Mutmaßliche Islamisten angeklagt

Prozess: SWR-Kamerateam vor Moschee verprügelt

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Die zwei Hauptangeklagten Elvis L. (l) und Harun A. (r) sitzen beim Prozessauftakt im Amtsgericht von Offenbach neben ihren Verteidigerinnen.

Offenbach - Im Juli 2013 attackieren radikale Islamisten ein Fernsehteam, das vor einer Moschee in Offenbach dreht. Drei Mitarbeiter des SWR, werden verletzt. Der Fall wird seit Donnerstag vor dem Amtsgericht Offenbach verhandelt. Die Angeklagten bestreiten jegliche Tatbeteiligung. Von Matthias Dahmer

Auf der Anklagebank sitzen Harun A., ein bulliger Mann mit türkischem Pass, und Elvis L, ein schlanker, eher jugendlich wirkender Serbe. Den bärtigen 25-Jährigen, die beide ohne festes Einkommen sind, wird vorgeworfen, am 7. Juni 2013, mit weiteren Männern das Fernsehteam verprügelt zu haben, das für die Sendung Report Mainz vor der Tauhid-Moschee in der Karlstraße recherchierte. Während Reporter und Kameramann nur leicht verletzt werden, schlagen und treten die Angreifer noch auf den Tontechniker ein, als dieser bereits am Boden liegt.

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Auch anderthalb Jahre nach der Tat ist dieser aus Furcht nicht bereit, als Zeuge auszusagen. Mitangeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung, aber nicht greifbar, sind der mutmaßliche Salafist Hassan M. und der zur Tatzeit erst 17-jährige Wali A. Nach ihnen wird gefahndet. Die beiden sollen Deutschland verlassen haben, um in den Dschihad zu ziehen. Trotz elektronischer Fußfessel, die er wegen einer anderen Straftat tragen musste, hatte sich M. im Mai 2014 Richtung Syrien abgesetzt. Der Vorfall, der erst im September öffentlich wurde, sorgte für politische Turbulenzen. Die beiden Angeklagten, denen jeweils eine Pflichtverteidigerin zur Seite steht, beteuern gestern vor dem Schöffengericht, an der Prügelattacke nicht beteiligt gewesen zu sein. Im Gegenteil: Sie hätten versucht, den angreifenden Hassan M. zurückzuhalten.

Fernsehteam vor Moschee angegriffen: Bilder zum Prozess

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Den SWR-Mitarbeitern, die als Zeugen gehört werden, gelingt es kaum, das Tatgeschehen den einzelnen Angeklagten zuzuordnen. Zum einen war seinerzeit der Tumult vor der Moschee zu groß, zum anderen liegt der Vorfall schon zu lange zurück. Während keiner der Zeugen bestätigen kann, dass Harun A. geschlagen hat, identifiziert der Kameramann Elvis L. aufgrund seiner damals getragenen und auf den Fernsehbildern erkennbaren Kleidung als einen der Angreifer.

Das Fernsehteam war nach Offenbach gekommen, weil es hoffte, in der Moschee den 17-jährigen Wali A. zu treffen. Dessen Vater hatte die Reporter informiert, dass sein Sohn schon die Koffer gepackt habe, um in den Heiligen Krieg zu ziehen. Im Zuge der Recherchen in der Karlstraße baten die Journalisten auch den Imam der Tauhid-Moshee um ein Interview. Weil dieser zugesagt hatte, warteten sie vor dem Gebäude, wo es dann zu dem Angriff kam. In dem Prozess soll voraussichtlich am nächsten Donnerstag das Urteil gesprochen werden.

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