Käufer halten sich vor Wahl zurück

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Im noblen Westend wohnte es sich 2008 am teuersten, 430 Euro kostete dort der Quadratmeter. Südlich der Mühlheimer Straße war es mit 320 Euro so günstig wie nirgendwo sonst in der Stadt.

Offenbach - Die Finanzkrise hat im vergangenen Jahr am Offenbacher Grundstücksmarkt keine Spuren hinterlassen. Zu diesem Schluss kommt der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in seinem Marktbericht 2008, der gestern vorgestellt wurde. Von Matthias Dahmer

Ob es in diesem Jahr ähnlich läuft, ist offen. Für die ersten fünf Monate, berichtet Ausschussvorsitzender Ulrich Bockwoldt, ist gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzrückgang um 40 Prozent festzustellen. Der Anzahl der bislang abgeschlossenen Kaufverträge ist indes zu entnehmen, dass der Aufwärtstrend des Vorjahres bei unbebauten Eigenheimgrundstücken anhält. Bauplätze für Ein- und Zweifamilienhäuser werden wieder über 400 Euro pro Quadratmeter gehandelt, es ist ein Preisanstieg von 10 bis 15 Prozent zu erwarten.

Die Prognose ist laut Bockwoldt auch deshalb so schwierig, weil in diesem Jahr Bundestagswahlen sind. Die Zahlen der vergangenen Jahre verzeichnen eine spürbare Kaufzurückhaltung vor einem solchen Termin, um danach wieder in die Höhe zu gehen. Dagegen spielt der geplante Ausbau des Frankfurter Flughafens in der aktuellen Statistik der Gutachter keine Rolle mehr. „Das war in den Jahren zuvor eher der Fall“, sagt Bockwoldt.

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte ist ein unabhängiges Gremium ehrenamtlich tätiger Fachleute. Zentrale Aufgabe ist die Auswertung aller Verträge, bei denen Eigentum übertragen oder ein Erbbaurecht begründet wird. Die Daten werden in der sogenannten Kaufpreissammlung zusammengestellt. Die Sammlung ist für den Ausschuss Grundlage zur Erfüllung seiner gesetzlich übertragenen Aufgaben. Außer der Erstattung von Wertgutachten hat er unter anderem alle zwei Jahre Bodenrichtwerte zu ermitteln. Die Auswertung der Kaufpreissammlung ermöglicht zudem eine Analyse des Grundstückmarkts.

Für 2008 muss er nicht mehr im Nebel stochern: 804 Wohnungen, Häuser und Grundstücke haben im vergangenen Jahr den Eigentümer gewechselt. 2007 waren es 52 weniger. Drei Viertel der erworbenen Immobilien sind zu Eigennutzung bestimmt, ein Drittel der Erwerber waren Nicht-Offenbacher. Dass Offenbach bei den Verkäufen im Vergleich etwa zu den Städten Wiesbaden (2370 Transaktionen), Frankfurt (4 802) und Darmstadt (1 385) ganz weit hinten liegt, ist seiner geringen Gemarkungsfläche geschuldet. Bei den Verkäufen pro Quadratmeter Gebietsfläche liegt die Lederstadt dagegen im Vergleich ganz vorne.

Mit 55,8 Hektar wurden gegenüber 2007 satte 76 Prozent mehr an Fläche umgesetzt. Wesentlicher Grund: Der Verkauf städtischer Grundstücke wie etwa das Sportzentrum Wiener Ring an eine Tochtergesellschaft der Stadt oder die Veräußerung des Geländes fürs neue Polizeipräsidium am Buchhügel ans Land Hessen.

Der seit 2003 registrierte Abwärtstrend bei den Bauplatz-Preisen für Ein- und Zweifamilienhäuser ist vorerst gestoppt. Sie gingen im Schnitt für 380 Euro pro Quadratmeter weg und lagen damit etwa fünf Prozent über dem Vorjahresniveau.

Auch die Preise für ältere, freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser sind bis zu fünf Prozent gestiegen. Anders verhält es sich bei Reihenhäusern und Doppelhaushälften, die um bis zu sieben Prozent günstiger zu haben waren. Ältere Immobilien dieser Bauart haben hingegen kaum an Wert verloren.

Die Geschäftstelle des Gutachterausschusses: Berliner Straße 60, Tel: 8065-2881 oder 8065-2638, Fax: 8065-2981, E-Mail: gutachterausschuss@offenbach.de Der Ausschuss erteilt schriftliche Richtwertauskünfte (20 Euro), verkauft die Bodenrichtwertkarte (auch auf CD-ROM; 40 Euro) und erstellt Verkehrswertgutachten, deren Gebühr sich nach dem Wert des jeweiligen Grundstücks richtet.

Das durchschnittliche Eigenheimgrundstück mit freistehendem Gebäude hat in Offenbach eine Grundstücksfläche von 500 Quadratmetern. Die Wohnfläche beträgt im Mittel 160 Quadratmeter. 300 und 120 Quadratmeter sind die entsprechenden Zahlen für Reihenhäuser und Doppelhaushälften.

Die Preis für Eigentumswohnungen fallen weiterhin. Während bei neuen Wohnungen nur leichte Rückgänge feststellbar sind, kosten ältere, gebrauchte Wohnungen fast zehn Prozent weniger als im Vorjahr.

Den ausführlichen Grundstücksmarktbericht finden Sie hier .

Die geringen Verkaufzahlen bei gewerblich genutzte Objekten über einem Wert von fünf Millionen Euro sind der Grund für einen Rückgang des Geldumsatzes auf dem Grundstücksmarkt von 298 auf 245 Millionen Euro. Haben 2006 noch elf Objekte mit insgesamt 233 Millionen Euro den Eigentümer gewechselt (2007: Sechs Grundstücke für zusammen 134 Millionen), waren es im vergangenen Jahr nur noch neun Gewerbeimmobilien mit insgesamt 75 Millionen Euro.

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