Offenbach wird Station einer touristischen Entdeckerroute für Milchprodukte

Käsestraße in den Hinterhof

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Ein Schild markiert die Zugehörigkeit der Offenbacher zur Hessischen Milch- und Käsestraße: Darüber freuen sich Andrea und Giuseppe L’Abbate.

Offenbach - Die industriell geprägte ehemalige Lederstadt ist neue Station der sogenannten Milch- und Käsestraße – und kein typischer. Denn die Käsefabrik L’Abbate liegt als einziger der 34 Betriebe im Zentrum einer Großstadt und hebt sich nicht nur dadurch deutlich ab. Von Julia Radgen 

Das Unternehmen, das Giuseppe L’Abbate vor gut 40 Jahren von seinem Vater übernommen hat, findet sich in einem unscheinbaren Hinterhof an der Bieberer Straße. Grüne Weiden und Kühe wie bei vielen der restlichen Betriebe, die in ländlichen Regionen wie dem Odenwald angesiedelt sind, sucht man vergebens. Mit Gastronomie und Erlebnisurlaub kann die Käsefabrik in der kleinen Großstadt nicht dienen. „Führungen dürfen wir wegen hygienischer Auflagen nicht anbieten“, erklärt der Chef. L’Abbate ist die einzige Station der Südhessen-Etappe, die nur auf Hofkäserei und Verkauf setzt. „Wir mussten dabei sein“, sagt seine Frau Andrea. Zufällig entdeckte das Paar das Faltblatt der hessischen Landesvereinigung für Milch und Milcherzeugnisse bei einer Radtour im Jahr 2011. Nun hat es der Offenbacher Familienbetrieb in die Neuauflage geschafft, in der 34 Betriebe für Liebhaber von Molkereiprodukten verzeichnet sind.

Seit den 1970ern produziert die Familie mit Wurzeln im italienischen Apulien auf vergleichsweise kleinem Raum frische Käse-Spezialitäten: Mozzarella, Ricotta und Scamorza nach traditionellen Rezepten sind das Kerngeschäft. Dazu wird importierter Hart- und Weichkäse verkauft. 1000 Liter Milch verarbeiten die Offenbacher pro Tag zu 80 Kilo Mozzarella und 60 Kilo Ricotta, erzählt der Chef. Die Biomilch beziehen L’Abbates vom Sonnenhof der Nieder-Ramstädter Diakonie.

„Früher war Käsemachen anstrengende Handarbeit“, sagt Giuseppe L’Abbate. Damit der Mozzarella elastisch wird, muss er in 85 Grad heißem Wasser baden. Heute ist die Produktion überwiegend maschinell. Trotzdem ist die Familie schwer beschäftigt: Im kleinen Hofladen wird täglich verkauft. Die Zeiten, an denen nur zu Markttagen geöffnet war, sind vorbei. Ein Geheimtipp ist die Fabrik, die Gastwirte und Feinkostläden in ganz Rhein-Main beliefert, längst nicht mehr. Stammkunden besuchen regelmäßig den Laden. „Ich kaufe keinen anderen Mozzarella mehr“, schwärmt eine Kundin. Jüngst würdigte „Die Zeit“ die Käserei, „in die keine vier Leute passen“.

Pikante Affäre - Käse und Süßes sind ein perfektes Paar

Die Betriebe der Käsestraße sollen von dem Zusammenschluss wirtschaftlich profitieren und konkurrenzfähig bleiben – zum Beispiel gegenüber Discountern. „Dafür müssen wir Interesse an uns wecken“, erklärt der Chef. „Uns wurden die ersten Faltblätter förmlich aus den Händen gerissen“, freut sich Gattin Andrea. Jetzt hofft sie auf weite Verbreitung der LAndkarten und darauf, dass die Anbindung an die Milch- und Käsestraße neue Kunden in den versteckten Hinterhof an der Bieberer führt.

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