Projekt „KaffeeKranz"

Demenz aus der Nische holen

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Das Thema Demenz mit Normalität zu behaften ist das Ziel des Projekts „KaffeeKranz“. Es führt Betroffene mit anderen involvierten Menschen zusammen.

Offenbach - Von der Küche zieht der Duft frisch gebrühten Kaffees herüber in den Quartierssaal des Mehrgenerationenhauses an der Weikertsblochstraße. Erste Gäste haben sich an diesem Mittwochnachmittag eingefunden und am großen Tisch Platz genommen. Von Harald H. Richter 

Gleich wird ihnen Gebäck gereicht, Tee gibt es auch. „KaffeeKranz“ nennt sich das neue Angebot des Freiwilligenzentrums Offenbach für demenziell erkrankte Menschen und ihre Angehörigen.

Die Eheleute Heidi und Werner Ulrich sind aus Heusenstamm her gekommen. Auf die Offerte waren sie durch ein anderes Projekt aufmerksam geworden, das sich „Auszeit im Museum“ nennt. Ebenfalls neugierig geworden sind Joelle Fontaine und ihr Partner Francesco Cordani, die im Nordend zuhause sind. „Wir möchten Betroffene und deren Partner zusammenbringen mit anderen, denen es ähnlich geht. Aber nicht nur zum gemütlichen Plausch. Wir wollen sie auch gemeinsam kreativ werden lassen“, erläutert Sigrid Jacob vom Freiwilligenzentrum Offenbach die Grundidee des zunächst auf drei Jahre angelegten Projekts. Es kommt mit finanzieller Unterstützung der Dr. Marschner-, der Otto-Georg-Dinges- und der Stiftung Flughafen Frankfurt für die Region zustande und soll zunächst einmal wöchentlich ab 14 Uhr im Mehrgenerationenhaus stattfinden.

Nach Interessen und Bedürfnissen der Betroffenen richten

Begleitet und betreut von ehrenamtlichen Kräften, möchte man sich hinsichtlich der Programmgestaltung ganz nach den Interessen und Bedürfnissen der an Demenz erkrankten Menschen richten. „Das geschieht nicht etwa unter medizinisch-pflegerischen Gesichtspunkten, wobei auch die natürlich zur Sprache kommen können“, erklärt Jacob. Vor allem gehe es um eine thematisch ganz offene Herangehensweise. Die geschützte Umgebung und der Unterhaltungscharakter sollen dazu beitragen, Berührungsängste abzubauen, um in Gesellschaft zwei bis drei abwechslungsreiche Stunden bei Gesprächen und verschiedenen Formen der Betätigung verbringen zu können.

Unlängst ging es dabei künstlerisch-kreativ zu. Unter Anleitung von Patricia Stein wurde der Nachmittag unter das Motto „Malen mit Musik“ gestellt – ganz ungezwungen und ohne dass Vorkenntnisse erforderlich wären. „Heiter und beschwingt mit leichtem Pinselstrich zum Takt von Marschmelodien oder Walzerreigen malen“, lautete zuvor die Ankündigung Steins. Für einen Mittwoch im Mai hat sich das Theater t-raum im „KaffeeKranz“ angesagt und will die Gäste in märchenhafte Gefilde entführen. „Reisen in andere Erlebniswelten“ beschreibt Sigrid Jacob solche Programmangebote zutreffend. Sollte spontan der Bedarf nach Betreuung durch die ehrenamtlichen Teammitglieder entstehen, möchte das Freiwilligenzentrum nach individueller Absprache auch ermöglichen, dass Demenz-Betroffene eine Weile ohne Partner im „KaffeeKranz“ verweilen können. Mit Praktikantin Lea Becker und Heide Jörg-Menerville sind engagierte Kümmerer zur Stelle. Freilich sind auch weitere Helfer willkommen, um sich einzubringen.

„Vielleicht entwickelt sich ja eines Tages auch ein kleiner Gesprächskreis für neu an Demenz erkrankte Menschen, denn so etwas gibt es bislang nicht“, weiß Patricia Stein. Noch ganz am Anfang stehend, möchte man diese neue Form der Begegnung zur Kaffeezeit inhaltlich aber nicht überfrachten. „Wer neugierig ist und sich angesprochen fühlt, kann gern zu einem Schnuppernachmittag zu uns kommen“, ermuntert Sigrid Jacob. Um dauerhaft dabei zu sein, wird pro Gästepaar ein Teilnahmebeitrag erhoben. Dieser öffnet auch die Tür zu allen anderen Veranstaltungsangeboten. „Wichtig ist uns, das Thema Demenz aus der Nische zu holen und mit einem Stückchen Normalität zu behaften.“

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