Seit anderthalb Jahrhunderten erfolgreich: Kaffeerösterei Laier

Qualität ist das Kriterium

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Früher hat Margarete Laier den Kaffee im Anbau hinter dem Geschäft selbst geröstet. Inzwischen besorgt das ihre Tochter Annette.

Offenbach - Gute Nachricht in einer Zeit, in der Innenstädte von Filialisten geprägt sind: Es gibt sie noch, die Offenbacher Traditionsgeschäfte! Acht von ihnen, die mindestens 100 Jahre alt sind, haben sich zu der Aktion „Handeln mit Seele“ zusammengeschlossen. Heute: Kaffeerösterei Laier. Von Markus Terharn 

„Seit 1869“ prangt stolz auf der gläsernen Ladentür des Hauses Bieberer Straße 12. Da lautete der Name indes noch nicht Laier. Markus Niederreiter, aus Bayern stammend, hatte in Offenbach einen florierenden Tabak- und Kolonialwarenhandel eröffnet, vor der Gründung des Deutschen Reichs. Fast anderthalb Jahrhunderte später befindet sich das Feinkostgeschäft immer noch in Familienbesitz. „Der Gründer war der Onkel meines Schwiegervaters“, erzählt Margarete Laier, die das Erbe mit Mann Rolf 1997 an Tochter Annette weitergab.

Niederreiter hatte drei Kinder, die im Betrieb arbeiteten (die Tochter führte parallel ein Kurzwarengeschäft), aber unverheiratet und kinderlos blieben. So wurde der Neffe Richard Laier gerufen, der seinen Beruf als Bäcker und Konditor aufgeben musste – wegen Mehlstauballergie. Er konnte aber Kaffee rösten.

„Vor dem Krieg hat fast jedes Geschäft seinen eigenen Kaffee geröstet“, weiß Margarete Laier, Jahrgang 1941. „In den 50er Jahren kamen dann die Filialisten wie Tchibo und Eduscho, und die Kleinen gerieten in die Krise.“ Wie kann man dagegen konkurrieren? „Über den Preis geht es nicht, nur über die Qualität“, war das Credo Laiers und seiner Frau Marta: Spezielle Sorten in kleinen Chargen. „Und er war der Erste, der Espresso in Offenbach verkauft hat“, so die Schwiegertochter.

Die gebürtige Schwäbin hatte bei Laier Einzelhandelskauffrau gelernt. Nach einem Intermezzo in ihrer alten Heimat kehrte sie zurück – und heiratete Junior Rolf Laier. Neben dem Kaffee- und Teeladen an der Bieberer führten sie ein Feinkostgeschäft an der Ecke Frankfurter Straße/Ludwigstraße. „Ich habe das Praktische gemacht, mein Mann das Kaufmännische“, berichtet sie. Ihr Schwiegervater führte sie ein. „Ich habe eine gute Nase, das kann man nicht lernen“, sagt sie. „Aber man kann das trainieren“, glaubt Tochter Annette.

Alle Laiers sind stets mit der Zeit gegangen. Ab den 50er Jahren folgten sie dem Trend zur Selbstbedienung. Zu Kaffee und Tee gesellten sich Süßwaren, Nüsse und Trockenfrüchte, die sich bis heute im Sortiment finden, ergänzt um Öl und Gewürze.

Kaffee und Tee in einem: Der spritzige Koffein-Kick Cascara

Einen Einschnitt bedeutete die Übergabe an die Tochter. Das jüngste der drei Kinder, geboren 1971, hatte bei Rowenta Industriekauffrau gelernt und seit 1994 bei den Eltern gearbeitet. Die wussten wirklich nicht, ob sie zuraten sollten, hatten Höhen, aber auch Tiefen nur zu gut erlebt. Doch Tochter Annette bewies Courage. Und besaß den Mut, dem Ladenlokal drei Jahre nach der Übernahme ein neues Gewand zu verpassen. Im Jahr 2000 war die Arbeit des Büros Weyrich und Koch fertig und heimste gleich einen Architekturpreis ein. „Manche Kunden trauern dem alten Stil dennoch nach“, weiß Annette Laier.

Vier Mitarbeiterinnen beschäftigt sie, die angrenzende Kaffeebar wird inzwischen von Jutta Baisch eigenständig betrieben. Die schenkt selbstverständlich das aus, was Laier im rückwärtigen Anbau röstet und mischt. Auf Paletten wird der Rohkaffee aus Bremen angeliefert. 60 bis 70 Kilo wiegt ein Sack, das kann die zierliche Chefin nicht stemmen. Zwar hat sie dank körperlicher Arbeit Muskeln entwickelt; trotzdem hat sie einen Kran angeschafft. Offenbacher Kaffeeklatsch ist die Spezialität des Hauses. Eine andere sind die Offenbacher Pfeffernüsse. Präsente sind ein gutes Standbein. Und der Internetshop ist sogar 24 Stunden am Tag geöffnet.

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