunden neue Ware zu bieten, bezieht Kaufhof jetzt auch von neuen Lieferanten Produkte.

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