Bildungsnotstand wegen maroder Bauten

Schüler und Mäuse im Keller

+
Der Musikunterricht für angehende Erzieher läuft in Kellerräumen der Käthe-Kollwitz-Schule. Ein Notbehelf, der als solcher mittlerweile fast hingenommen wird. Dringend wartet man auf die überfällige Sanierung der Schule am Buchhügel.

Offenbach - Bildungsnotstand wegen maroder Bauten: Asbest und unterirdische Provisorien erschweren seit Jahren den Unterricht an der Käthe-Kollwitz-Schule. Weitere Mängel kommen hinzu. Die Folgen sind fatal. Von Matthias Dahmer 

Unterricht im Keller ? Die Antwort von Marlies Stülb zeigt, wie bescheiden man an der Käthe-Kollwitz-Schule im Lauf der Jahre geworden ist: „Damit könnten wir uns arrangieren, wenn denn endlich die Sanierung kommen würde“, sagt die Schulleiterin. Gestern also die Kollwitz-Schule: Die Bildungeinrichtung auf dem Buchhügel ist die dritte von insgesamt vier Schulen, welche die Interessengemeinschaft Offenbacher Schulleiter im Schulterschluss mit Stadtelternbeirat als ganz besonders marode ausgemacht hat und der Öffentlichkeit in einer beispiellosen Aktion präsentiert.

Auf 18,7 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr die Sanierungkosten geschätzt. Die Käthe-Kollwitz-Schule ist damit der dickste Einzelbrocken im stockenden städtischen Schulsanierungsprogramm. Als dieses 2007 aufgelegt wurde, stand die Berufsfach- und Fachoberschule ganz oben auf der Liste. 2012 sollte sie in neuem Glanz erstrahlen. Die Planungen – zunächst nach dem ÖPP-Verfahren, später unter städtischer Regie – wurden mehrfach über den Haufen geworfen. So hieß es, 2014 ist Fertigstellung, dann, 2014 werde begonnen.

Lediglich an den Haltestangen ist die viel zu kleine Behindertentoilette zu erkennen. „Menschenunwürdige Zustände“, findet Marlies Stülb, die seit drei Jahren die Schule leitet.

Getan hat sich bislang nichts. Und angesichts der Finanzlage Offenbachs befürchten Marlies Stülb und ihre Mitstreiter, dass dieser Zustand zementiert wird. Die engagierte Rektorin findet drastische Worte zur Beschreibung der Situation: „Weil die Stadt pleite ist, sind die Schulen auf dem Stand der 60er-Jahre unterwegs. Im Hinblick auf die Wertschätzung von Schülern und Bildung ist das unterirdisch.“ Das ist im wahrsten Sinne des Wortes auch ein Teil des Unterrichts. Die Fachräume für angehende Erzieherinnen und Erzieher liegen im Keller. Die Decken der fensterlosen Klassenzimmer zieren mächtige Versorgungsleitungen. Weil sich darunter auch die Rohre fürs Abwasser befinden, kann es schon mal unangenehm werden für die Nase. Kellerasseln sowie ab zu mal eine vorbeihuschende Maus bereichern den Unterricht.

Ein Problem, das die Schule seit Jahren anprangert, ist der in den Wänden verbaute gesundheitsgefährdende Asbest. Der ist zwar in insgesamt 180 Platten gebunden. Doch wenn nur eine davon beschädigt wird, müsste gleich der betreffende Raum gesperrt werden. Allein die Asbestsanierung an der Schule wird auf fünf Millionen Euro geschätzt. Ein Ärgernis sind auch die Klos. Für die Lehrer gibt es jeweils nur eins pro Stockwerk. Menschenunwürdig ist die Situation für Behinderte. Die einzige Toilette für sie ist viel zu klein und nicht nach ihren Bedürfnissen ausgestattet. Unter dem Mantel des Bestandsschutzes ist das trotzdem erlaubt.

Klassisch und modern: Die besten Spick-Methoden

Klassisch und modern: Die besten Spick-Methoden

Die Mängel, die Schulleiterin Stülb beim Rundgang aufzählt, nehmen kein Ende: Das reicht vom undichten Dach, das immer nur notdürftig geflickt werden kann, über eine mangelhafte IT-Ausstattung („einige unserer Gebäudeteile sind offline“) bis zum stinkenden Fußboden aus Nadelfilz.

Die Konsequenzen dieser Zustände reichen weit. So können zum Beispiel weniger Erzieherinnen ausgebildet werden als insbesondere die Stadt Offenbach benötigt. Hinzu kommt: „Der Markt für Sozialpädagoginnen an Berufsschulen ist leergefegt“, sagt Marlies Stülb. Wenn doch eine von ihnen zum Vorstellungsgespräch komme und die Schule von innen sehe, gehe sie gleich an eine Frankfurter Schule. „Wir reden deshalb gar nicht über Pädagogik, wir reden über Geld“, macht die Schulleiterin noch einmal deutlich, worum es geht.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare