Glauben an die Lobbymacht

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Im Zuge des EZB-Neubaus ist eine Brücke geplant, die den Frankfurter Osthafen mit der südlichen Mainseite verbindet (oberer Bildrand). Sie wird für mehr Verkehr im Kaiserlei sorgen.

Offenbach ‐ Der Grundstein ist gelegt. Nicht nur für den 850 Millionen Euro teuren Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) auf dem einstigen Gelände der Frankfurter Großmarkthalle. Für Offenbachs Oberbürgermeister ist das auch Fundament für „eine tolle Sache für uns“. Von Thomas Kirstein

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Als guter Nachbar war Horst Schneider zur Feier geladen, hat dabei den EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet kennen gelernt und schwärmt noch einen Tag danach von den Chancen, die sich durch das nur zweieinhalb Kilometer von seiner Stadt entfernte Projekt eröffnen könnten: Er ist zuversichtlich, dass die EZB-Türme und das angegliederte Kongresszentrum, für das täglich bis zu 5000 Besucher erwartet werden, auch jenseits des Mains Nachfrage nach Büroraum, Gastronomie und Beherbergung auslösen werden. Für ein neues Hotel auf Offenbachs Hafen etwa gebe es bereits Investoreninteresse, deutet der OB an.

Die schon mehrfach betrachtete Kehrseite der EZB-Medaille: Die Frankfurter wollen den gewaltig zunehmenden Verkehr im Osten ihrer Stadt über eine neue Mainbrücke ableiten.

Diese wird allerdings keine „Stadtteilbrücke“, wie sie neulich der Verkehrsdezernent Lutz Sikorski verniedlichend bezeichnete, sondern ein veritabler Zubringer in Richtung Offenbach. Mehr als 17 000 Autos soll die Brücke jeden Tag über den Fluss bringen, der Großteil wird in Richtung Kaiserlei abfließen.

Dass der dortige Kreisel das nicht schaffen kann, ist Offenbacher Überzeugung schon seit Bekanntwerden der Frankfurter Brücken-Pläne im Jahr 2003. Auch würde der Stadtteil Kaiserlei selbst entlang der Strahlenberger Straße belastet. Beide Seiten haben seitdem Gutachten anfertigen lassen, um die künftige Belastung als untragbar beziehungsweise erträglich darzustellen.

Vorrangiges Ziel des Offenbacher Magistrats ist aber, in diesem Zusammenhang den kompletten Umbau - nicht nur einen Ausbau - des Kaiserleikreisels in ein Kreuzungssystem zu erreichen. Bund und Land sollen das bezahlen.

Ein Teilerfolg laut OB: Das Verkehrsministerium wertet die Herstellung einer Richtungsfahrbahn im Zusammenhang mit der Ansiedlung von Hyundai im Jahr 2001 als Baubeginn für einen Kreisel-Umbau; das verlängert das bestehende Baurecht für das Areal, das ansonsten 2011 abgelaufen wäre.

Eskalationsstufe, Rechtsmittel einzulegen

„Einziges Problem ist jetzt, das Geld für den Umbau zu organisieren“, sagt Horst Schneider. Wie berichtet, bringt der OB aus Wiesbaden und Berlin Sympathiebekundungen für die Pläne, bislang aber noch keine festen Zusagen mit. Hoffnung, Geld aus dem Konjunkturprogramm erhalten zu können, haben sich schon im Frühjahr 2009 zerschlagen.

Immerhin ist Offenbach nach Frankfurter Widerständen inzwischen offiziell beteiligt, wenn es um den Bebauungsplan „799 (Honsellbrücke“) geht. Im August 2009 wurden die „Einwendungen hinsichtlich der Verkehrsauswirkungen auf die Stadt Offenbach“ eingereicht. Sollten diese Bedenken von den Frankfurtern vom Tisch gewischt werden, gibt es laut OB Schneider die „Eskalationsstufe, Rechtsmittel einzulegen“. Es soll auch nicht passieren, dass die Nachbarstadt ihre neue Brücke einweiht, während Offenbach wegen fehlender Bundesmittel auf seinem alten Kaiserleikreisel sitzen bleibt.

Wiederum ist der Oberbürgermeister optimistisch, freut sich nach Gesprächen über positive Signale aus dem Römer: „Ich glaube, wir können da auf die geballte gemeinsame Lobbymacht der Stadt Frankfurt und der europäischen Zentralbank setzen.“

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