2019 soll die neue Brücke stehen

Kaiserlei-Umbau wird noch teurer

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Der Kaiserlei von oben.

Offenbach - Eine schlechte und eine gute Nachricht für die Stadtverordneten. Die böse Überraschung: In der nächsten Sitzung müssen sie Mehrkosten für den Umbau des Kaiserlei-Kreisels absegnen. Glück im Unglück: Verzögerungen sind nicht zu erwarten. Von Markus Terharn 

Technische Auflagen einerseits, verstreichende Fristen andererseits: Diese Zwickmühle setzt den Magistrat unter Zeitdruck. Vorgestern stimmte das Gremium einer Dringlichkeitsvorlage aus dem Bauamt zu. Kernpunkte: Von den beiden Varianten für den Umbau des Kaiserlei-Kreisels kommt die (teurere) zweite zur Ausführung. Und: Zusätzliche Erkundungsbohrungen treiben den Preis um weitere 250 000 Euro in die Höhe. Da unklar ist, ob diese Aufwendungen zuschussfähig sind, bleiben sie vorerst an der Stadt hängen.

In Zahlen: Variante 1 wäre mit 36,23 Millionen Euro zu Buch geschlagen, von denen die Stadt 1,277 Millionen zu tragen gehabt hätte. Variante 2 sollte 37,03 Millionen kosten, nun sind es 37,28 Millionen. Davon muss die klamme Stadt, unter Schutzschirm-Bedingungen und Sparauflagen des Regierungspräsidiums stehend, 1,641 Millionen Euro schultern. Diese soll das Stadtparlament in seiner Juli-Sitzung abnicken.

Denn die Zeit drängt, wie Bauamtsleiter Markus Eichberger darlegt: Im Jahr 2019 läuft das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) aus. Bis dahin müssen die beiden neuen Brücken links und rechts der Autobahnbrücke über den S-Bahn-Tunnel hin zur Berliner beziehungsweise Strahlenbergerstraße fertig sein. Sonst fließen keine Zuschüsse des Landes. Hessen Mobil braucht aber ein paar Monate, um alles zu prüfen. Anfang 2016 muss das Geld bewilligt sein, damit Mitte des Jahres der Bau beginnen kann. Schon die übernächste Sitzung des Stadtparlaments (nach der Sommerpause, im Oktober) wäre also zu spät.

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Die Finanzierung schlüsselt sich so auf: Der Löwenanteil, 15,494 Millionen, entfällt aufs Land Hessen. 8,51 Millionen zahlt der Bund. Für 2,86 Millionen müssen die Anlieger in Form von Straßenbeiträgen geradestehen. Die Stadt Frankfurt hat sich verpflichtet, 8,775 Millionen zu übernehmen. Bleiben die genannten 1,641 Millionen für die Stadt Offenbach. Indes verweist Oberbürgermeister Horst Schneider darauf, dass das Gesamtvolumen, 37,28 Millionen, im kommunalen Haushalt darzustellen ist.

Die Hiobsbotschaft ist Ergebnis eines Termins im Bundesverkehrsministerium. Am Mittwoch voriger Woche hatten Vertreter der Stadt in Bonn erfahren, dass die vom beauftragten Ingenieurbüro favorisierte Kombination aus Pfahl- und Plattengründung nicht genehmigt wird. Im Zuge einer sogenannten Baugrunderkundung waren im Vorfeld Probebohrungen bis zu einer Tiefe von 20 Metern vorgenommen worden, fünf Meter tiefer, als die Pfähle reichen sollten. In der Zone des S-Bahn-Tunnels wurde sogar 45 Meter tief gebohrt.

Verkehrschaos am Kaiserlei

Das reicht dem Bundesverkehrsministerium nicht: Es verlangt acht weitere Probebohrungen. Da es außerdem auf herkömmlicher reiner Pfahlgründung besteht, müssen fast doppelt so viele Meter Pfahl eingebracht werden.

Eichberger nennt weitere Kostensteigerungen. Gegenüber der Ursprungsplanung verteuern sich Grunderwerb, Beschilderung, Beleuchtung und ÖPNV-Anbindung. Ausgleichsmaßnahmen, Grünflächen sowie Vergrämung oder Umsiedlung zwischenzeitlich entdeckter Zauneidechsen verschlingen ebenfalls mehr Geld. Mit den Bau- steigen zudem die Ingenieurkosten.

Angesichts des Hin und Her zwischen Stadt, Land und Bund berichtet OB Schneider von einem Vortrag des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff, dem er dieser Tage lauschte. Da ging es um die Vorzüge des Föderalismus. „Ich habe ihn nach den Schattenseiten gefragt“, erzählt Schneider. Die „hochkomplexen Prozesse der Arbeitsteilung“ in Verkehrsangelegenheiten zählt er dazu...

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