Marode Schule

Kollwitz-Schülern fällt die Decke auf den Kopf

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Einstürzende Neubauten? Nein, abstürzende Bauteile. Yusef Muhammad hat’s dokumentiert und fordert, dass das Land endlich den „Sanierungsnotstand“ an der Käthe-Kollwitz-Schule lindert.

Offenbach - Yusef Muhammad weiß als Käthe-Kollwitz-Schüler um den maroden Zustand des Gebäudes. Dennoch staunt der stellvertretende Landesschulsprecher nicht schlecht, als er am Montagmorgen den Unterrichtsraum betritt. Er steht in einer mittelgroßen Pfütze. Von Martin Kuhn 

„Ich entdeckte ein nasses Stück der Deckenplatten im Waschbecken und sah gleich noch weitere abgefallene Teile auf dem überschwemmten Boden liegen“, schreibt er. Das passt ins aktuelle Bild: Erst vor einer Woche hatte die Berufsfach- und Fachoberschule auf dem Buchhügel auf bauliche Mängel und mögliche gesundheitliche Folgen aufmerksam gemacht – wie schon so oft in den vergangenen Jahren. Nun liegt die Frage nahe: Ist das eine Momentaufnahme des 20-jährigen Offenbachers, sozusagen ein einmaliges Malheur, oder ein dauerhafter Notstand?

„Muss denn etwas noch Schlimmeres passieren, bis endlich die katastrophale Lage begriffen und entsprechend gehandelt wird?“,  fragt Muhammad und formuliert einen öffentlichen Appell – nicht an den lokalen Schuldezernenten Peter Schneider gerichtet, sondern an Hessens Kultusminister. Denn die Stadt sei angesichts leerer Kassen nicht in der Lage, diese Problematik in den Griff zu bekommen. Die geschätzten Sanierungskosten für die Käthe-Kollwitz-Schule liegen bei 18,7 Millionen Euro. „Deshalb muss das Kultusministerium reagieren. Bildung ist schließlich Ländersache.“

Modenschau der Käthe-Kollwitz-Schule

Modenschau der Käthe-Kollwitz-Schule

Bürgermeister Schneider indes erachtet den Vorfall am Buchhügel als „Alltag für Bauamt und Gebäudemanagement“. Der Mangel hat schließlich eine aktuelle Ursache: Ein Stockwerk höher hat ein tropfender Wasserhahn übers Wochenende dafür gesorgt, dass sich die Verkleidung voll sog, zu schwer wurde und herabfiel. „Das wurde sofort repariert – neue Armatur, neue Deckenplatte.“ Dennoch kann er den Protest nachvollziehen. „Klar, dass man dringend auf die Sanierung wartet – da geht es der Schule wie mir.“

Derweil wählt die Schule eine neue Protestform. Von 9.45 bis 10.40 Uhr findet morgen der komplette Unterricht im Freien statt, um auf den „Sanierungsnotstand“ aufmerksam zu machen. Überschrieben ist die Aktion „Lieber Kälte als Asbest“. Bereits heute tagt der Magistrat in einer außerordentlichen Sitzung zum Finanzhaushalt 2015, der die Investitionen regelt. Dann wird der „weitere Ablauf des Schulbausanierungsprogramms“ bekannt gegeben. Das Ergebnis dürfte nicht nur Yusef Muhammad brennend interessieren...

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