Neue Wege durch den Kaiserlei

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In dieser Simulation fahren die Autos bereits durch den neuen Knotenpunkt (rot gefärbt der bestehende Kreisel). Links befindet sich Frankfurt, rechts Offenbach. Oben geht es in Richtung Bad Homburg. Die Grafik unten zeigt in gleicher Perspektive die künftige Entflechtung von Fern- und städtischem Verkehr.

Offenbach - Gewaltig sind die Ausmaße des Kreisels, dem künftig zu erwartenden Verkehr ist er dennoch nicht gewachsen. Im Gespräch mit Fabian El Cheikh erklärt Hans-Joachim Bier-Kruse, Bereichsleiter der städtischen Verkehrsplanung, weshalb und wodurch das Rondell ersetzt wird.

Herr Bier-Kruse, warum wird der Kaiserleikreisel zurückgebaut?

Hans-Joachim Bier-Kruse

Der Umbau des Kaiserleigebiets ist Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs von Frankfurt und Offenbach. Gemeinsames Ziel der Städte war und ist es, den Stadtteil Kaiserlei zu entwickeln. Dazu gehört die verkehrliche Anbindung neuer Büroflächen.

Auf welcher Grundlage sind die heutigen Planungen entstanden?

Die Planungen stammen von dem Frankfurter Architekturbüro Dreysse, das mit seinem Entwurf im Jahr 1994 den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen hat. Er sieht eine Entflechtung des regionalen und des überregionalen Verkehrs vor. Dies hat sich als leistungsfähigste Lösung zur Bewältigung des künftigen Verkehrs im Kaiserlei herausgestellt.

Das heißt, ein bald 20 Jahre alter Rahmenplan ist Grundlage für den nun beschlossenen Umbau?

Ja, die dort geplante Verkehrsführung ist Grundlage für den bestehenden Planfeststellungsbeschluss zum Kreiselumbau. Allerdings wurde das Verkehrsaufkommen noch einmal im Jahr 2007 im Auftrag der Stadt Offenbach analysiert. Außerdem bestätigte das Karlsruher Planungsbüro PTV vor drei Jahren in einem neuen, mit dem hessischen Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen abgestimmten Verkehrsgutachten, dass die vorgesehene Verkehrsführung leistungsfähiger ist als der bisherige Kreisel. Auch die städtebaulichen Inhalte des Rahmenplans werden derzeit mit der Stadt Frankfurt überarbeitet.

Wurde seinerzeit bereits der Bau einer neuen Mainbrücke im Frankfurter Osten berücksichtigt?

Nein, damals gab es ja auch noch nicht die Europäische Zentralbank und schon gar nicht ihr neues Gebäude, das derzeit in Bau ist. Tatsächlich muss durch die neue Brücke mit deutlich mehr Fahrzeugen gerechnet werden, die das Kaiserleigebiet und den dortigen Autobahnanschluss passieren. Viele Autofahrer sind der Meinung, das Rondell verstopfe nur aufgrund von Rückstaus von der Autobahn in Richtung Bad Homburg und der Berliner Straße stadteinwärts. Das ist richtig, allerdings sind zu bestimmten Tageszeiten auch die Zufahrten aus der Strahlenbergerstraße überlastet. Zudem haben wir auch an der Einmündung der Berliner Straße einen Unfallschwerpunkt.

Hätte die Berliner Straße nicht vierspurig bleiben müssen?

Nein, das sehe ich nicht so. Auch der Rückbau der Berliner Straße Anfang der 90er Jahre von vier auf zwei Spuren ist einer städtebaulichen Entscheidung zu verdanken, die für alle Verkehrsteilnehmer richtig war.

Wieso?

Weil die Stadt zu Recht den regionalen Durchgangsverkehr verbannen wollte. Damals war die Berliner Straße wie eine Stadtautobahn, gefährlich für Fußgänger und Radfahrer. Heute ist für alle Platz. Als die S-Bahn gebaut wurde und dadurch die Straße verengt werden musste, sahen die Städteplaner: Das funktioniert ja.

Heißt das, dass der Kreisel für sich genommen eigentlich leistungsfähig genug ist?

Nein, nicht zwangsläufig. In Spitzenzeiten, morgens und mittags, registrieren wir etwa an der Abfahrt Strahlenbergerstraße aus Offenbach kommend auf die Autobahn und an der Berliner Straße in Richtung Kreisel erhebliche Behinderungen. Das gilt auch für die Abfahrt von der Autobahn aus Norden kommend in den Kreisverkehr. In diesen Zeiten stößt der Kreisel bereits heute an seine Kapazitätsgrenzen. Das ist nachgewiesen.

Aber es heißt doch immer, dass Kreisel mehr Sinn haben als Kreuzungen...

Das gilt sicherlich für innerstädtische Kreisel wie am Mainzer Ring, aber der Kaiserleikreisel ist als zentraler Verkehrsknoten von regionaler Bedeutung. Da werden sehr hohe Geschwindigkeiten gefahren, die das Einfädeln erschweren. Außerdem wird er in seiner jetzigen Form dem künftigen Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen sein.

Wieviel Verkehr wird denn künftig erwartet?

Nach jetzigem Stand fahren täglich zirka 65.000 Fahrzeuge durch den Kreisel. Nach einer Modellberechnung müssten wir im Jahr 2020 mit 79 000 Fahrzeugen im Kreisel rechnen.

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Kann der vorhandene Kreisel nicht optimiert werden?

Das ist er bereits vor Jahren, als eigenständige Zufahrten auf die Autobahn an der Strahlenbergerstraße von Offenbach in Richtung Bad Homburg und von Frankfurt in Richtung Darmstadt eingerichtet wurden.

Wieviele zusätzliche Fahrzeuge wird die neue Mainbrücke an den Kaiserlei spülen?

Das kann man seriös nicht beziffern. Gerechnet wird mit etwa 17.000 Fahrzeugen täglich auf der Brücke, die aber nicht alle aus oder in Richtung Kaiserlei unterwegs sein werden. Vielmehr wird es zu einer teilweisen Verlagerung der individuellen Fahrstrecken kommen.

Hand aufs Herz, würde die Stadt den Kreisel auch umbauen, wenn sie nicht an den neuen Büroflächen in dessen Inneren interessiert wäre?

Das ist eine Frage, die so isoliert nie betrachtet wurde. Da es heute schon zu Überlastungen kommt, ist das zu vermuten. Und aus städtebaulicher Sicht würde ich das auch empfehlen. Zumal Investoren heute immer nach einer Verkehrslösung fragen.

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