Der Kampf um die Alten

Offenbach ‐ Normalerweise ist es der Mangel, den es in Offenbach zu verwalten gilt. Ganz anders ist es bei den Plätzen in Alten- und Pflegeheimen. Hier ist in nächster Zeit ein Überangebot zu befürchten, das zu einem ruinösen Wettbewerb der Betreiber führen könnte und die machtlosen städtischen Sozialplaner sogar von einer Katastrophe sprechen lässt. Von Matthias Dahmer

Grund ist ein geplantes Heim am Spessartring mit mehr als 160 Plätzen unmittelbar neben dem Gebäude des DRK, das zusammen mit den beiden bereits im Bau befindlichen Einrichtungen auf den OTC-Gelände (120 Plätze) und auf dem Areal der ehemaligen Kaiser-Fridrich-Quelle (188) für nahezu eine Verdoppelung der Heimplätze sorgen wird.

529 Betten gibt es derzeit in den bestehenden sieben Offenbacher Häusern. Das entspricht in etwa dem Bedarf, der nach den hessischen Richtlinien ermittelt wird. Die gehen davon aus, dass 25 Betten pro 1.000 Einwohner über 65 Jahre zur Verfügung stehen müssen.

Den Bau der Heime regelt der freie Markt

Die Stellungnahme der städtischen Altenplanerin Heidi Weinrich zu den drei neuen Heimen schwankt daher auch zwischen der noch höflichen Aussage „negative Entwicklung“ und dem Wort „Katastrophe“. Mehr als das Ganze kritisch zu kommentieren bleibt ihr auch nicht übrig. Denn den Bau der Heime regelt der freie Markt, die Kommunen haben keinerlei Einflussmöglichkeiten.

Das ärgert auch Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon. Sie fordert ähnlich wie bei den Kindergartenplätzen gesetzliche Vorgaben, um den Kommunen die Möglichkeit zu geben, das Angebot zu steuern.

Zumal die geplanten Heimplätze der in Offenbach angepeilten Vielfalt an Wohnformen im Alter und dem Ziel entgegenstehen, die ambulante Pflege auszubauen. Für Altenplanerin Weinrich entsprechen Häuser mit mehr als 100 Betten ohnehin nicht mehr dem Stand der Wissenschaft. Zudem sollten etwa Doppelzimmer nur drei bis fünf Prozent des Angebots in einer Einrichtung ausmachen.

„Die gehen davon aus, die bestehenden Häuser in den Ruin treiben zu können.“

Warum Investoren trotz des deutlichen Überangebots an Heimplätzen darin immer noch ein einträgliches Geschäft sehen, hat auch Heidi Weinrich gewundert. Nach Gesprächen mit einigen Bauherren ist sie schlauer: „Die gehen davon aus, die bestehenden Häuser in den Ruin treiben zu können.“

Ob das auch das Ziel von Thomas Zethin ist, ist unklar. Der Geschäftsführer der Care-Center Invest GmbH, die das Heim am Spessartring bauen will, gibt sich auf Anfrage recht einsilbig. Er spricht trotz eingereichtem Bauantrag lediglich von „Überlegungen“ zur Errichtung eines Alten- und Pflegeheims.

Die Zurückhaltung könnte am Betreiber liegen, den er sich ausgesucht hat. Der ist nicht etwa das benachbarte DRK, das alles andere als erfreut ist, dass es nicht einmal gefragt wurde. Als Träger ist bislang die Firma Casa Reha vorgesehen. Die Holding aus Oberursel, die bundesweit 53 Heime betreibt, war jüngst ins Gerede gekommen. Das hessische Sozialministerium drohte, ein Seniorenheim des Unternehmens in Frankfurt wegen Missständen bei der Betreuung zu schließen. Dies konnte dann aber nach zweitägiger Prüfung abgewendet werden.

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