Marktbeschicker müssen zukaufen

Zu kalt für Grie Soß

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Traditionell wird an Gründonnerstag die Hauptsaison der Grünen Soße eingeläutet. Der späte Frost hemmte in diesem Jahr allerdings das Wachstum der Kräuter im Freiland.

Offenbach - Traditionell wird an Gründonnerstag die Hauptsaison der Grünen Soße eingeläutet. Der späte Frost hemmte in diesem Jahr allerdings das Wachstum der Kräuter im Freiland. Von Lena Jochum 

Auf dem Wochenmarkt waren die Kräutergebinde kurz vor den Osterfeiertagen also besonders gefragte Ware. „Viermal Grie Soß, bitte“ oder „ich nehme fünf“, schallt es am Gründonnerstag auf dem Wochenmarkt aus allen Richtungen. Pünktlich zum Osterwochenende beginnt traditionell die Saison der regionalen Spezialität. Sieben Kräuter gehören rein in die „Grie Soß“ – Petersilie, Pimpinelle, Kerbel, Schnittlauch, Sauerampfer, Kresse und Borretsch. Fertig portioniert und eingewickelt in Papier gibt es sie an beinahe jedem Offenbacher Gemüsestand.

Dem diesjährigen Saisonstart zu Ostern kommt allerdings das Wetter der vergangnen Monate in die Quere. Der späte Frost führte dazu, dass die Kräuter im Freiland bisher kaum gewachsen sind. „Die Auswirkungen spüren wir hier deutlich“, erzählt Maren Zietlow, die regelmäßig am Gemüsestand Gündling aushilft. Gündlings bauen die Kräuter nicht selber an und ihr Lieferant konnte zu Ostern mit deutlich weniger Kräutern dienen als bestellt. Rund ein Drittel fehle, so Zietlow, weshalb die Kräuterbündel wohl deutlich schneller ausverkauft seien als üblich.

Reißenden Absatz findet die grüne Mischung auch am Gemüsestand von Heidi Jung. Die Chefin selbst fällt seit November wegen eines gebrochenen Fußes aus, Zwillingsschwester Christel Lenk und Tochter Julia halten aber die Stellung. Für den großen Ansturm am Gründonnerstag haben sie die Zutaten extra gebunkert, verrät Lenk, befürchtet aber dennoch, dass die Kräuter früh zur Neige gehen werden. Die Ernte vor Ostern fiel auch bei ihnen merklich knapper aus als sonst. „Im Freiland ist fast gar nichts gewachsen“, sagt Julia Jung. „Wir haben bis jetzt alle Kräuter im Gewächshaus geerntet, die Petersilie mussten wir aus Italien zukaufen.“

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Zwar schreibt eine 2016 in Kraft getretene EU-Verordnung vor, dass nur solche Mischungen unter dem Namen „Frankfurter Grüne Soße“ verkauft werden dürfen, die ausschließlich in Frankfurt und Umgebung angebaute Kräuter enthalten. Zumindest zeitweise ist aber der Zukauf gestattet. Auf die Verwendung des geschützten Begriffs verzichtet der Oberrader Familienbetrieb aber ohnehin. „Wie viele andere gehen auch wir auf Nummer sicher und schreiben ‘Frische Grüne Soße’“, erklärt Lenk.

So hält es auch Gemüsehändler Günter Buxmann. Er bezieht seine Grüne-Soße-Mischung von einer Oberräder Gärtnerei, die einige Kräuter aus anderen Regionen Deutschlands zukaufen muss. In seinen Augen kein Problem: „Das mit der EU-Verordnung ist ausgeufert. Kleinere Betriebe können die ganzen Auflagen und Vorschriften kaum erfüllen.“ Als Beispiel nennt er etwa die exakte Dokumentation von Anbau und Ernte, die im Falle einer Kontrolle verlangt wird. „Vor allem jetzt, wo uns die Witterung Probleme macht, ist es doch gut, wenn uns andere Regionen aushelfen“, findet der Gemüse-Fachmann. „Und die Qualität ist fantastisch!“ Trotz späten Frosts ist er zuversichtlich, alle seine Kunden versorgen zu können. Nach Ostern aber, da sind sich die Gemüsehändler einig, entspannt sich die Lage an der Kräuter-Front. Wer am Gründonnerstag also tatsächlich leer ausging, hat in den kommenden Wochen sicher mehr Glück.

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